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Merken   Drucken   29.07.2012, 14:00 Schriftgröße: AAA

Fahrbericht: Audi A4 - BMW 328i - Duell der Turbos

Sportlich gegen edel, dynamisch gegen ausgewogen - das war einmal. Längst glänzen Audi und BMW auch in der Mittelklasse mit ganz ähnlichen Genen. Der BMW 328i trifft im Vergleich auf den Audi A4 2.0 TFSI quattro.

Audi und BMW kämpfen in der Premiummittelklasse mehr denn je um die Hohheit. Der neue BMW 3er ist innerhalb kürzester Zeit zum Klassenprimus aufgestiegen und lässt Audi A4 und Mercedes C-Klasse bei den Verkäufen alt aussehen. Doch wie schlägt sich der Münchner mit seinem Topvierzylinder im 328i gegen den etablierten Audi A4?

Von den Dimensionen her machen weder Audi noch BMW einen wesentlichen Unterschied - beide sind Klassiker der Mittelklasse. Die Außenlänge beträgt rund 4,70 Metern, wobei der BMW um knapp acht Zentimeter kompakter dasteht. Der Radstand von 2,80 Metern sorgt in beiden Limousinen zumindest vorne für ein ordentlich großes Platzangebot. Hinten wird es nicht nur bei komplett zurückgeschobenen Vordersitzen schnell eng. Mehr als zwei Erwachsenen sollte man das weder im BMW noch im Audi zumuten. Auch die Kofferräume sind mit 480 Liter Fassungsvermögen praktisch identisch. Die Ladehöhe beim Audi ist relativ niedrig.

Galerie Audi A4 - BMW 328i - Duell der Turbos

Der im Frühjahr dezent aufgefrischte Audi macht innen den etwas edleren Eindruck - vorausgesetzt man ordert die richtige Ausstattungsvariante. Der Testwagen war mit mattem Holz furniert und mit weichem Leder ausgeschlagen, die Armaturen und Knöpfe mit Klavierlack sowie mattem Aluminium eingefasst. Tacho und Drehzahlmesser liegen gut im Blickfeld und sind problemlos abzulesen. Der BMW steht dem Ingolstädter in keiner Weise nach. Die Instrumente sind ebenso gut platziert wie die Bedieneinheiten.

Die Audi-Bedienung ist - fast - durchgehend intuitiv, selbst das Multi Media Interface (MMI) mit dem großen Drehknopf auf dem Mitteltunnel und dem gut einsehbaren Farbdisplay auf dem Cockpit ist komfortabel zu nutzen. Nur mit dem unnötig komplizierten Navi muss man sich erst einmal anfreunden. Der BMW wirkt etwas technischer und einen Hauch modischer. Die Bedienung des Navigationsgerätes geht im BMW einen Hauch besser - und schneller. Gestartet werden alle beide per Knopfdruck. Die Verarbeitungsqualität ist in beiden Bayern wie gewohnt erstklassig.

Dank der großen Türausschnitte lässt sich der Audi A4 bequem entern. Selbst für große Passagiere sind die Vordersitze im Audi gut einzustellen - inklusive einer verstellbaren Oberschenkelauflage und genügend Luftraum über dem Kopf. Dazu kommt, dass sich das Lenkrad in Tiefe und Neigung anpassen lässt. Die Sitze selbst sind straff, sportlich und geben guten Seitenhalt - auch lange Strecken lassen sich damit weitgehend ermüdungsfrei zurücklegen.

Die Sitzposition ist im BMW 328i etwas höher. Mit den optionalen Sportsitzen gibt es genügend Seitenhalt und eine verstellbare Oberschenkelauflage - so werden lange Strecken zu einem Vergnügen. Die Sicht vom Fahrersitz des Audi ist nach hinten unter anderem dank der breiten C-Säulen eher eingeschränkt: Die Parksensoren ab 400 Euro Aufpreis sind also keineswegs Luxus. Ansonsten bekommt man schnell ein Gefühl für die Dimensionen des A4. Das ist beim 3er kaum anders.

