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Merken   Drucken   10.11.2012, 11:35 Schriftgröße: AAA

Fahrbericht Golf 7: VW Golf 1.4 TSI - so gut ist der Neue

Der neue Golf ist seit heute in den Autohäusern. Optisch eher aufgewertet denn neu erfunden und technisch mehr auf der Höhe der Zeit denn je.

Was haben sie in den letzten zwei Jahren nicht aufgeholt. Der jüngste Ford Focus, der viel zu groß geratene Opel Astra und insbesondere das koreanische Wunderdoppel aus Kia Ceed und Hyundai i30. Dazu der sportliche BMW 1er und die neue Mercedes A-Klasse. Am Ende kommt der Golf aus den Wolfsburger Entwicklungszentren herausgefahren und mäht sie einfach über den Haufen.

Man tut sich schwer, etwas zu finden, was einen am neuen VW Golf wirklich stört. Manchen fehlt die Individualität. Doch wie soll es die bei einem Millionenseller auch geben? Die Golf-Qualität ist dabei besser denn je. Der Vorgänger der Generation sechs setzte hier ebenso wie bei der Geräuschdämmung bereits Maßstäbe; doch der Golf VII legt noch einmal deutlich zu.

Galerie VW Golf 1.4 TSI - Maß aller Dinge

Das Platzangebot passt, das Styling sowieso, und wo die Konkurrenz mit fehlenden Antriebsvarianten rund um die Kernverkäufe schmerzhafte Lücken lässt, schlägt Volkswagen in gewohnter Härte zu. Turbotriebwerke, moderne Diesel, Handschalter, Doppelkupplungsgetriebe, Allrad-, Spar- und Sportmodelle - beim Golf der Generation sieben gibt es fast nichts, was es nicht gibt. Da machen die Sicherheits- und Assistenzsysteme keine Ausnahme.

Spurhalte- und Notbremsassistent, Verkehrszeichenerkennung, Abstandstempomat, ESP, ABS, diverse Airbags, Müdigkeitserkennung und Lichtautomatik - der VW Golf verfügt über das gleiche umfangreiche Sicherheitspaket, mit dem der klassenhöhere Passat unterwegs ist. Bei den Motoren eröffnet sich dem geneigten Kunden das gewohnt breite Spektrum - jedoch erst mit einiger Verzögerung, denn zum Marktstart im November gibt es zwei Diesel und zwei Benziner. Der Rest folgt ab 2013.

Bis zu 100 Kilogramm abgespeckt

Unzeitgemäß sind die beiden kleinen Golf-Versionen 1.2 TSI mit 85 PS sowie 1.6 TDI mit 105 PS mit einer Fünfganghandschalung unterwegs. Aushängeschild im Modellprogramm ist bis auf weiteres der VW Golf 1.4 TSI mit 103 kW/140 PS und einem maximalen Drehmoment von 250 Nm zwischen 1500 und 3500 U/min. Turboaufladung, Direkteinspritzung und Zylinderabschaltung sollen unter anderem dafür sorgen, dass sich der kleine Motor trotz stimmiger Fahrleistungen mit 5,2 Litern Super zufrieden gibt; mit Siebengangdoppelkupplung sogar mit einem halben Liter weniger. Das ist Diesel-Niveau.

Der kleine Vierzylinder hängt gut am Gas und macht durchweg einen kraftvollen Eindruck. Von 0 auf Tempo 100 beschleunigt er in 8,4 Sekunden, und die Höchstgeschwindigkeit von 212 Stundenkilometern unterstreicht das stimmige Bild. Das sehr geringe Geräuschniveau des Golf führt jedoch dazu, dass der wenig schmeichelhafte Motorklang in den flüsterleisen Innenraum strömt. Gerade bei Leistungsabfragen klingt der Turbo angestrengt. Die Kombination mit dem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe ist vorbildlich.

Im Fahrbetrieb macht sich nicht nur die gelungene Fahrwerksabstimmung, sondern auch die Gewichtsersparnis bemerkbar. Je nach Modellvariante hat der Golf um bis zu 100 Kilogramm abgespeckt. So bringt der VW Golf 1.4 TSI nicht einmal 1,3 Tonnen auf die Waage.

Bleibt die Frage, ob die optionale elektronische Dämpferabstimmung DCC (990 Euro) geordert werden sollte. Der Unterschied zwischen den einzelnen Fahrmodi Comfort, Normal und Sport ist allzu gering und im Realbetrieb kaum herauszufahren. Wenn schon abgestuft, sollte die Komfortstellung noch komfortabler und der Sportmodus noch straffer sein. Das gleiche gilt für die Lenkung, die beim Golf etwas direkter sein könnte.

Bleibt also alles wie immer

Das Platzangebot ist in beiden Sitzreihen ordentlich. Vorbildlich präsentiert sich der Arbeitsplatz des Fahrers. Die Rundinstrumente lassen sich perfekt ablesen, und die zum Fahrer hin geneigte Mittelkonsole ist exzellent. Über den großen TFT-Bildschirm des Navigationssystems (ab 1375 Euro) lassen sich zudem Radio, Einstellungen, Soundsystem und Telefon gut bedienen. Sitzen und Verkleidungen merkt man das ein oder andere Gramm weniger Gewicht jedoch an. Der Laderaum schluckt 380 bis 1270 Liter - mehr braucht in der Kompaktklasse niemand.

Es ist keine Überraschung: Der VW Golf bleibt auch in seiner siebten Generation das Maß der Dinge in der Kompaktklasse. Das bekommen nicht nur die Volumenmodelle, sondern auch die Premiumversionen BMW 1er, Mercedes A-Klasse und das Schwestermodell Audi A3 zu spüren. Das nackt ausgestattete Basismodell VW Golf 1.2 TSI Trendline mit 85 PS und Fünfganghandschaltung startet bei wenig aussagekräftigen 16.975 Euro. Der 140 PS starke Golf 1.4 TSI Comfortline liegt mit mittelprächtiger Ausstattung jedoch schon bei 22.525 Euro. Mit ein paar standesgemäßen Extras ist die 25.000-Euro-Marke im Nu geknackt. Nicht nur deshalb, weil der Viertürer 900 Euro extra kostet. Auch hier bleibt also alles wie immer. Er ist eben ein Golf - der Beste seiner Art.

  • Pressinform, 10.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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