Renault-Designer Laurens van den Acker hat schon bei Audi und Mazda den Bleistift geschwungen. Deswegen ist es kein Wunder, dass der Niederländer nicht um einen markigen Spruch verlegen ist. "Der neue Clio sollte ein Homerun werden", sagt der Designer.
Um den siegbringenden Punkt zu erzielen, folgten die Franzosen dem erfolgreichen VW-Motto: Evolution statt Revolution. Der Franzose ist ein wenig frischer und moderner. Immer noch steht der Rhombus zentral auf den schmalen Kühlergrill - durch die schwarze Umrandung aber noch ein Stück markanter als zuvor.
Die Motorhaube verzichtet auf allzu auffällige Kanten, die Dachkante fällt nach hinten ab und das Heck mit den länglichen Scheinwerfern bildet einen würdigen Abschluss. Der neue Clio kann sich durchaus sehen lassen. Nur die seltsame Chrom-Lack-Applikation in der Flanke erinnert etwas an eine aufgeplatzte Blechhaut.
Innen kann man es durchaus aushalten. Der um 1,4 Zentimeter längere Radstand und die um 3,1 Zentimeter gewachsene Länge verschaffen allen Insassen mehr Raum. Fahrer und Beifahrer machen es sich in Sesseln bequem. Dank dem serienmäßig längs- und höhenverstellbaren Lenkrad ist eine gute Sitzposition schnell gefunden. Hinten haben auch große Personen genug Platz.
Tres bien Renault. Die Verarbeitung ist ordentlich und die Bedienung eingängig, da Renault die Knöpfeflut deutlich reduziert hat. Nur der Bediensatellitenhebel für das Radio nervt und die sehr breiten C-Säulen stören beim Blick nach hinten. Wer viel in Parkhäusern unterwegs ist, braucht unbedingt einen Parkpiepser.
Das Beladen des Kofferraums ist auch kein Zuckerschlecken, da das Gepäck über einen hohen Absatz in eine enge Ladeluke gewuchtet werden muss. Zwar ist der Kofferraum mit 300 Liter um zwölf Liter größer als beim Vorgänger, aber ein handelsüblicher mittelgroßer Koffer passt nur quer hinein. Immerhin lässt sich das Volumen durch das Umlegen der Rückbank auf 1146 Liter steigern. Das kann ein Polo besser. Zwar kein vollkommener Fehlschlag, aber sicher kein Homerun.
Auf der Straße schlägt sich der Clio gut. Das Fahrwerk wurde in großen Teilen vom Vorgänger übernommen und an entscheidenden Stellen verbessert. Es ist straff aber nicht unkommod und Gottseidank weit entfernt von den französischen Sänften vergangener Jahre. Die elektrische Lenkung setzt die Fahrerbefehle willig um, könnte aber etwas direkter sein und mehr Rückmeldung geben.
Der positive Eindruck setzt sich unter der Motorhaube fort. Der 90-PS-Dreizylinder hat mit dem 1084 Kilogramm schweren Auto - etwa 100 Kilogramm weniger als beim Vorgänger - kaum Probleme, dreht willig hoch und wirkt sehr selten angestrengt. Nur im kalten Zustand meldet sich das Aggregat brummend zu Wort, ansonsten agiert es akustisch ziemlich zurückhaltend.
Allerdings raubt ihm die etwas in die Jahre gekommene manuelle Fünfgangschaltung etwas an Temperament. Ein moderenes Sechsganggetriebe würde hier mehr Sinn ergeben. Bei ersten Testfahrten lag der Verbrauch mit 7,1 Liter auf 100 Kilometer doch deutlich über den angegebenen 4,5 Liter.
Der neue Dreizylinder ist mit dem Spritsparpaket Eco-Drive, das noch einmal 0,2 Liter sparen soll, für mindestens 14.400 Euro ab dem 10. November zu haben. Das Einstiegsmodell mit 75 PS kostet 12.800 Euro und damit knapp 400 Euro mehr als ein dreitüriger Polo. Außerdem ist der Clio nur als Fünftürer zu haben.
Serienmäßig sind ESP, eine Berganfahrhilfe, ein Tempomat und vier Airbags, aber keine Klimaanlage. Auch Fahrerassistenzsysteme sind kaum in den Ausstattungslisten zu finden. So bleibt der Clio unterm Strich ein schickes solides Auto, das sicher seine Käufer finden wird, aber nicht ganz den Ball zum Punktgewinn aus dem Stadion schlägt. Fast ein Homerun, aber eben nur fast.