Ich brauche kein Auto. Echt nicht! Autos machen doch nur Ärger. Wenn man zu Ikea fährt, sind sie zu klein. Wenn man einen Parkplatz sucht, sind sie zu groß. Außerdem sind Autos angeblich auch für das Schmelzen der Polkappen verantwortlich. Überhaupt: Die dunkelsten Stunden meines Lebens habe ich in einem Auto verbracht. Weihnachten 2009, im Fiat Cinquecento meines Bruders: Zu den beruhigenden Klängen von Metallica schlitterten wir durch den Jahrhundertwinter, von einem selbstmörderischen Überholmanöver ins nächste. Zwischen zwei Stoßgebeten auf dem Rücksitz schwor ich mir: öffentlicher Personennahverkehr - von nun an, bis in alle Ewigkeit.
Nach Blankenese, wo der Fiat 500L auf mich wartet, fahre ich also erstens mit Misstrauen im Herzen und zweitens mit dem Bus. Da hat man die ganze Elbchaussee die Hände frei für ein Brötchen, ein Heißgetränk oder ein Telefon und keinen Stress.
Auf dem Rückweg - am Steuer des 500L - liegt der ganze Krempel auf dem Rücksitz, denn die Hände sind mit einem rotledern verkleideten Lenkrad beschäftigt. Das sich - zugegebenermaßen - teurer und mächtiger anfühlt, als ich das von einem Fiat erwartet hätte.
Insgesamt gibt es hier für die Hände viel zum Tasten, Drücken und Drehen: an schwarzen Knubbeln, die alles für einen regeln - Temperatur, Musikauswahl, Lautstärke. Meine Hände aber haben viel zu viel damit zu tun, den ebenfalls ledernen Schaltknauf zu begrabbeln. So was wird einem im Bus nicht geboten, das gebe ich zu. Dafür habe ich den gleichen - ach, was sag ich, einen besseren - Rundumblick durch riesige Fenster, die sogar die massige A-Säule teilen.
Rechts unten zieht das Elbufer vorbei, rechts noch weiter unten zuckt mein Fuß - er will spielen. Hui! Die Elbchaussee macht deutlich mehr Spaß, wenn man nicht an jeder Bushaltestelle anhalten muss.
Nach einem kleinen Ausflug zum Hafen runter - wo, mit Verlaub, die wirklichen Umweltkiller vor Anker liegen - halte ich auf dem Rückweg in der Hafencity. In einer Parklücke, mit der Nase zum Brooksfleet. In die ich dank Panoramablick und butterweicher Kupplung in einem Rutsch reinfahre, ganz ohne das Auto im Kanal zu versenken. Ich bin ja so cool.
Beim Rückwärtsrausfahren passiert's dann. Ich ignoriere das hektische Piepen des Abstandswarners - da ist doch gar nix - bis es knirscht. Eiskalt durchfährt es mich: die Kette! Diese rot-weiße Absperrkette, die mich daran hindern soll, in die Außengastronomie des Kesselhauses reinzufahren. Trotz Panoramafenstern nicht zu sehen. Und das Auto hat noch versucht, mich zu warnen ...
Hektisch stoße ich die Tür auf, stürme um den Wagen herum und werfe mich vor dem Heck auf die Knie. Rosa Spuren auf dem weißen Lack. Das muss ab! Der schöne Fiat!
Und während mir der Kies des Hafencity-Parkplatzes Laufmaschen in die Strumpfhose reißt, wird mir eins glasklar. Ich brauche ein Auto. Unbedingt.
| Selbst rangieren |
|---|
| Länge 4,14 Meter |
| Breite 1,78 Meter |
| 85 PS |
| Verbrauch 4,2 l/ 100 km |
| (Fiat 550L Easy 1,3 Multijet) |
| ab 19.100 Euro |