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Merken   Drucken   09.03.2010, 14:00 Schriftgröße: AAA

Praxistest: Audi R8 Spyder 5.2 FSI quattro - Trieb zum Thron

Porsche aufgepasst! Auch wenn die Stuttgarter im VW Konzern die Sportwagen-Krone tragen - aus Ingolstadt rollt ein elegantes Cabrio heran, das mit lupenreinem Rennsport-Feeling und reichlich Komfort auf die vorderen Plätze strebt.
Ein roter Audi R8 rollt durch ein beschauliches italienisches Städtchen. Die Menschen reagieren entsetzt: Ein Mann hält seinem Kind die Augen zu, ein Mechaniker spuckt auf den Boden, junge Mofa-Fahrer ballen die Fäuste und brüllen Flüche.
Erst als der R8 das Ortsschild passiert und mit grollendem Motorsound am Horizont verschwindet, liest man auf dem Schild des Rätsels Lösung: "Maranello - City of Ferrari". Der mittlerweile legendäre Werbespot war eine Kampfansage, mit dem Spyder ist dieser Kampf in seine heiße Phase getreten. Und nicht nur in Maranello wird der R8 für Aufmerksamkeit sorgen.
Galerie Audi R8 Spyder 5.2 FSI quattro - Trieb zum Thron
In Südfrankreich allerdings, wo Audi seinen offenen Zweisitzer präsentierte, ballt niemand die Fäuste. Stattdessen gibt es bewundernde Rufe vom Straßenrand, und Autofahrer halten ihre Handys aus dem Fenster, um Fotos vom Spyder zu machen.
Adieu elektronisches Tempolimit Der R8 Spyder 5.2 FSI quattro, wie das 4,4 Meter lange Geschoss mit vollem Namen heißt, ist laut Datenblatt ein waschechter Supersportwagen: 5,2 Liter Hubraum, zehn in V-Form angeordnete Zylinder, 386 kW (525 PS), 530 Newtonmeter Drehmoment ergeben ein Leistungsgewicht 3,3 Kilogramm pro PS.
In 4,1 Sekunden erreicht der Spyder aus dem Stand Tempo 100, und von einer elektronischen Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit hat sich Audi längst verabschiedet - das offizielle Maximaltempo des offenen R8 liegt bei 313.
Wer den Sound des Zehnzylinders in vollen Zügen genießen will, muss natürlich das Verdeck öffnen. Doch selbst wenn der R8 seine Stoffkappe wieder aufsetzt, kann der Fahrer über das Ohr Kontakt zum Motor aufnehmen. Per Knopfdruck an der Mittelkonsole fährt die winzige beheizte Heckscheibe nach unten. Dann bleibt die Fönfrisur intakt, und trotzdem vibrieren die Gehörknöchelchen synchron mit Zylindern, Kurbelwelle und Auspuffrohren.
Soviel Power der R8-Pilot auch im Rücken haben mag, der Audi ist ein ausgesprochen kommoder Sportwagen, der viele Bedürfnisse auf einen Nenner bringt. Man sitzt ohne Beklemmungsgefühle hinter dem unten abgeflachten Lenkrad. Auch bei geschlossenem Verdeck haben große Fahrer reichlich Kopffreiheit.
Aus Dr. Jekyll wird ein ungestümer Mr. Hyde Die Federung ist straff, aber nicht knochig, und durch Feintuning am sequenziellen Schaltgetriebe R-tronic bewegt sich der Audi selbst auf dem Boulevard im Cruising-Tempo weitgehend ruckfrei. Zum störungsfreien Telefonieren haben die Ingenieure etwas Besonderes ausgetüftelt: Drei winzige Mikrofone sind in den Fahrergurt integriert, jeweils kleiner als ein Fingernagel und mit einer in die Gurtfasern eingewebten Verkabelung. Nur beim Gepäck muss man Kompromisse machen. Der Laderaum unter der Fronthaube ist mit seinen 100 Literchen noch kleiner als beim Porsche 911.
Sobald man die Boulevards verlassen und kurvige Landstraßen vor sich hat, schält sich beim Tritt aufs Gaspedal aus dem bequemen Anzug des Mr. Jekyll ein ungestümer Mister Hyde. Eben noch sonor vor sich hin säuselnd, stimmt der Zehnzylinder nun sein markerschütterndes Gebrüll an. Bei sportlicher Gangart macht besonders die Sechsgang-Handschaltung mit der offenen Schaltkulisse Laune, bei dem jedem Gangwechsel von einem metallischen Klicken begleitet wird. Beschleunigung und Kurvenstabilität des offenen Allradlers sind enorm, und dass der Wagen mit 1,7 Tonnen Leergewicht rund 100 Kilo schwerer ist als das R8 Coupé, dürfte den meisten Piloten nicht auffallen.
Zur Serienausstattung zählen unter anderem LED-Scheinwerfer, Klimaautomatik und elektrisch verstellbare Ledersitze. Das Navigationssystem ist ebenfalls serienmäßig an Bord, wobei es sich aber nicht um die neueste aus dem A8 bekannte Generation mit optionaler Touchpad-Bedienung handelt. Der Spyder kostet 156.400 Euro, mit R-tronic 163.800 Euro.
  • Pressinform, 09.03.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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