Bei manchen Partnerschaften verschieben sich mit der Zeit die Gewichte. Wurde Renaults Billigmarke Dacia früher erst nach und nach mit moderner Technik versorgt, bietet der neue Sandero schon von Beginn an den neuen Dreizylinder-Benziner, der für den Clio entwickelt wurde. Dass es bei der Einstiegsversion nun auch ESP, eine Servolenkung und Seitenairbags gibt, vervollständigt das Bild nur noch. Zu wichtig ist die preiswerte Tochter mittlerweile für den Umsatz.
Damit hat es sich dann im Grunde auch an Luxusgütern beim Einsteigermodell. Aber für einen Preis von 6990 Euro ist das schon eine ganze Menge. Zumal der Kofferraum mit einem Fassungsvermögen von 320 beziehungsweise 1200 Liter immer serienmäßig ist. Zum Vergleich: Ein Audi A3-Sportback bringt es auf 380 und 1220 Liter und kostet knapp das Vierfache. Natürlich ist die Qualitätsanmutung eine andere. Doch der Sandero hat gegenüber dem Vorgänger auch da einen Sprung nach vorne gemacht. Klar, an manchen Stellen ist die Verkleidung etwas karg, die Kanten nicht überall ordentlich entgratet, aber die Verarbeitung ist durchaus solide.
Wenn man den aus dem Clio bekannten 90-PS-Dreizylinder haben möchte, muss man mindestens 10.990 Euro berappen. Dafür bekommt man dann aber auch die Top-Ausstattung, die Annehmlichkeiten, wie elektrische Fensterheber, 16-Zoll-Aluräder, beheizbare Außenspiegel, und ein MP3-CD-Radio mit USB- und Aux-Anschluss beinhaltet.
Legt man noch 180 Euro drauf, bekommt man ein Navigationssystem inklusive sieben Zoll Touchscreen. Die Aufpreisliste IST erfreulich kurz. Unter anderem kosten die Lederpolsterung 500 Euro, die manuelle Klimaanlage 590 Euro und ein Parkpiepser für das Heck 200 Euro extra. Auf besonderen Kundenwunsch gibt es auch einen Tempomaten für 230 Euro inklusive Lederlenkrad. "Wir bieten die Ausstattung an, die die Kunden wünschen", sagt Dacia-Markenmanager Damien Scopel.
Im Cockpit wird der Fortschritt sicht- und fühlbar. Zwar regiert nach wie vor Hartplastik, aber die Oberflächen mit den verschiedenen Narbungen und feine Details wie chromglänzende Ringe um die Rundinstrumente machen das Interieur hochwertiger als beim Vorgänger. Auch äußerlich hat man die Optik des Kleinwagens aufgefrischt. Die eckigeren Frontscheinwerfer, die größeren Lufteinlässe und die kantigeren Formen sind deutlich moderner als das etwas rundliche Design des Vorgängers.
Doch ein Dacia wird nach wie vor von praxisorientierten Autofahrern gekauft. Der Sandero hat auch da mit einem Längenplus von 3,8 Zentimeter zugelegt und knackt so die Vier-Meter-Marke. Das gibt genug Platz in der ersten und zweiten Reihe und obwohl der Sandero 16 Millimeter flacher ist als sein Vorgänger, fällt keinem Passagier der Himmel auf den Kopf.
Die Vordersitze sind zwar bequem, haben aber eine zu kurze Sitzfläche und auch der Seitenhalt ist nicht überragend. Doch wer Sandero fährt, ist in der Regel nicht auf Bestzeitenjagd und mit dem 90-PS-Dreizylinder und einer Höchstgeschwindigkeit von Tmpo 175 mutiert man sicher nicht zum Verkehrshindernis. Das Drehmoment von 135 Newtonmetern und der Sprint auf 0 auf 100 Stundenkilometer in 11,1 Sekunden lassen durchaus Überholvorgänge zu, ohne dass die Passagiere Schweißausbrüche bekommen. Der fünfte Gang ist einen Schuss zu lang übersetzt. Wenn man ihn einlegen will, stört das hakelige Getriebe. Die Lenkung ist kein Muster an Direktheit, aber durchaus präzise genug, In schnell durchfahrenen Kurven neigt der Sandero zum Wanken und das Fahrwerk ist durchaus komfortabel, aber einen Schuss zu weich.
Im Gegensatz zu dem Clio-Aggregat fehlt dem Dacia das Start-Stop-System. Logisch. Irgendwo muss es ja einen Unterschied geben. Der Durchschnittsverbrauch von 5,2 Litern kann sich dennoch sehen lassen. Die verbesserte Dämmung des Motorrraums zeigt zwar Wirkung, kann aber gegen die Windgeräusche an den Außenspiegeln nichts machen. Doch angesichts des fairen Preis-Leistungs-Verhältnis sind das alles mehr als verschmerzbare Mängel. Billig ist definitiv anders, der Sandero ist preiswert.