FTD.de » Auto » Praxistests » Mercedes SL 350 - Daimlers Mythos
Merken   Drucken   27.07.2012, 14:00 Schriftgröße: AAA

Fahrbericht: Mercedes SL 350 - Daimlers Mythos

60 Jahre Mercedes SL lassen viel Raum für Legenden, Sternchen, Geschichte und Anekdoten. Mit der neuen Generation versucht Daimler die Erfolge der Serie weiterzuspinnen. Bis auf ein paar kleine Schludrigkeiten dürfte das gelingen.

Seit sechs Jahrzehnten ist der Mercedes SL auf dem Markt und seit exakt dieser Zeit hat er keinen echten Konkurrenten. Kaum zu glauben, dass es in dieser Zeit kaum jemand ernsthaft versucht hat, dem SL seinen Legenden-Habitus abspenstig zu machen und ihn vom Thron zu stoßen. Das ist beim neuesten Modell nicht anders. Der aktuelle Mercedes SL touchiert das finanzstarken Klientel von Corvette, BMW 6er Cabrio, Aston Martin Virage, Porsche 911 Cabrio oder Maserati Gran Cabrio ohne es anzugreifen. Einen wirklichen Konkurrenten sucht man auf den internationalen Märkten vergeblich. Am nächsten kommen ihm noch ein offener Jaguar XK oder vor ein paar Jahren der Lexus SC 430. Bleibt die Frage, wieso es niemand ernsthaft versucht?

Der Mercedes SL ist eine fahrende Legende. Jennifer Hart folgte damit in der TV-Serie "hart aber herzlich" ihrem geliebten Jonathan, Patrick Duffy betörte seine trinkfreudige Pam ebenfalls in einem offenen 107er und wenn es in einem Kinostreifen der letzten 30 Jahre einmal ein Bösewicht sein sollte, der besonders edel durch die Landschaft flanierte, fuhr dieser gerne einen Mercedes SL.

Galerie Mercedes SL 350 - Daimlers Mythos

Nach den betont sportlichen SL-Anfangsjahren hat der Mercedes SL der Baureihe R 107 den größten Anteil an der automobilen Legendenbildung. Dieser wurde von 1971 bis 1989 gebaut und verkaufte sich mit der manuellen Wechselkombination aus Stoffdach und wintertauglichen Hardtop weltweit prächtig. Der Nachfolger R 129 zeigte nicht nur durch sein kantiges 80er-Design eindrucksvoll, dass eine S-Klasse auch nur zwei Türen haben kann. Und der R 230 war insbesondere eines: der perfekte Roadster im neuen Jahrtausend.

Der noch junge Nachfolger orientiert sich auch optisch überraschend stark an seinem Vorgänger. Kritiker bemängeln das zu ähnliche Design und mäßig eindrucksvolle Innovationen. Die technischen Neuerungen sind mit einem exzellenten Frontbass-System, Wischerblättern aus denen auf Wunsch Wasser eingespritzt wird und einem umfangreichen Sicherheitspaket eindrucksvoll, aber in der Tat mehr als unspektakulär. Je nach Modell haben die Daimler-Ingenieure im Vergleich zum Vorgänger 110 bis 150 Kilogramm Gewicht abgeworfen und dabei leider keine Lösung dafür gefunden, damit sich das elektrische Klappdach auch in der Fahrt bedienen lässt.

Der Komfort, mit dem man in einem Mercedes SL der neuesten Generation unterwegs sein kann, ist unerreicht. Er lenkt besser ein, ist agiler denn je und das Gesamtpaket mit steifer Karosserie ist dynamischer als jemals zuvor. Das dürfte die treue SL-Gemeinde aber kaum ernsthaft interessieren. Denn der SL ist kein Sportler und er will es auch gar nicht sein. Das gilt einmal mehr für den kleinsten SL, der entsprechend seines Hubraums eine 350 in der Nomenklatur trägt. Das V6-Triebwerk läuft leise und zurückhaltend und mit 306 PS sowie einer Höchstgeschwindigkeit von Tempo 250 ordentlich unterwegs.

Der Verbrauch des SL 350 ist überraschend gering. Denn einen Luxusroadster in dieser Liga mit deutlich unter zehn Litern zu bewegen, ist beim Einsteiger-SL alles andere als ein Ding der Unmöglichkeit. Zwar liegt der avisierte Normverbrauch von 6,8 Litern Super in weiter Ferne, aber selbst unter neun Litern ist allemal etwas machbar - trotz 1,7 Tonnen Leergewicht. Das V6-Aggregat leistet zwischen 3500 und 5250 U/min mit einem maximales Drehmoment von 370 Nm. Die Beschleunigung von 0 auf Tempo 100 liegt bei 5,9 Sekunden.

Ein Innenraum zum Verlieben

Doch das ist alles nichts gegen die perfekte Fahrwerksabstimmung: die grandiosen Komfortsessel mit Heizung, Kühlung und Nackengebläse, das ebenso übersichtliche wie exklusive Interieur und ein Windschott, der sich auf Knopfdruck hinter den Sitzen ausfährt und Verwirbelungen nahezu vergessen macht. Die Verarbeitung setzt wie bei allen Vorgängergenerationen Maßstäbe und allenfalls bei den Windgeräuschen von Außenspiegeln und Heckscheibe hätte man sich noch mehr Detailverliebtheit der Entwickler wünschen können. Edle Hölzer umschmeicheln Fahrer und den geneigten Passagier.

Im Gegensatz zu anderen Daimler-Modellen passen die turbinenartigen Lüftungsdüsen hier vortrefflich und gäbe es nicht die oben aufgesetzte Analoguhr mit ihrem Billigcharme und die silbrig glänzenden Taster an der Mittelkonsole - man würde sich wohl auf immer und ewig in den SL-Innenraum verlieben. Das Be- und Entladen des 241 bis 381 Liter große Laderaums ist bei geöffnetem Dach trotz der Komfortfunktion wenig brauchbar. Größere Gegenstände müssen schon mal hinter den beiden Sitzen verstaut werden.

Mit dieser Perfektion wird der Mercedes SL auch noch ein paar weitere Jahre den Titel bester Roadster der Welt durch die Lande tragen und neidische Blicke hervorrufen. Doch etwas mehr als ein SL 350 darf es in dieser Liga gerne sein. Gerade auch für einen Basispreis von 93.534 Euro, der in Sachen Komfortausstattung kaum Wünsche zufrieden stellt: Nicht einmal beheizte Ledersitze, Navigation oder abblendbare Spiegel sind bei dem Luxusroadster Serie, wenn er nur sechs Zylinder unter der langen Haube trägt. Doch der Aufstieg zum grandiosen Mercedes SL 500 mit 435 Biturbo-PS ist ein teures Vergnügen. Der startet erst bei 117.096 Euro. Auch das macht ihn irgendwie zur Legende.

  • Pressinform, 27.07.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
NEUVORSTELLUNGEN

mehr Neuvorstellungen

TRENDS

mehr Trends

BILDER

mehr Bilder

SERVICETOOLS

mehr Servicetools

© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler