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Merken   Drucken   03.12.2012, 10:56 Schriftgröße: AAA

Fahrbericht: Alfa Romeo Giulietta Quadrifoglio Verde - Glückskind

Alfas stärkste Giulietta hat nicht nur 235 Pferdestärken unter der Motorhaube, sondern auch ein vierblättriges Kleeblatt auf der Haube. Das erinnert an den ersten Targa Florio-Sieg der Marke vor ziemlich genau 90 Jahren.

Hinter dem Kleeblatt steckt - klar - eine Geschichte. Vor dem Start zum legendären Langstreckenrennen Targa Florio auf Sizilien hatte im Jahre 1923 der Alfa-Rennfahrer Ugo Sivocci die 13 als Startnummer gezogen - ein schlechtes Omen. Flugs malten ihm seine Mechaniker ein grünes, vierblättriges Kleeblatt als Glücksbringer auf die Motorhaube seines Alfa Romeo RLS TF 3.2 - ein Quadrifoglio Verde (QV). Sivocci gewann das Rennen. Es war der erste Gesamtsieg von Alfa Romeo bei der Targa Florio. Und seither zieren die Kleeblätter als Teil ihrer Kriegsbemalung die Rennwagen und besonders sportliche Modelle der italienischen Marke. Auch die Giulietta.

Optisch unterscheidet sich das aktuelle Alfa-Tier nur sehr wenig von anderen Giuliettas: dezenter Dachspoiler, alumatt lackierte Außenspiegel, etwas aggressiveres Frontdesign, spezielle 17-Zoll-Felgen. Dazu kommen die rot lackierten Sättel der Sportbremsanlage von Brembo - das war es auch schon. Die Tieferlegung des Fahrwerks um 15 Millimeter nimmt man allenfalls unterbewusst wahr.

Galerie Alfa Romeo Giulietta Quadrifoglio Verde - Glückskind

Der Turbo-Benziner unter der Motorhaube verschafft dem Kleeblatt-Alfa eine Leistung von 173 kW/235 PS, die er aus 1742 Kubikzentimeter Hubraum holt. Das Drehmoment des Direkteinspritzers liegt mit 340 Nm bereits bei 1900 U/min an. Zumindest beim forschen Start sind die 235 PS schon fast zu viel des Guten: Die Giulietta hat vor allem auf nasser und leicht rutschiger Fahrbahn leichte Probleme, die Kraft sauber auf die Straße zu bringen und lässt erst einmal die antreibenden Vorderräder durchdrehen. Wer es mit einem gefühlvollen Gasfuß probiert, bei dem kommt jedoch schnell Laune auf.

Ansonsten lässt sich das Power-Julchen durchaus lustvoll sportlich bewegen. Dafür sorgt nicht zuletzt das DNA-System, das über einen Schalter nahe des Ganghebels die Wahl von drei Fahrmodi zulässt: "Dynamic", "Natural" und "All Weather". Verändert werden mit den Setup-Programmen die Betriebsparameter des Motors, der Lenkung, des Sperrdifferenzials und das Ansprechverhalten der Stabilitätskontrolle.

Bei aller Sportlichkeit: Zu einem ausgesprochenen Rennwagen machen die 235 PS die Giulietta noch nicht. Im gleich stark motorisierten VW Golf GTI etwa hat man ein stärkeres Gefühl von Beschleunigung. Oder im Ford Focus ST. Aber im Alltag ist man mit der Giulietta QV gut bedient: Überholen geht zügig, beim Auffahren auf die Autobahn oder beim Herausbeschleunigen aus der Kurve ist man flott unterwegs. Offiziell braucht die Giulietta 6,8 Sekunden für den Spurt von 0 auf Tempo 100 - etwa genau so viel wie der Golf GTI. Oder wie ein Porsche Panamera Diesel. Bei 242 Stundenkilometern ist Schluss, die magischen 250 verfehlt Alfas Feger knapp.

Die Lenkung ist präzise und gibt gute Rückmeldung davon, was auf der Straße gerade los ist. Das Fahrwerk im Dynamik-Modus ist straff, ohne unkomfortabel zu werden - selbst auf den teils miserablen Straßenabschnitten der heutigen Targa Florio. Das Fahrwerk hält die Giulietta auch dort sicher auf der Straße, in Kurven kommt es allenfalls gelegentlich zu einem gutmütigen Untersteuern. Die Auslegung des ESP sorgt dafür, dass der Tatendrang nicht ausufern kann: Es greift bereits relativ früh regelnd ein.

Dass das Grün des Kleeblatts wenig mit ökologischen Werten zu tun hat, merkt man bei der Power-Giulietta spätestens an der Tankstelle: Wer tatsächlich die von Alfa avisierten 7,6 Liter Super auf 100 Kilometer schafft, der hat die Guilietta einfach nicht verdient - bei der Ausfahrt über die Targa Florio zeigte der Bordcomputer realistischere 9,9 Liter Verbrauch an. In der offiziellen Preisliste steht die Alfa Romeo Giulietta Quadrifoglio Verde mit 29.250 Euro Basispreis.

  • Pressinform, 03.12.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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