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Merken   Drucken   17.09.2012, 10:00 Schriftgröße: AAA

Autotest: Einparken mit dem Mercedes SL 500

Erst bei der Parkplatzsuche lernt man ein Auto richtig kennen. Wir stellen jede Woche einen neuen Wagen ab. Diesmal den Mercedes SL 500.
© Bild: 2012 FTD/Falk Heunemann
Erst bei der Parkplatzsuche lernt man ein Auto richtig kennen. Wir stellen jede Woche einen neuen Wagen ab. Diesmal den Mercedes SL 500.

Mein erstes Auto hatte ich drei Jahre lang. Es war ein Opel Tigra, Baujahr 1995 - ein Coupé, was französisch sein muss für eng und kugelig. Nun also sitze ich wieder in einem Coupé, diesmal ein Mercedes SL 500, und ich muss sagen: So verschieden sind sie gar nicht. Der Einstieg ist tief, es gibt ein Sonnendach und in der Konsole einen Becherhalter. Bei beiden Fahrzeugen ist die Farbwahl gewöhnungsbedürftig - der Tigra war innen geblümt und außen fehldruckviolett, der Mercedes ist innen rot und außen weiß wie die Zähne frisch sanierter Zahnarztgattinnen.

Na gut, ein paar kleinere Unterschiede gibt es denn doch.

Das Sonnendach muss zum Öffnen nicht aufgekurbelt werden, es reicht ein Knopfdruck, und das dunkle Glasdach "Magic Sky Control" wird plötzlich durchsichtig. Beim Öffnen der Fahrertür leuchtet einem nicht der Rost entgegen, sondern das Herstellerlogo. In Kurven schwenken die Scheinwerfer in Fahrtrichtung, und der Rücken rutscht nicht aus dem Sitz, sondern wird vorsorglich festgehalten von Taillenkissen rechts und links. Je nach Kurvenradius blasen sie sich automatisch auf und pressen gegen die Fahrerflanken - selbst wenn man bloß vor der Ampel die Spur wechselt.

Bei Grün springt der Wagen dank 435 PS lächelnd an allen anderen vorbei. Auf der Autobahn ist der SL in einem Atemzug bei 250 Kilometern pro Stunde, der Drehzahlmesser langt da gerade mal auf der Hälfte an.

Aber was nutzt all das schon bei der Parkplatzsuche! Mit dem rundgelutschten, dimensionslosen Tigra war Einparken einst eine Qual, und auch der SL macht mir beim ersten Anblick Angst. Schließlich hat dieser Wagen einen Hintern wie die Frauen in Sexploitation-Filmen: Er nimmt einem die Sicht. Gewiss wird es nicht lange dauern, und zahnarztgattinnenweiße Lacksplitter kleben an der billigen Nachbarkarre. Aber Mercedes hat vorgesorgt.

Nun sind Parkhelferlein, die bei Annäherung piepen, an sich ja nichts Neues, aber der SL 500 ist kein Auto, sondern ein fahrender Parksensor. Überall piept und blinkt es gelb und orange, selbst in den Rückspiegeln, sobald irgendein Fahrer hinter einem auch nur überlegt, den Abstand zum SL auf weniger als drei Autolängen zu verkürzen.

Und das parallele Einparken erst! Ein Tippen an den Ganghebel legt den Rückwärtsgang ein und schaltet die Kamera zu. Auf dem Monitor winden sich plötzlich gelbe sowie rote Projektionslinien, je nach Einschlagwinkel des Lenkrads, und zeigen an, ob der Wagen noch den Bordstein trifft oder schon die Stoßstange des Hintermanns.

Fummelt man sich auf diese Weise in eine allzu enge Parktasche ein, spielt der SL die Vorteile seiner Bauform aus. Denn wer eingeklemmt zwischen anderer Leute Autos die Tür nicht mehr aufkriegt, muss nur einen kleinen Hebel betätigen: Dann klappt das Dach nach hinten und man kann nach oben aussteigen. Manchmal ist Cabrio eben auch im Herbst was Feines.


Selbst rangieren
Länge 4,62 Meter
Breite 1,87 Meter
435 PS
Verbrauch 9,2 l/100 km
ab 117.096 Euro
  • FTD.de, 17.09.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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