Väter wissen, wie sie die Euphorie ihrer Kinder bremsen können. Zum Beispiel, wenn sie der volljährigen Tochter zum ersten Mal den Schlüssel für die Familienkiste in die Hand drücken: "Stell doch den Wagen später vor der Garage ab. Das Einparken...mache ich besser selbst."
So begann meine automobile Freiheit mit unserem alten Volvo . Freudige Erinnerungen kommen daher auf, als ich in den neuen V40 steige: Wie ich damals den Kleinstadtvoyeuren zeigte, dass Einparken mit Überlänge zwar schwer, bei richtiger Ausführung aber umso cooler ist. Souverän verankerte ich die Hand an der Kopfstütze des Beifahrers und manövrierte das Schiff mit lässigem Blick über die Schulter einhändig in die Lücke. Und der Nachbarzaun steht heute noch.
Jetzt kommt es mir ein bisschen vor, als säße Papa wieder bei mir. Die Tempolimitanzeige zum Beispiel: Auf der gesamten Fahrt durch die Toskana will sie nicht erlöschen. "Hier ist 50, ich mein ja nur. Falls du das Schild nicht gesehen hast." Ein anderes Lämpchen mahnt, der vorantuckernde Rollerfahrer könnte sich bedrängt fühlen. "Und die Oma am Straßenrand ist dir bestimmt aufgefallen", blinkt es vom rechten Ende der Armatur. Dann geht das Blinken auch noch auf der linken Seite los - was denn, überholt mich ein Traktor? Aber passieren kann ja nichts, im Notfall bremst das Auto selbst.
Den flächendeckenden Einsatz von Sicherheitssystemen - sogar einen Fußgänger-Airbag gibt's! - hat der V40 mit anderen Volvos gemein. Was ihn unterscheidet, ist seine rundgelutschte Form: So gar nichts Schwedisch-Kantiges ist mehr an diesem Auto, das als Kompaktwagen gegen A3 und 1er BMW antreten soll.
Ganz weit vorn liegt mein V40 schon deshalb, weil er einen Einpark-Assistenten an Bord hat (kostet 1020 Euro Aufpreis). Damit kommt man per Autopilot in Parklücken - theoretisch jedenfalls. Dank 70-Meter-Radar, Rückfahrkamera und Außen-Airbag sind immerhin Radfahrer und Passanten in Sicherheit, die Insassen - wir werden sehen. "Slot found", sagt der Computer, als ich aufs Park-Assist-Knöpfchen drücke und die Hände in den Schoß lege. Nur den Rückwärtsgang einlegen soll ich und mit dem Fuß das Gas regeln. Wie ein angestoßenes Glücksrad rotiert der Lenker, als der Volvo zurückrollt. Meine Hände graben sich in den Sitz. Ein Piepton setzt ein und wird schneller, wir steuern immer noch rückwärts - dorthin, wo die vier Meter tiefe Etsch in Richtung Adria fließt. Kein Zaun, kein Bordstein, keine Bodenmarkierung. Dass da ein Fluss fließt, weiß der Volvo hoffentlich. Es piept, wir rollen weiter. Jetzt reicht es. Ich ziehe die Handbremse.
Oh, wie schön ist dieser Moment, der Selbstbestimmung! Ein Blick
über den Rand des Displays verrät, dass wir längst in der Parklücke stehen, nur noch ein paar Zentimeter vorwärts. Nicht übel, denke ich, als ich sehe, wie exakt die Reifen mit dem Straßenrand abschließen. Da kann auch Papa beruhigt schlafen gehen.
| Selbst rangieren |
|---|
| Länge 4,37 Meter |
| Breite 2,04 Meter |
| 150 PS |
| Verbrauch 5,4 l/100 km (T3 Benziner) |
| ab 24.680 Euro |