Die neue Multi-Air-Technologie feiert im kleinen Italiener sein Debüt. Eine elektrohydraulische Ventilsteuerung soll den Motor und sparsamer machen. Der Test zeigt, Ersteres gilt vor allem für die 170 PS-Version des Mito.
Zehn Prozent mehr Leistung, bis zu 25 Prozent weniger Verbrauch: Fiat verspricht mit seinem Multi-Air-System, das erstmals im Alfa Romeo Mito eingebaut wird, einen großen Schritt nach vorn. Es bedeute für Benzinmotoren einen ähnlichen technologischen Sprung, sagt Alfa Romeo-Chef Sergio Cravero, wie der Commonrail-Diesel, der einst im Alfa 156 eingeführt wurde.
Das Multi-Air-Geheimnis: Die Steuerung der Ansaugventile ist nicht mehr von der Einlassnockenwelle abhängig. Die Nockenwelle ist bei normalen Motoren über eine Kette oder einen Zahnriemen mit der Kurbelwelle verbunden. Bei Multi Air bestimmt dagegen ein elektrohydraulisches System, wann bei jedem Zylinder die Ventile geöffnet und geschlossen werden.
Damit lässt sich die Zylinderbefüllung jederzeit an den aktuellen Lastzustand des Motors anpassen. Die Last des Motors wird nicht mehr über das Drosselklappenventil gesteuert (die Drosselklappe regelt den Luftzustrom zum Motor), sondern direkt über die Ansaugventile.
Effizientere Motoren und Start-Stopp-Automatik
Das macht die Verbrennung effizienter, verhindert Pumpverluste und senkt den Spritverbrauch. Als weitere Sparmaßnahmen sind bei den neuen Alfa-Motoren eine Start-Stopp-Automatik sowie eine Schaltpunktanzeige im Instrumentenfeld an Bord.
Alfa verspricht beim neuen 1,4-Liter Vierzylinder-Turbomotor, dessen Leistung von 105 bis 170 PS reicht, einen Durchschnittsverbrauch zwischen 5,6 und 6 Litern pro 100 Kilometer. Wie praxisnah diese Werte sind, bleibt abzuwarten.
Im Test zeigt sich: Schon mit 135 PS ist der kleine Italiener flott unterwegs, wobei trotz Multi Air immer noch ein spürbares Turboloch zurückbleibt und man dem kleinen Vierzylinder durch häufiges Herunterschalten immer wieder Kraft verschaffen muss. Das maximale Drehmoment von 180 Newtonmetern steigt im Sportmodus auf 206 Newtonmeter. Der Unterschied ist deutlich spürbar, der Motor reagiert spontaner aufs Gas und der Mito beschleunigt in 8,4 Sekunden von 0 auf Tempo 100.
Während der 135 PS-Mito zwar flott, aber nicht herausragend ist, steigert die 170 PS-Version die Spaßkurve erheblich. 230 Newtonmeter Drehmoment haben leichtes Spiel mit dem kleinen Alfa, der dank seines knackigen Fahrwerks flink um die Kurven sprintet.
Im Sportmodus werden nicht nur das Drehmoment auf 250 Newtonmeter gesteigert, sondern auch die Lenkung direkter und die Stoßdämpfer werden straffer eingestellt. Ein elektronisches Sperrdifferenzial an der Vorderachse, das beim Mito serienmäßig an Bord ist, verbessert die Traktion. Aus dem Stand sind nach 7,5 Sekunden 100 Stundenkilometern erreicht.
Multi-Air-Punto steht in den Startlöchern
Ein paar Kritikpunkte gibt es allerdings: Die Sitze bieten viel zu wenig Seitenhalt für ein Auto, das sich so agil um die Kurven scheuchen lässt. Und die Gangschaltung dürfte sich gern kürzer und knackiger durch die Gasse führen lassen. Während die 135 PS-Version über ein Sechsganggetriebe verfügt, muss die stärkere Variante mit einer Fünfgangbox Vorlieb nehmen.
Die Mito-Palette beginnt beim 78 PS-Benziner für 14.290 Euro. Der Multi-Air-Benziner mit 135 PS kostet 17.300 Euro, und ist damit geringfügig preiswerter als der bekannte 155 PS-Benziner (17.950 Euro). Er steht noch im September beim Händler. Die 170 PS-Version wird erst 2010 auf den Markt kommen, 20.950 Euro kosten und ausschließlich in der Ausstattung "Quadrifoglio Verde" zu haben sein.
Die Multi-Air-Technologie setzt der Fiat-Konzern nach und nach in weiteren Modellen ein, zum Beispiel im neuen Punto. Auch einen Multi-Air-Sechszylinder schließt Motoren-Chef Paolo Martinelli nicht aus.
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