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Merken   Drucken   17.01.2010, 14:00 Schriftgröße: AAA

Fahrbericht: Mercedes ML 450 Hybrid - Schnäppchen made in USA

Ungerechte Autowelt: Die Schwaben verkaufen ihr Spar-SUV bis auf weiteres nur in den USA - und das zum Schleuderpreis. Ob der niedrige Preis auch sparsames Fahrvergnügen bedeutet, zeigt der Praxistest.
Ein Katapultstart, so muss man den Versuch der deutschen Hersteller bezeichnen, den über Jahre gewachsenen Hybrid-Rückstand gegenüber asiatischer und amerikanischer Konkurrenz aufzuholen.
Die Mercedes S-Klasse machte im Sommer den Anfang. BMW zog mit hybriden Versionen von 7er-Limousine und Crossover-SUV X6 nach. Auch die Stuttgart erhoffen sich nun von ihrer bulligen M-Klasse eine große Hybridnachfrage.
Galerie Mercedes ML 450 Hybrid - Schnäppchen made in USA
Da die Diesel-SUV in Europa unangefochten sind, bleibt der ML 450 Hybrid bis auf weiteres dem amerikanischen Markt vorbehalten. Hier ist er zu seinem Marktstart ein echtes Schnäppchen, das Druck auf den Lexus RX machen soll.
Rein elektrisch reicht der Strom für 2,5 Kilometer Der Japaner startet auf seinem Vorzeigemarkt für günstige 42.110 $. BMW will für den X6 Hybrid in Amerika knapp 90.000 $ haben. Mercedes positioniert sich dazwischen, jedoch deutlich näher am Lexus.
Von außen deuten nur der Schriftzug und die leicht bauchige Motorhaube auf die Teilelektrifizierung des Mercedes ML hin. Beim Starten des Motors gibt es das bekannte Hybridgeräusch - kaum mehr als ein sanftes Surren. Nur Multifunktionsbildschirm und Ladeanzeige zeigen, dass das Triebwerk läuft.
Da es sich bei dem ML 450 im Gegensatz zur hybriden S-Klasse um einen Vollhybriden handelt, kann der SUV auch rein elektrisch bis zu 2,5 Kilometer weit fahren.
Der erste Beschleunigungsversuch lässt die beiden Elektromodule in den Hintergrund treten - der 2,4 Tonnen schwere Koloss schnellt dank seines 3,5 Liter großen Sechszylinderbenziners nach vorn. Beim ersten Ampelstopp verstummt der Sechszylinder und springt beim Tritt aufs Gaspedal in Sekundenbruchteilen wieder an.
Im normalen Fahrbetrieb präsentiert sich die stufenlose Automatik mit ihren sieben elektronisch hinein projizierten Schaltstufen und zwei Betriebsmodi jedoch als überaus zäh und träge. Die ins Getriebe integrierten beiden Elektromotoren verrichten dafür nahezu lautlos ihre Arbeit. Der erste E-Motor leistet 67 Kilowatt und ist für den normalen Fahrbetrieb zuständig. Das zweite Elektrotriebwerk ist mit seinen 63 Kilowatt kaum weniger stark und für die Boost-Funktion zuständig.
340 PS bringen 210 Stundenkilometer Spitze Wer bei einem Überholvorgang stark beschleunigt, hat die Kraft aller drei Aggregate, rund 250 kW / 340 PS und 517 Nm Drehmoment, im Rücken. Die Geschwindigkeit wird bei Tempo 210 abgeregelt.
Nach amerikanischen Maßstäben soll sich der Mercedes ML Hybrid als wahrer Sparmeister in Szene setzen. "Der Verbrauch läge nach dem Messverfahren in der EU bei etwa 8 bis 8,5 Litern auf 100 Kilometern", so Projektleiter Michael Weiss, "die Verbesserung der Mileage-Reichweite gegenüber dem V8 ML liegt bei etwa 47 Prozent."
Bis auf weiteres kann der Elektro-ML nur geleast werden. Wer 30 Monate will, bezahlt rund 650 $, wer sich für 60 Monate bindet, 550 $ monatlich. Für den US-Markt wurde mit einem Verkaufspreis von deutlich unter 60.000 $ - umgerechnet kaum mehr als 35.000 Euro kalkuliert. Dafür gibt es in Deutschland noch nicht einmal einen müde ausgestatteten Mercedes GLK.
Trotzdem bleibt der Mercedes ML 450 Hybrid erst einmal in den USA. "In Europa setzen wir voll und ganz auf unsere Diesel", unterstreicht Weiss. Bei der nächsten M-Klasse-Generation, die 2011 vorgestellt wird, wird das jedoch anders: Sie kommt vom Start weg auch als Hybrid mit Lithium-Ionen-Akku.
  • Pressinform, 17.01.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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