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Merken   Drucken   29.10.2012, 10:00 Schriftgröße: AAA

Autotest: Einparken mit dem Maserati GT Sport

Erst bei der Parkplatzsuche lernt man ein Auto richtig kennen: Wir stellen jede Woche einen neuen Wagen ab. Diesmal parkt die FTD den Maserati GT Sport.
© Bild: 2012 FTD/Christian Kirchner
Erst bei der Parkplatzsuche lernt man ein Auto richtig kennen: Wir stellen jede Woche einen neuen Wagen ab. Diesmal parkt die FTD den Maserati GT Sport.

Was sind die Kollegen immer cool, wenn sie diese Rubrik hier schreiben. So distanziert, als wäre ihnen so ein Luxusschlitten peinlich bis egal. Ich bin überhaupt nicht cool. Vor der Abholung habe ich zur Vorbereitung an die 50 Testberichte gegoogelt, die Kollegen genervt, 250 Youtube-Clips über diesen Maserati geguckt, 20 Runden damit per Xbox auf der Nordschleife gedreht. "Stehst doch sonst auch nicht auf Angeberautos", motzte meine Frau irgendwann.

Stimmt. Aber hier geht's um einen Maserati. Dreieinhalb Nettojahresgehälter, Power, Linien. Das ist doch was anderes als der Opel Agila vom DB Carsharing, den wir sonst fahren.

Einparken wollte ich eigentlich in Frankfurts Westend. Wir hatten im Büro tolle Pläne: Ich verkleide mich mit Jogginghose als Asi, deponiere leere Bierdosen im Fußraum, parke vor dem teuersten Steakhaus. Oder ich kleide mich als Gordon Gekko aus "Wall Street", parke vor den Zwillingstürmen der Deutschen Bank  und beschreibe, was so passiert.

Galerie Maserati GranTurismo Sport - perfekte italienische Sinfonie

Als ich dann aber beim Händler in Wiesbaden sitze und den Motor anlasse, fängt der Maserati an zu reden. Mit einem Sound zwischen röhrendem Hirsch und dem ersten Gitarrenakkord aus "Snap Your Fingers, Snap Your Neck" von Prong brüllt mich das Auto an: "Du machst mit mir keine Faxen, Freundchen, sonst saug ich dich durch mein breites Maul, puste dich mit 460 PS durch meine acht Zylinder und spuck dich durch den Auspuff wieder aus. Capiche?"

Ist ja gut, ist ja guu-hut, war ja nur eine Idee-hee. Du Chef, ich nix.

50 Kilometer weiter, in Frankfurt, ist die Tankanzeige um ein Fünftel gefallen, und ich bin noch immer nicht cool, sondern habe schweißnasse Hände. Vor Angst, Schrammen in dieses Auto zu fahren, vor allem beim Einparken. Denn eins ist klar: Den Maserati kauft man für sein Design, seine Power und seinen Motorsound, den man übrigens per Knopfdruck (Sporttaste) von harmlosem Schnurren auf Volldröhnung stellen kann. Für nichts anderes, weshalb die Einparkhilfe trotz barocker Wagenmaße auch nur aus ein paar Leuchtbalken besteht, die man sonst bei Opel Agilas von DB Carsharing vermutet.

"Immer auf die Felgen achten!", hatte der Mechaniker noch mal extra bei Abholung in Sachen Parken geraten. "Also, Kirchner, mach keinen Mist", murrt der Maserati, als ich durch meine wie immer zugeparkte Wohnstraße im Frankfurter Nordend dröhne. Puh - hier ist also keine Lücke fürs seitliche Einparken. In die hätte ich mich ohnehin nur mit einem Meter Luft reingetraut. Am Ende schnurre ich in einen seniorengerechten Stellplatz am Hauptfriedhof.

Übrigens muss was dran sein am speziellen Reiz dieses Autos. In 48 Stunden Testzeit gab es keinen blöden Spruch, kein verächtliches Grinsen - dafür aber viele bewundernde Blicke und Komplimente an der Tanke. Lediglich ein paar konsumkritische Anarchotauben gaben ein negatives Statement ab: Über Nacht haben sie mir den Maserati veritabel vollgeschissen.


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Länge 4,88 m
Breite 1,91 m
460 PS
Verbrauch 14,3 l/100 km
Höchstgeschwindigkeit 295 km/h
123.620 Euro
  • FTD.de, 29.10.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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