5,12 Meter lang, 1,93 Meter breit und rund 1,85 Meter hoch - der neue Mercedes GL ist genau der richtige Wagen für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. In den USA ist der Mercedes GL seit seinem erstmaligen Erscheinen der Anführer im Segment der Luxus-SUV. Die zweite Version legt dennoch noch mal deutlich nach und zeigt, was in einem Geländewagen derzeit möglich ist. "Die USA sind unser größter Markt für den Mercedes GL und das soll so bleiben", sagt Daimler-Entwicklungsleiter Andreas Zygan. "Wir haben hier 2011 allein 27.000 Fahrzeuge verkaufen können."
Zygans selbstbewusste Aussage passt: Denn der ab November auch in Deutschland erhältliche Mercedes GL ist kein Auto für echtes Understatement. Während der mit ihm eng verwandte Bruder Mercedes ML in seiner dritten Generation eher wie ein hoch gesetzter Kombi aussieht und damit nicht alle SUV-Kunden erfreuen kann, setzt der neue GL auf bekanntes Geländewagendesign mit bulligen Formen, mächtigem Kühlergrill, großen Leuchtelementen und ausgestellten Radhäusern. Gemessen an den mächtigen Dimensionen ist der Innenraum zwar großzügig, aber nicht opulent dimensioniert. Sitzen groß gewachsene Insassen vorn, gibt es in der zweiten Reihe keinen grenzenlosen Luxus.
Sitze und insbesondere die Kopfstützen könnten ruhig etwas mehr Reisekomfort bieten - zumindest in einer umkämpften Klasse, in der zum Ende dieses Jahres fast zeitgleich auch ein neuer Range Rover auf den Markt kommt. In der dritten Reihe können auch im gigantischen GL sowieso nur Kinder sitzen.
Gigantisch ist der Laderaum, der je nach Nutzung der zweiten und dritten Sitzreihe zwischen 680 und 2300 Liter groß ist. Während sich die dritte Sitzreihe praktisch elektrisch ein- und wieder ausklappen lässt, kann die 476 Euro teure teilelektrische Einstiegshilfe für die dritte Sitzreihe nicht ganz überzeugen. Sie klappt den Sitz nur nach vorn zusammen und verzichtet auf eine sinnvolle Memoryfunktion.
Maßstäbe setzt der Mercedes GL des Modelljahres 2013 in Sachen Geräuschdämpfung, Abroll- und Reisekomfort. Hier gibt es aktuell nichts Besseres auf dem SUV- und Geländewagenmarkt. Der drei Liter große Commonrail-Diesel säuselt selbst unter Last lässig vor sich hin. Allenfalls leise Windgeräusche hören die Passagiere im Inneren. Jedoch ist der mindestens 72.471 Euro teure Mercedes GL 350 Bluetec in keinem Fahrzustand ein echtes Kraftpaket. Angesichts von fast 2,5 Tonnen Leergewicht sind 190 kW/258 PS und 620 Nm ab 1600 U/min zwar ordentlich, aber alles andere als mächtig. Die Konkurrenz bietet bis zu 100 PS mehr.
Zudem hat der GL-Koloss trotz umfangreicher Leichtbaumaßnahmen in der neuen Generation gerade einmal 90 Kilogramm abspecken können. Dabei fährt sich der derzeit einzig verfügbare Diesel im GL-Programm subjektiv träger, als es die reinen Fahrleistungen belegen. Von 0 auf Tempo 100 schafft es der Deutsch-Amerikaner aus Tuscaloosa in 7,9 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 220 Stundenkilometern. Dabei soll er sich mit 7,4 Litern Diesel auf 100 Kilometern zufrieden geben.
Der Fahrkomfort im aktuell größten Mercedesmodell ist hingegen beachtlich. Vorausgesetzt man entscheidet sich für den 435 PS starken GL 500, den es ab 94.605 Euro gibt, oder gar das 557 PS starke Topmodell ML 63 AMG, das bei 130.305 Euro beginnt. So geht es trotz zweieinhalb Tonnen auch flotter zu - wenngleich auch dann das Gewicht des GL nicht pulverisiert werden kann. Doch die präzise Lenkung und insbesondere die optionale Wankstabilisierung für 3689 Euro mühen sich nach Leibeskräften, fahrdynamische Wunder in Kurven und Kehren zu vollbringen.
Wer tatsächlich regelmäßig ins Gelände abbiegen möchte, ist mit dem 2261 Euro teuren On- und Offroadpaket mit sechs speziellen Fahrprogrammen für alle Eventualitäten gerüstet. Neben Untersetzung, Längssperre und Unterfahrschutz gibt es eine erhöhte variable Bodenfreiheit von bis zu 30,6 Zentimetern. Wer will, kann die Sicherheitsausstattung des Mercedes GL um ein Komplettpaket an Fahrerassistenzsystemen ergänzen.