Vergessen Sie bitte mal alles, was Sie beim Autoquartett gelernt haben. PS, Hubraum, Gewicht - sekundär, alles Zahlensalat. Die imposanteste Eigenschaft des neuen 3er-BMW kann man hören. Immer dann nämlich, wenn meine Beifahrerin quiekt.
Anlass für die halb erschrockene, halb belustigte Lautmeldung ist das Active-Protection-System von BMW , das nach dem Anrollen mit einiger Verzögerung die Sicherheitsgurte nachspannt. Das ist bestimmt gut gemeint, fühlt sich aber an wie die entschlossene Umarmung eines Fremden, der sich von hinten angeschlichen hat. Da darf man dann auch mal quieken, finde ich.
Aber auch sonst hat der BMW seinen Reiz. Sparsam und edel ist der Innenraum gestaltet, in wenigen kräftigen Linien aus Kunststoff und mattem Metall. Kein Wurzelholz stört hier und kein pseudo-Rolls-Royce-iges Leder. Als Krönung gibt es das sogenannte Head-up-Display, bei dem die Tachodaten per Lichtstrahl in die Frontscheibe projiziert werden, ähnlich wie bei Düsenjägern. Dieses Prinzip gibt es bei BMW schon länger, jetzt ist es auch beim 3er angekommen (gegen 980 Euro Aufpreis) - was fabelhaft ist, denn wer jenseits der 200 die A1 entlangdonnert, nimmt nicht gern den Blick von der Straße.
Überhaupt, die A1. Haben Sie's gewusst? Da, wo früher immer Baustelle war und Tempo 60 - zwischen Hamburg und Bremen nämlich - ist jetzt ein sehr langer, sehr breiter Abschnitt ohne Tempolimit fertig. Die ideale Strecke also, um den 3er auszuführen, sich am Düsenjägerdisplay zu erfreuen, an der straffen Lenkung und daran, dass man gerade mit 340 PS unterwegs ist und doch (Stichwort Hybrid) irgendwie umweltfreundlich dabei. Diese Illusion reizt BMW übrigens prächtig aus: Selbst die dicken 18-Zoll-Alufelgen, die ich bei erstem Hinsehen für bloße Angeberschluppen gehalten hatte, sind laut Hersteller speziell entwickelte Hybridmodelle, auf Aerodynamik getrimmt.
Nun also: Wo fährt man hin, wenn man an Bremen vorbei ist? Wir orientieren uns Richtung Quakenbrück, ein Örtchen im Osnabrücker Umland, das über einen sogenanten Swingolf-Platz verfügt. Swingolf, das ist eine Golfvariante aus Frankreich, bei der man nur einen einzigen Schläger benutzen darf. Soll immensen Spaß machen, vor allem, weil man einen Bollerwagen voller Kaltgetränke mit auf den Platz nehmen darf.
Kiesknirschend schleichen wir also auf den Parkplatz der Anlage, angetrieben vom schmalbrüstigen Elektroaggregat des Hybriden. Gern würde ich jetzt erzählen, dass das Einparken ein Abenteuer war, aber ach: Der 3er hat natürlich eine Rückfahrkamera und Parksensoren (alles gegen Aufpreis), sogar zu den Seiten gibt es Kameras auf Reifenhöhe.
Statt Swingolf-Abschläge zu üben und einen Bollerwagen mitzuführen, lassen wir uns am Ende nur auf einen kurzen Spaziergang ein. Dann kehren wir eilig zurück zum 3er, zu seinem Düsenjägerdisplay und seinem charmant-aufdringlichen Gurtstraffer. Umarmt werden kann man ja heute gar nicht oft genug.
| Selbst rangieren |
|---|
| Länge 4,62 Meter |
| Breite 1,81 Meter |
| 340 PS |
| Verbrauch 5,9 Liter/100 km |
| ab 52.300 Euro |