Land-Rover-Chef John Edwards ist ein rundum zufriedener Mann. Im ersten Halbjahr 2012 haben die Verkäufe seiner Marke um 46 Prozent zugelegt. Ein Renner ist der Evoque, der sich bislang mehr als 100.000 Mal verkaufen ließ. Das überraschte sogar die optimistischen Briten und führte dazu, dass erstmals in der Fabrik in Halewood im 24-Stunden-Dreischicht-Betrieb produziert wird.
Vom Erfolg des Kompakt-SUV animiert, wollen die Engländer nun in weitere Nischen vordringen. Bis 2020 soll der SUV-Verkauf nach Schätzungen der Briten auf knapp 22 Millionen Einheiten pro Jahr ansteigen - und Land Rover will da natürlich mitmachen. Statt bisher sieben Modelle sollen es bis 2020 etwa 40 sein. Diese Zahl entspricht auch dem angestrebten prozentualen Wachstum. Der Expansionskurs sieht auch ein Evoque-Cabrio vor. Den Anfang macht der neue Range Rover. Laut Edwards "das beste Luxus-Auto der Welt".
Markige Worte. Doch hält der Protagonist auch das Versprechen? Immerhin hat er rund 420 Kilogramm im Vergleich zum Vorgänger abgespeckt. Dabei ist die Karosserie um 30 Prozent steifer geworden. Selbst im schweren Gelände, bei fast vollständiger Verschränkung lässt sich die Carbon-Heckklappe öffnen und schließen. Das Fahrverhalten auf dem Asphalt dürfte ebenfalls davon profitieren. "Der Range Rover ist ein Alleskönner", sagt Edwards stolz und verweist auf die Geländegängigkeit, die sogar die der Vorzeige-Kraxlerin Mercedes G-Klasse übertreffen soll. Die Wattiefe stieg um 20 auf 90 Zentimeter.
Das Design ist keine Revolution. Schließlich hat man es mit einer unverwechselbaren Silhouette zu tun. Der Range-Rover-Fahrer ist stil- und wertebewusst. Die Forderung lautete deswegen auch: "Verändert ihn nicht, macht ihn einfach besser." An die hielt sich dann aber nicht jeder im Entwicklungsteam: "Die Wahrheit ist, dass wir ihn komplett verändert haben", sagt Designer Andy Wheel.
Das wird nur im Detail sichtbar. Die leicht abfallende Dachlinie, die leicht aufsteigende Fensterlinie und die deutlich schrägere Windschutzscheibe machen aus dem Flaggschiff einen Maxi-Evoque. Der nicht nur leicht ist, sondern auch leichtfüßig aussieht. Das macht sich auch im cw-Wert von 0,34 bemerkbar. Nicht schlecht für ein fünf-Meter-Schlachtschiff.
Die Engländer überschlagen sich fast vor Stolz: Die an den Ecken leicht abgerundeten Rücklichter werden "Squircel" getauft. Ein Kunstwort aus Square (Quadrat) und Circle (Kreis). Ein interessantes Detail sind allerdings die Nebelscheinwerfer: LEDs strahlen Prismas an, die dann das Licht umleiten und auf die Straße fokussieren.
Im Innenraum fällt zunächst die feine Verarbeitung aus. Das Interieur ist aufgeräumt und hinter dem Lenkrad thront man angemessen, wie es sich in einem Range Rover gehört und blickt auf TFT-Instrumente. Der Bedienungsminimalismus gefällt. Bei einem 1,98 Meter breiten Auto ist auch die breite Mittelkonsole kein Problem. Bei den Rücksitzen ist es dann mit dem britischen Understatement vorbei: "Das ist First-Class-Feeling wie in einem Flugzeug", sagt Design-Chef Gerry McGovern.
Ganz so ist es nicht. Die Beinfreiheit ist um 11,8 Zentimeter gewachsen. Platz ist genug, aber nicht so überragend, dass das mit dem Reisen auf den teuersten Sitzen eines Airbus 380 zu vergleichen wäre. Lässig ist die zweigeteilte Heckklappe, die elektrisch aufschwingt. Der obere Teil ist aus Kohlefaserverbundstoff und auf dem unteren können zwei erwachsene Männer locker sitzen, dem Polospiel zu schauen und sich durch den Deckel vor Regen schützen lassen.
Der Fortschritt macht auch vor einem Range Rover nicht halt. Aber die uneingeschränkte Geländegängigkeit ist für die Briten weiterhin ein Muss. Deswegen bekommt der Luxusbolide auch die modernste Version des Terrain Response²-Systems, mit dem sich der Allradantrieb entweder automatisch an den Untergrund anpasst oder per Drehknopf gewählt werden kann. Für den nötigen Bodenkontakt und den Komfort sorgt ein Alu-Fahrwerk mit einer neuen Mehrfachlenkerachse. So gibt es Federwege von 260 vorne bis 310 Millimeter hinten und eine verbesserte Luftfederung.
Durch den Leichtbau kann jetzt auch der neue Drei-Liter-V6-Diesel in den Range Rover eingesetzt werden: Der Sprint von 0 auf 100 dauert 7,9 Sekunden. Bei Tempo 209 ist Schluss. Der Durchschnittsverbrauch beträgt 7,5 Liter auf 100 Kilometer. Der Rest der Motorskala sind alte Bekannte: der 4,4- Liter-V8-Diesel und der V8-Sauger-Benziner. Am oberen Ende der Motor-Kette steht der V8-Kompressor mit 510 PS.
Neu ist der Parallel-Dieselhybrid mit einer Systemleistung von 338 PS mit der ZF-Achtgangautomatik, dem Dreiliter-Selbstzünder und einem 35 kW/48 PS Elektromotor, der einen CO2-Ausstoß von 169 g/km realisieren soll. Der Verbrauch liegt bei rund 6,3 Litern. Der E-Range ist ab dem nächsten Jahr zu haben, wogegen die Modelle mit konventionellen Antrieben bereits bestellt werden können. Trotzdem muss sich die exklusive Kundschaft noch gedulden: Die Auslieferungen sollen erst Anfang 2013 erfolgen.