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Merken   Drucken   01.10.2012, 10:00 Schriftgröße: AAA

Autotest: Einparken mit dem Infiniti M35h

Erst bei der Parkplatzsuche lernt man ein Auto richtig kennen. Wir stellen jede Woche einen neuen Wagen ab. Diesmal den Infiniti M35h.
© Bild: 2012 FTD/Rainer Leurs
Erst bei der Parkplatzsuche lernt man ein Auto richtig kennen. Wir stellen jede Woche einen neuen Wagen ab. Diesmal den Infiniti M35h.
von Rainer Leurs

Fast jedes Auto hat sein dreckiges kleines Geheimnis. Beim Infiniti M35H ist es der Kofferraum, wobei die Betonung eher auf "klein" als auf "dreckig" liegt: Regelrecht erschüttert bin ich, als ich erstmals die Heckklappe dieses Autos öffne. Gottlob muss ich nur ein paar Taschen unterbringen und keine Leiche, die ich im Wald verscharren will - wäre dies der Fall, ich müsste den Kadaver wohl in den Fond setzen.

Aber man soll nicht kleinlich sein: Es ist bekannt, dass Hybridfahrzeuge irgendwo hinmüssen mit ihren Akkus, und beim Infiniti geht das zulasten des Kofferraums (350 Liter). Ansonsten bietet die sportliche Limousine Platz und Komfort ohne Ende, man versinkt regelrecht in der grauledernen Polsterlandschaft, die neben einer Sitzheizung auch noch mit einer Sitzkühlung aufwartet (für heiße Sommertage, und sicher auch praktisch für den Kadavertransport).

Infiniti ist bekanntlich der luxuriöse kleine Bruder von Nissan, und die Entwickler dort haben einen ausgesprochen liebenswerten Designtick: Überall bauen sie Rundungen hin. So wirkt der M35H mit all seinen drallen Kurven wie ein Pin-up-Magazin aus den 50ern: Die Kühlerhaube ist ein kühn geschwungenes Blechpanorama und im Innenraum stellt selbst die Mittelkonsole aus japanischer Esche keck ein Knie in den Fahrgastraum.

Zum barocken Gesamteindruck trägt sicher auch die Motorleistung bei. 364 PS macht die Maschine, genug für vergnügliche Stunden auf der Autobahn, und wohlgemerkt: Es handelt sich um einen Hybriden. Wenn man vorsichtig anfährt und das Gaspedal hauchzart befüßelt, rollt der Wagen zwei Kilometer weit allein mit Elektroantrieb. Kommt aber was dazwischen, und sei es ein platt gefahrenes Igelwrack, schmeißt der Infiniti seinen V6-Benziner an. Wruummm!

Fast zwangsläufig wird man so auf ein Grundsatzproblem gestoßen: Wer leistet sich einen so großen Motor als Hybridversion? Und zahlt für das bisschen Spritsparen 3100 Euro Aufpreis zum Benziner?

Vom Ansatz her sinnvoll, aber am Ende unschön - etwa dieselbe Konstellation lässt sich im Großen auch bei der Energiewende beobachten. Ich weiß daher genau, wo ich mit dem Infiniti hinfahre: nach Grevenbroich-Neurath, wo das zweitgrößte Braunkohlekraftwerk Europas vor sich hindampft. Erst in diesem Jahr hat RWE zwei neue, riesige Blöcke eingeweiht - man braucht sie dringend, auch wegen der Energiewende.

Weil man an den hellblau schimmernden Neubau nicht so richtig rankommt, steuere ich einen Besucherparkplatz um die Ecke an. Knallvoll ist es hier, doch über die Kurven meines Infiniti hilft die Rückfahrkamera hinweg - das Einparken geht reibungslos. Im Hintergrund stehen die alten Kraftwerksblöcke A bis E, ästhetisch irgendwas zwischen Schuhkarton und Tschernobyl. Tausende Tonnen fossilen Brennstoffs verfeuern sie für Strom. Nichts wie weg hier also, zurück auf die Landstraße. Wenn ich ganz, ganz vorsichtig Gas gebe, reicht der Saft vielleicht sogar bis nach Haus.


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Länge 4,95 Meter
Breite 1,85 Meter
364 PS (kombiniert)
Verbrauch 6,9 l/100 km
ab 55500 Euro
  • FTD.de, 01.10.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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