Starkes Drehmoment

Der TFSI-Turbo-Benziner im Audi macht Spaß - er ist für entspanntes Fahren über lange Strecken genauso gut zu gebrauchen wie für die lustvolle Kurvenhatz. Von 0 auf Tempo 100 schafft er es dank seiner 155 kW/211 PS und vor allem des üppigen maximalen Drehmoments von 350 Nm in gerade mal 6,5 Sekunden - nicht schlecht für eine Familienkutsche. Und noch besser: Das Drehmoment legt bereits ab 1500 U/min an - was der ausgezeichneten 7-Gangdoppelkupplung noch einmal das Arbeiten leichter macht. Ein Druck aufs Gas und schon schnurrt der Audi los.

Traktionsprobleme gibt es beim knapp 1,7 Tonnen schweren quattro aus Ingolstadt nicht - die Pferdchen galoppieren brav an allen vier Rädern individuell ausgesteuert los. Und dazu ist der Motor angenehm leise - selbst bei hohen Geschwindigkeiten funktionieren Unterhaltungen ohne Brüllerei. Wer es etwas ruppiger mag, der kann das Getriebe auf den Sportmodus einstellen und so einen deutlichen Kick draufsetzen. Schluss ist bei Tempo 245. Der von Audi versprochene Durchschnittsverbrauch von 7 Litern auf 100 Kilometern ist wie üblich eher illusorisch - wer flott mit dem A4 unterwegs ist und nicht nur in der Stadt, wo die präzise arbeitende Start-Stopp-Automatik und die Rekuperation noch am ehesten ihre Spar-Stärken ausschöpfen können, der sollte sich eher mit 11 plus X arrangieren.

Die Schattenseiten des BMW

Das noch vergleichsweise junge Zweiliter-Aggregat im 1,5 Tonnen schweren BMW 328i hat Dank Turboaufladung noch mehr auf dem Kasten. So leistet der Direkteinspritzer 180 kW/245 PS und ein maximales Drehmoment von 350 Nm, das mit 1250 U/min sogar noch tiefer als beim Audi anlegt. Auch sonst zieht der BMW dem Audi satt davon: 0 auf Tempo 100 in gut sechs Sekunden und problemlose 250 Stundenkilometern Spitze.

Bei Verbrauch und Sounddesign zeigt der BMW dann seine Schattenseiten. Die versprochenen 6,3 Liter SuperPlus auf 100 Kilometern sind illusorisch. Unter neun Litern ist im realen Betrieb nichts zu machen und wer flott unterwegs ist, verbraucht locker 11 bis 12 Liter. Für so einen Durst kann man sich den Hightech-Vierzylinder sparen und wünscht sich die alte Sechszylinder-Generation zurück. Dann gäbe es auch den satten Klang eines Reihensechszylinders, den man allzu schmerzlich vermisst. Das BMW-Paket aus Vierzylinder-Turbo und optionaler Achtgangautomatik macht unter dem Strich aber einen noch harmonischeren Eindruck als die gut abgestimmte Kombination aus Audi-Turbo und Siebengang-S-Tronic.

Der Sieg geht nach München

Die Federung im Audi A4 ist sportlich straff ausgelegt. Das passt zum A4 - zumal es die Dämpfer schaffen, die Unannehmlichkeiten von Querfugen und einer rauen Fahrbahn von den Passagieren fernzuhalten. Dazu kommt im Audi eine präzise Lenkung, die eine ordentliche Rückmeldung von der Fahrbahn liefert. Der BMW lenkt auch hier noch besser ein und sein Fahrwerk kann insbesondere mit der 1100 Euro teuren elektronischen Dämpferabstimmung deutlich mehr als nur sportlich. Das ist neu für den Dreier.

Schnäppchen sind beide Limousinen nicht: Den Audi A4 2.0 TFSI gibt es inklusive S-Tronic ab 39.700 Euro. Mit Sechsganghandschaltung geht es ab 37.550 Euro los. Der BMW 328i ist trotz Mehrleistung etwas günstiger. Für den handgeschalteten BMW 328i sind mindestens 37.400 Euro fällig, mit Achtgangautomatik werden 39.660 Euro und als 328i xDrive bereits als Handschalter mindestens 39.900 Euro fällig. Den Vergleich zwischen zwei exzellenten Mittelklasse-Modellen gewinnt der BMW unerwartet deutlich. Er ist das ausgewogenere Auto, das mehr Fahrspaß und Innovationen bietet.

  • Pressinform, 29.07.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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