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Merken   Drucken   07.09.2012, 14:00 Schriftgröße: AAA

Neuvorstellung: Cadillac ATS 3.6 - ein Opelbruder als Sternenjäger

Die GM-Verantwortlichen schicken ein neues Modell ihrer US-Premiumtochter auf den europäischen Markt. Der ATS soll Audi A4, Mercedes C-Klasse und BMW 3er unter Druck setzen. Der Preis für den Cadillac liest sich wie eine Kampfansage.

Es ist nicht der erste Versuch, den Cadillac unternimmt, um auf europäischem Boden Fuß zu fassen. Das Problem ist dabei ähnlich wie bei Wettbewerber Lexus: Gegen die Produkte ist eigentlich wenig zu sagen, doch der europäische und insbesondere der deutsche Kunde kann sich für die leistungsstarken Produkte aus interkontinentaler Produktion nur schwer erwärmen.

Unter dem Strich sind die Zahlen lausig und sowohl Fahrzeuge von Cadillac als auch Lexus verstauben in den Verkaufsräumen. Nachdem Lexus bereits vor Jahren die umkämpfte Premium-Mittelklasse angriff und mit dem alles andere als schlechten IS kläglich scheiterte, versucht es Cadillac als Edelableger von General Motors auf einem ähnlichen Wege.

Galerie Cadillac ATS 3.6 - ein Opelbruder als Sternenjäger

Der neue Cadillac, der in diesen Tagen in den USA auf den Markt kommt, ist in den nächsten Monaten auch in Europa verfügbar. Insbesondere in Deutschland will man Kunden abgreifen, die bei der Fahrzeugsuche bisher auf Stern, Ringe und Flugzeugrotor setzten und sich zunehmend abheben wollen. Besonders auf die leistungsstarken Versionen des BMW 3ers hat man es dabei abgesehen.

So muss man den GM -Verantwortlichen, die für die stimmungsvolle Europa-Strategie verantwortlich sind, auch gar nicht mit schwächlichen Basistriebwerken oder gar Dieselmotoren kommen. Der 4,64 Meter lange Cadillac ATS soll so fahren, wie er aussieht: sportlich, kraftvoll und individuell.

In den USA steht das Topmodell Cadillac ATS 3.6 im Vordergrund, das von einem 3,6 Liter großen V6-Motor mit Direkteinspritzung angetrieben wird. Der kraftvolle Sechszylinder leistet deutlich vernehmbare 239 kW/321 PS und ein maximales Drehmoment von 373 Nm. Den Spurt von 0 auf Tempo 100 erledigt der 1,6 Tonnen schwere Amerikaner in 5,7 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 250 Stundenkilometern abgeriegelt.

Der Motor nimmt Gasbefehle spontan an und gefällt insbesondere im mittleren Drehzahlbereich mit großer Laufruhe. Eine gewisse Trägheit kann er trotzdem nicht überspielen. Das liegt in erster Linie an einer sechsstufigen Getriebeautomatik, die gerade in Sachen Fahrdynamik Wünsche offen lässt. Zudem machen sich beim Verbrauch Saugertechnik, Hubraum und die Automatik negativ bemerkbar. Unter zwölf Litern ist kaum etwas zu machen.

Von den deutschen Autobauern abgespickt

Da die Amerikaner wissen, dass mit einem 3,6 Liter großen Sechszylindermotor in unseren Breiten kein Staat zu machen sein wird, hat man sich vorbereitet. Für Europa wird es eine ATS-Einstiegsversion mit zwei Litern Hubraum und vier Zylindern geben. Dank der Turboaufladung ist auch der Cadillac ATS 2.0 Turbo kein müder Krieger. Er leistet 203 kW/273 PS und ein maximales Drehmoment von 273 Nm, das bereits unterhalb von 2000 U/min anliegt. Bei der Beschleunigung von 0 auf Tempo 100 und der Höchstgeschwindigkeit liegt der Vierzylinder kaum hinter der Topversion mit V6-Saugmotor zurück; soll jedoch mit deutlich weniger als zehn Litern auskommen.

Auch beim Fahrwerk haben die GM-Entwickler in Deutschland gespickt. Der ATS liegt straff, jedoch nicht zu hart auf der Straße und kann sich durchaus gegen die starke inländische Konkurrenz behaupten. Ebenso wie im Hause BMW liegt die Gewichtsverteilung des ATS bei neutralen 50:50. Das macht den Amerikaner zusammen mit seinem geringen Leergewicht von 1,6 Tonnen agil. Während an der Vorderachse McPherson-Federbeine verbaut sind, gibt es hinten erstmals bei Cadillac eine Fünflenkerachse mit Leichtbaukomponenten. Die Lenkung ist insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten zu spitz und lässt es Autobahn-Komfort vermissen.

Der Preis dürfte Daimler und Co. beunruhigen

Die serienmäßigen Ledersitze lassen sich exzellent verstellen und bieten mit ausziehbarer Oberschenkelauflage und entsprechender Konturierung den Seitenhalt, den man von einer sportlichen Mittelklasselimousine erwartet. Höhepunkt im Innern ist der große TFT-Bildschirm. Hier lassen sich wie bei einem hoch auflösenden iPad alle wichtigen Funktionen bedienen. Auch bei den Fahrerassistenzsystemen liegt der Cadillac ATS auf dem Niveau der Konkurrenz. So gibt es auf Wunsch Allradantrieb, Abstandstempomat, Spurhalte- und Spurwechselassistent, Rückfahrkamera, Fernlichtautomatik oder ein Head-Up-Display.

Üppig ist das Platzangebot im Innenraum trotz des Radstandes von 2,78 Metern jedoch nicht bemessen. Vorne sitzt der ATS wie ein schneidiger Maßanzug; hinten wird es für die Knie knapp und eine dritte Person hat in der Fondmitte keine Chance. Der 322 PS starke Cadillac ATS 3.6 AWD kostet mit Komplettausstattung 42.000 Dollar - rund 35.000 Euro. Das wäre gegen die Topmodell von Audi A4 3.0 TFSI quattro, Mercedes C 350 4matic und BMW 335i xDrive eine Kampfansage. Mit dem kleineren Vierzylinder dürfte der ATS in Deutschland bei rund 35.000 Euro starten. Die Topversion dürfte bei rund 45.000 Euro liegen.

  • Pressinform, 07.09.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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