Bereits die Leistungsdaten lassen vermuten, dass es zwischen den beiden Brüdern aus Zuffenhausen eng zur Sache gehen könnte. Der Boxster S leistet 232 kW/315 PS und ein maximales Drehmoment von 360 Nm, das zwischen 4500 und 5800 U/min anliegt. Der 3,4 Liter große Sechszylinder-Boxer ist eng mit dem Triebwerk des 911 Carrera verwandt, das 350 Pferde aufbietet.
Im Sport-Plus-Modus schafft der Mittelmotor-Roadster den Spurt von 0 auf Tempo 100 in unter fünf Sekunden. Bei der Höchstgeschwindigkeit lässt er mir 282 Stundenkilometern sogar die Werksangabe von Tempo 277 hinter sich. So weit - so sportlich. Der angebene Normverbrauch von acht Litern ist allerdings ein wenig realtitätsfern: 10,1 Liter Super sind es im Praxistest.
Doch es sind keinesfalls nur die exzellenten Fahrleistungen, die den Fahrer des gelben Boxster S Elfer-Gene spüren lassen. Da sind der niedrige Schwerpunkt, das gelungen abgestimmte Fahrwerk, die präzise Lenkung und die bissigen Bremsen. Durch die Sportsitze ist der Pilot ideal mit dem Sportgerät verbunden.
Wer denkt, mit dem Boxster S einen Porsche zweiter Klasse vor oder hinter sich zu haben, mit dem man auf winkeligen Landstraßen spielen kann, erlebt genauso sein blaues Wunder, wie auf der Autobahn. Denn hier wie dort muss der Boxster zumindest in der S-Version kaum einen Gegner fürchten.
Dabei ist der 1,4 Tonnen schwere Roadster im Grenzbereich bisweilen sogar deutlich leichter einzuschätzen, als der schwerere 911er mit seinem trampelnden Boxertriebwerk im Heck. Bergpassagen wie Kühtai, Ötztal, Timmelsjoch oder Fernpass fliegen nur so vorbei, als wäre es nichts.
Dabei kann man die Hände getrost von den Sportschaltern an der Mittelkonsole lassen. Im normalen Straßenverkehr braucht der geschulte Fahrer weder Sport- noch Sport-Plus-Modus, um sich stilvoll in fahrdynamische Szene zu setzen. Die 19-Zöller sorgen dafür, dass die 315 PS jederzeit bissig auf die Fahrbahn kommen und in beeindruckenden Vortrieb umgemünzt werden können.
Auf der Landstraße ist der Boxster S mit seinem optionalen Doppelkupplungsgetriebe und dessen sieben Fahrstufen ein Genuss. Gerade noch den sportlichen Cruiser gemimt, verputzt der Einsteiger-Schwabe auf Wunsch in Kehren bei mehr als 5000 Touren gerne ein paar sportliche Tourenbiker, um im nächsten Moment wieder niedertourig vor sich hin zu brabbeln. Kein Vergleich zum etwas unwilligen Normal-Boxster.
Dabei macht der Porsche Boxster S offen wie geschlossen Spaß. Sicher, das vollelektrische Stoffdach hat nicht die Qualität des neuen Elfers und die Windgeräusche könnten bei geschlossenem Dach durchaus leiser sein. Doch offen sitzt man geschützt genug, um auch bei kühlen Temperaturen einen Tagesritt zu genießen.
Zudem bietet der Porsche Boxster S genug Platz für zwei Personen und das Interieur ist längst auf Konzernlinie. Die Unterschiede zu 911, Cayenne und Panamera sind bei Cockpit und Mittelkonsole nur noch marginal. Und mit dem Minus an Schulterbreite kann man sich durchaus arrangieren. Ein weiterer Vorteil: Im Gegensatz zum Porsche 911 hat er vorne und hinten zwei Laderäume, die insgesamt 280 Liter fassen.
Wenn dem Porsche Boxster S etwas fehlt, dann ist es der optionale Allradantrieb und ein paar Pferdestärken. Der Porsche Boxster S kostet mit mäßiger Serienausstattung knapp 59.120 Euro. Mit Vollleder, Xenonlicht, Navigation und ein paar netten Dreingaben, ist die 70.000-Euro-Marke schnell geknackt. Bei Fahrerassistenzsystemen patzt der Boxster S schamlos. Hier gibt es fast gar nichts.