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Merken   Drucken   15.09.2010, 14:00 Schriftgröße: AAA

Fahrbericht: Mercedes S 500 - mit Raketengenen

Schade eigentlich - denken sich zumindest die Kunden, die vor Kurzem die überarbeitete Mercedes S-Klasse gekauft haben. Denn erst zum Modelljahr 2011 kommen die großen Neuerungen.
Die Mercedes S-Klasse ist die bekannteste Luxuslimousine der Welt. Auch wenn 7er BMW und Audi A8 längst überaus gekonnt an ihrem Thron sägen und dem Aushängeschild aus Stuttgart so manche schmerzhafte Niederlage zugefügt haben, ist und bleibt diese insbesondere in Sachen Komfort das Maß der automobilen Dinge. "Die Mercedes S-Klasse feiert im kommenden Jahr 60. Geburtstag", so Mercedes-Chef Dr. Dieter Zetsche, "sie hat die zweite Hälfte der Automobilgeschichte mitgeprägt."
Gab es in den vergangenen Jahren für das Topmodell der Schwaben einige Schelte, weil die Motoren nicht mehr in der ersten Reihe deutscher Ingenieurskunst mitspielten, so gehört das ab dem Modeljahr 2011 der Vergangenheit an. Besonders der neue Achtzylinder im Mercedes S 500 lässt automobile Feingeister mit der Zunge schnalzen. War der 388 PS starke Motor des S 500 bisher bereits ein Wunder auf Laufruhe, so kommen nunmehr wahre Raketengene dazu. Dank doppelter Turboaufladung leistet der Mercedes S 500 beeindruckende 320 KW/435 PS und gewaltige 700 Nm maximales Drehmoment. Ab 1800 U/min legt der 500er los wie der Teufel.
Galerie Mercedes S 500 - mit Raketengenen
Die Leistungsentfaltung des neu entwickelten Achtzylinders mit nunmehr nur noch 4,7 Litern Hubraum ist schlicht grandios. Das Triebwerk hat Leistung im Überfluss in allen Lebenslagen und beschleunigt die über zwei Tonnen schwere Luxuslimousine in exzellenten fünf Sekunden von 0 auf 100 Stundenkilometer. In der Realität spielt der Imagespurt kaum eine Rolle, doch wer aus dem fließenden Verkehr bei Tempo 80, 120 oder 160 einmal auf das Gaspedal drückt, wird für den alles andere als schwächlichen Vorgängermotor nur noch ein mitleidiges Lächeln übrig haben.
Umso beeindruckender wird das neue Antriebspaket nicht durch die abgeregelte Spitzengeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern oder die präzisen Schaltvorgänge der ebenfalls überarbeiteten Siebengang-Automatik. Denn trotz deutlich mehr Leistung und einem himmelweiten Unterschied an Fahrfreude soll sich der neue Achtzylinder mit 9,4 Litern Super auf 100 Kilometern zufrieden geben. Möglich machen die Einsparung an Kraftstoff insbesondere der kleinere Hubraum, Start-Stopp-Automatik, regenerative Bremsen und bedarfsgeregelte Nebenaggregate. Sogar die Allradversion soll knapp unter zehn Litern verbrauchen.
Abstriche bei der Fahrdynamik
Leichte Abstriche muss man am Steuer des neuen Mercedes S 500 nach wie vor bei der Fahrdynamik machen. Die Zahnstangenlenkung könnte direkter sein und eine bessere Rückmeldung von der Fahrbahn geben. Der Achtzylinder liegt nach wie vor schwer auf der Vorderachse. Doch bekanntermaßen hat die S-Klasse ihre Paradedisziplin in Sachen Komfort. Wankbewegungen bei flotter Gangart und ein deutliches Untersteuerverhalten dürften allein Fahrdynamiker stören. Sie sind in Ingolstadt oder München nach wie vor besser aufgehoben. In Sachen Reise- und Langstreckenkomfort hat die S-Klasse von Mercedes jedoch kaum eine Konkurrenz. Beim Ampelstopp geht der Motor durch die neue Start-Stopp-Automatik sanft und nicht spürbar aus. Allein beim automatischen Neustart geht kurz eine leichte Vibration durch den 5,10 Meter langen Wagen.
Neu entwickelt wurde nicht nur das Triebwerk des S 500. Auch der S 350 bekam eine leichte Leistungsspritze auf 306 PS und einen reduzierten Verbrauch von 7,6 Litern Super. Langstreckenkapitäne und Sparfüchse dürften sich gerade in Europa vorrangig für den Mercedes S 350 Bluetec entscheiden. Statt ehemals 235 PS leistet der V6-Diesel nunmehr 190 KW/258 PS und ein maximales Drehmoment von 620 Nm. Der Normverbrauch reduziert sich auf 6,8 Liter Diesel auf 100 Kilometern. Von 0 auf Tempo 100 schafft es der Saubermann-Diesel in 7,1 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 Stundenkilometern. Der Leistungszuwachs und ein besseres Ansprechverhalten sind ebenfalls spürbar, doch der Fortschritt im Vergleich zum Vorgänger ist bei Weitem nicht so groß wie beim 4,7-Liter-Triebwerk des S 500.
Im Rahmen der nachträglichen zweiten Modellpflege bekam die Mercedes S-Klasse nicht nur andere Triebwerke, sondern auch neue Innenraumdetails sowie zusätzliche Fahrerassistenzsysteme. So kann die neue Mercedes S-Klasse unter anderem mit einem Totwinkelassistenten sowie einem aktiven Spurhalteassistenten ausgestattet werden, der den Fahrer bei Überfahren von Fahrbahnmarkierungen warnt oder durch einen leichten Bremseingriff des ESP gegenlenkt. Hörgenuss bietet das neue Bang & Olufsen Soundsystem, dessen Boxenabdeckungen in den unteren Türverkleidungen jedoch den edlen Innenraum verunglimpfen. Die überarbeitete Mercedes S-Klasse ist ab Ende September im Handel. Der Einstiegspreis für das Basismodel Mercedes S 350 Bluetec liegt bei 76.279 Euro. Der S 500 dürfte knapp 100.000 Euro kosten. Optional bleiben Lang- und Allradversion.
  • Pressinform, 15.09.2010
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