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Merken   Drucken   20.08.2012, 10:00 Schriftgröße: AAA

Autotest: Einparken mit dem Citroën C4 Aircross

Erst bei der Parkplatzsuche lernt man ein Auto richtig kennen. Wir stellen jede Woche einen neuen Wagen ab. Diesmal den Citroën C4 Aircross.
© Bild: 2012 FTD/Rainer Leurs
Erst bei der Parkplatzsuche lernt man ein Auto richtig kennen. Wir stellen jede Woche einen neuen Wagen ab. Diesmal den Citroën C4 Aircross.
von Rainer Leurs

Ein bisschen Show gehört dazu, und das ist ja erst mal nichts Schlechtes. Nehmen Sie nur den C4 Aircross von Citroën : Ein grundschicker SUV ist das, rein äußerlich, mit verchromten Schwellern, markantem LED-Gebimsel vorn und blitzendem Leichtmetall an den Schluppen. Im Kern aber handelt es sich um einen Mitsubishi  ASX, den die Konstrukteure von Citroën als Plattform übernommen haben. Profanes Japanerblech also.

Schlimm? I wo! Er hat sich halt rausgeputzt, dieser Franzose aus einfachen Verhältnissen, hat sich fein gemacht mit Paillettensakko, Lackschuhen und Theaterschminke. Ein Showtalent.

Setzt man sich ans Steuer, kommt man dem Kern der Sache näher: Vom Knöpfchen für die Fensterheber übers Radio bis zum Verstellhebel für die Sitze ist alles etwas einfacher verarbeitet, als man es von außen erwarten würde. 117 PS leistet der 1,6-Liter-Benziner, auch das mehr Punto als Cayenne. Allrad gibt's nur gegen Aufpreis. Trotzdem fährt sich der Aircross gerade im Stadtverkehr überaus angenehm. Und sparsam: Selbst im Häuserkampf braucht er nicht mehr als 7,5 Liter auf 100 Kilometer. Seine Herkunft, man kann sie dem hübschen Franzosen nicht übel nehmen.

Nur sein Timbre, das ist ein Problem. Das Navi (Sonderausstattung, 1950 Euro extra) hat zwei mögliche Einstellungen: eine emphatische Männerstimme mit Monty-Arnold-Einschlag sowie ein traniges Frauenorgan, das jede Fahranweisung als Frage formuliert ("In 200 Metern links abbiegen? Jetzt links?"). Beide sind auf Dauer nicht zu ertragen.

Lernen könnte der C4 zweifellos vom größten Showmaster aller Zeiten - von Rudi Carrell, der ja in der Ansprache immer super rüberkam, und das sogar mit niederländischem Akzent. Die Käsemetropole Alkmaar ist Carrells Heimatstadt, hier genießt er höchstes Ansehen, es gibt sogar einen Rudi Carrellplaats samt Denkmal, und da will ich mit dem Aircross hin.

Blöderweise ist ausgerechnet heute Käsemarkt, ein Alkmaarer Touri-Großereignis, das die Straßen schon Kilometer vor der Besiedlungsgrenze verstopft. Auch die Parkplatzsituation in der Altstadt sieht trübe aus, auf den Zufahrtstraßen entmutigen mich winkende Verkehrslotsen in Warnwesten. Nach einigen Runden Schleichfahrt durch die City stehe ich kurz vor der Kapitulation - da entdecke ich in einer rot gepflasterten Gasse eine Lücke. Mit Parkschein zwar, aber legal. Ein Glückstreffer! Problemlos steuere ich den C4 per Rückfahrkamera auf den Stellplatz, wo er hinter einem altersschwachen Tigra das Publikum begeistern darf.

Fußläufig von hier liegt der Rudi-Carrell-Platz, ein zehn Meter breites Pärkchen nur, in der Mitte die Bronzebüste des 2006 verstorbenen Showmasters. "Cabaretier" steht als Berufsbezeichnung auf der Plakette.

Und plötzlich wünsche ich mir Rudis zarten Frikandel-Schmelz für die Heimfahrt. Aufs Navi. "Hallou! Könnesie vielleicht mal in die Kreisverkehr links abbiegen", würde der Cabaretier aus den Boxen raunen. Darauf ein Rudigramm.


Selbst rangieren
Länge 4,34 Meter
Breite 1,80 Meter
117 PS (C4 Aircross 1.6)
Verbrauch 5,9 l/100 km
ab 25.490 Euro
  • FTD.de, 20.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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