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Merken   Drucken   17.03.2010, 14:00 Schriftgröße: AAA

Fahrbericht: Jaguar XJ 3.0d - Revolution auf Altenglisch

Organische Formen und Retrospektive sind Vergangenheit. Mehr als mit jedem anderen Modell zuvor betreten die traditionsbewussten Briten Neuland und machen Jagd auf Audi, Mercedes und BMW.
"Wir haben zu lange in den Rückspiegel geschaut. Retro bringt uns nicht weiter", sagt Jaguar-Geschäftsführer Mike O'Driscoll und blickt auf den neuen XJ, "in der Vergangenheit liegt keine Zukunft." Ein Satz, der so noch vor drei Jahren undenkbar gewesen wäre.
Doch bei Jaguar gehen die Uhren nicht erst seit der Übernahme durch den indischen Tata-Konzern anders. Früher gab es in erster Linie Retro-Styling, grüne Lackierungen, beiges Leder und trinkfreudige Benziner, heute dagegen Aluminium an Karosse und Innenraum, Hightech-Armaturen und einen Dieselanteil von - zumindest in Europa - über 70 Prozent.
Galerie Jaguar XJ 3.0d - Revolution auf Altenglisch
Der einstige Nobelableger von Ford hat wieder Mut geschöpft und blickt nach vorn. Neue Modelle, neue Motoren und nunmehr einen Tata-Motors-Chef in Person von Carl-Peter Forster, der als ausgemachter Car-Guy gilt. Die Briten sind trotz der weltweit schwierigen Marktlage hoffnungsvoll. Das Aushängeschild Jaguar XJ ist dabei nicht ganz unwichtig.
Tränen um das alte Design, Applaus fürs neue Der XJ ist ein Aufbruch in eine neue Zukunft und spaltet dabei die Jaguar-Fans. Die einen schaudert es beim Anblick des klobigen Hinterteils, andere weinen dem altem Vieraugen-Gesicht mehr als eine Träne nach. Doch gerade Neukunden zollen Applaus für das mutige Design aus der Feder von Ian Callum. Und schließlich will Jaguar 2010 neue Kundengruppen erschließen.
Doch die Zeiten dafür könnten besser sein, denn die Luxuskonkurrenz von Mercedes S-Klasse und Lexus LS ist stark, BMW und Audi haben mit ihren Flaggschiffen 7er und A8 erst kürzlich brandneue Hightech-Mobile auf den Markt gebracht. Schwere Zeiten für einen neuen Jaguar XJ, in den man sich nicht auf den ersten Blick verlieben muss.
Doch so sehr das Äußere polarisiert, so schnittig zeigen sich die inneren Werte. Highlights sind das visionäre LCD-Cockpit, das sich der XJ vom Konzernbruder Range Rover abgeschaut hat. Analoguhren für Tacho, Tankanzeige und Drehzahlmesser sind Vergangenheit.
In das 12,3 Zoll große Mutifunktionsdisplay kann sich der Fahrer zahlreiche Informationen hineinprojizieren lassen. Ein zweites Display mit Touchscreen-Technik auf der Mittelkonsole ist mit acht Zoll Diagonale kaum kleiner, weist jedoch die ein oder andere Bedienschwäche auf.
Mehr Leder denn je Überall gibt es weiches Leder, noch etwas mehr als bislang. Oberhalb der Mittelkonsole blicken die Insassen auf belederte Lüftungsaustritte wie bei einem Flugzeug. Die flache Frontscheibe und das üppig dimensionierte Armaturenbrett kosten viel Platz im Innern, das für diese Fahrzeugläng durchaus etwas üppiger geschnitten sein könnte. Doch bequem ist es allemal.
Die Sitze sind nicht zu weiche Lümmelsessel. Üppige Bein-, Kopf- und Schulterfreiheit lässt einen alte XJ-Generationen ebenfalls vergessen. Bleibt die Frage, ob jeder Kunde unbedingt ein zweiteiliges Sonnendach möchte? Das gehört zum XJ wie seine Aluminiumkarosse, kostet jedoch Kopfraum und muss eben nicht serienmäßig sein. Zwei Makel erlaubt sich der große Brite auch im Jahr des Neubeginns. Die hinteren Scheiben lassen sich nicht komplett versenken, und eine klassenübliche elektrische Einzelsitzanlage fehlt in der Aufpreisliste selbst bei der Langversion. "Die wird es in rund einem Jahr geben", sagt Jaguar-Geschäftsführer O'Driscoll, "wir sind eben ein kleiner Hersteller."

Teil 2: Neue Motoren und ein verändertes Fahrgefühl

  • Pressinform, 17.03.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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