Merken
Drucken
27.11.2009, 14:00
Schriftgröße: AAA
Praxistest:
BMW 7er Active Hybrid - bayerischer Teilzeit-Elektriker
Bei BMW brechen in diesem Jahr alte Dämme. Der Kunde ruft, also gehorcht man in München. Zunächst spendierte man dem noch jungen 7er BMW endlich einen Allradantrieb. Im April nächsten Jahres bieten die Bayern ihr Aushängeschild dann erstmals als Hybriden an.
Der 7er Active Hybrid soll gerade in den USA der etablierten Hybridkonkurrenz Dampf machen und Druck auf die Neuankömmlinge Mercedes S-Klasse, Infiniti M, Audi A8 und Porsche Panamera ausüben. Bereits die wenig heimisch lautende Bezeichnung "BMW Active Hybrid 7" zeigt, wohin die Reise gehen soll: über den Atlantik.
Nachdem sich die Amerikaner trotz offensichtlicher Vorteile in Alltagsgebrauch und Fahrprofil bei keiner Marke für sparsame Saubermann-Diesel erwärmen können, soll es jetzt der flächendeckende Einsatz europäischer Hybridantriebe richten. Anders als der deutsche Kooperationspartner Mercedes setzt BMW beim 7er Hybrid auf Leistung pur.
Galerie
BMW 7er Active Hybrid - bayerischer Teilzeit-Elektriker
Das V8-Triebwerk des BMW 750i mit seinem doppelt aufgeladenen Achtzylinder-Turbo wurde mit dem gleichen Hybridmodul wie der deutlich schwächer motorisierte Mercedes S 400 Hybrid versehen. Entwickelt und produziert werden die Hybridkomponenten von Continental. So bietet der Kraftprotz aus Bayern unter dem Strich eine Systemleistung von 342 KW/465 PS und zwischen 2000 und 4500 Touren ein gigantisches Drehmoment von 700 Nm.
Die ökologisch integeren Gedanken, eine bullige Luxuslimousine auch mit deutlich weniger als zehn Litern Super auf 100 Kilometern bewegen zu können, kommen einem bei einem Spurtpotenzial von 0 auf Tempo 100 in 4,9 Sekunden und 250 Stundenkilometern Spitze kaum in den Sinn. Der hybride 7er ist eine Fahrmaschine, die selbst Sportversionen Angst macht und am Thron des übermächtigen Schwestermodells 760i sägt. Bei aller Dynamik soll sich der über zwei Tonnen schwere Wagen mit 9,4 Litern Super auf 100 Kilometern zufriedengeben.
Der Elektromotor ersetzt den AnlasserBeim Anfahren mit dem Active Hybrid 7 wartet allerdings eine Enttäuschung: Ein Druck auf den Starterknopf ruft kein elektrifizierendes Surren, sondern sanfte Achtzylinderklänge hervor. Anders als die Vollhybridversionen kann der BMW 7er Hybrid nicht rein elektrisch fahren. Die Hybridtechnik beschränkt sich auf ein Elektromodul in der neuen Achtgang-Automatik, das 15 KW/20 PS elektrischer Zusatzleistung liefert.
Der Elektromotor unterstützt den Verbrenner bei der Fahrt sowie im Stand gleichermaßen und ersetzt unter anderem den Anlasser. Beim Halten geht der 4,4 Liter große Achtzylinder dank perfekt abgestimmter Start-Stopp-Automatik ohne jede Gefühlsregung aus, um beim Ampelstart innerhalb von 150 Millisekunden wieder voll auf der Höhe zu sein. Ein Impulsspeicher am hinteren Ende der Ölwanne sorgt dafür, dass auch bei ausgeschaltetem Triebwerk der nötige Öldruck erhalten bleibt und der Neustart doppelt so schnell wie normalerweise vonstatten gehen kann.
Beim Blick in den Motorraum sind die Innovationen im Antriebsstrang nicht sichtbar. Alles mutet wie bei einem ganz normalen 7er mit Benzin- oder Dieseltriebwerk an. Anders sieht es bei einem Blick in den Kofferraum aus. Der an sich üppig dimensionierte Laderaum wird im linken Bereich von einem mit Teppich verkleideten Quader in Bierkastengröße verkleinert. Das sieht trotz des imageträchtigen Aufdrucks "Active Hybrid Power Unit" seltsam aus und verringert das Ladevolumen auf 460 Liter.
In dem Quader ist gut isoliert der rund 27 Kilogramm schwere Lithium-Ionen-Akkupack mit einer Betriebsspannung von 120 Volt untergebracht. Immerhin bleibt die Skidurchreiche in den Innenraum erhalten. Gründe für die alles andere als sinnvolle Platzierung des Akkus im Gepäckabteil sind eine bessere Gewichtsverteilung und die geringeren Temperaturschwankungen. Entwicklungspartner Daimler aber hat das gleiche Akkupaket beim S 400 Hybrid sinnvollerweise in den Motorraum gepresst.
Der Kasten im Laderaum ist neben den aufdringlichen Hybrid-Schriftzügen rund um das Fahrzeug und dem Infodisplay im Armaturenbrett das offensichtlichste Elektro-Merkmal. Ansonsten hat man schlicht das Gefühl, in einem BMW 750i oder 750 iL zu sitzen, der eine Leistungsspritze bekommen hat. Der Elektromotor stellt seine 20 PS und 210 Nm ab Start des Triebwerks zur Verfügung. Wer es im Teilzeit-Elektriker fliegen lässt, spürt die elektronischen Akku-Vitamine deutlich - ebenso allerdings das Mehrgewicht, das bei rund 100 Kilogramm liegt.
Teil 2: Der 7er als Auftakt für eine neues Elektrozeitalter
-
Pressinform, 27.11.2009
© 2009 Financial Times Deutschland,
Bookmarken
Drucken
Senden
Leserbrief schreiben
Fehler melden