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Merken   Drucken   13.08.2012, 14:00 Schriftgröße: AAA

Praxistest: Mercedes ML 350 BlueTEC - SUV kann öko

Mit der neuen Generation seiner M-Klasse will Mercedes auch bei den als wenig umweltfreundlich geltenden SUVs neue Standards setzen. Entsprechend schafft das Dickschiff jetzt schon Euro 6. Und ist komfortabel wie eh und je.

Es gehört zu den großen Mysterien des Abendlandes: SUVs und Geländewagen entwickeln sich auch in Deutschland Jahr für Jahr mehr zu Hassobjekten - und finden Jahr für Jahr mehr Käufer. 360.105 neue SUVs wurden 2012 offiziell zwischen Flensburg und Garmisch zugelassen. Das ist ein Plus von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und schon da lag der Zuwachs um die 20 Prozent. Insgesamt machen SUVs 11,3 Prozent aller Neuzulassungen aus, ungefähr die Hälfte davon läuft als Geschäftsfahrzeug. Ziemlich gute Bilanz für ein Auto, das angeblich niemand haben will.

Bei Mercedes-Benz gehört seit jeher die M-Klasse zum Erfolgskonzept. Immerhin knapp 7000 Stück des in den USA produzierten Edelkraxlers wurden vergangenes Jahr in Deutschland zugelassen. Und neben den bekannten Qualitäten - viel Platz, hohes Sicherheitsgefühl, Geländetauglichkeit - wollen die Schwaben mit der neuen M-Generation auch beweisen, dass SUV durchaus öko kann.

Galerie Mercedes ML 350 BlueTEC - SUV kann öko

So kommen die beiden Diesel-Versionen unter dem Logo "BlueTEC" daher. Das soll zeigen: Wir sind sauber, wir sind bescheiden im Verbrauch. Der 350 BlueTEC im Praxistest etwa erfüllt jetzt schon die kommende Euro-6-Norm, sein offizieller Durchschnittsverbrauch liegt trotz sechs Zylindern, üppigen 2,3 Tonnen Leergewicht und 258 PS Leistung bei 6,8 Litern Diesel auf 100 Kilometern. Real sind es im Test rund acht Liter - auch nicht schlecht.

Dafür gibt es ein wuchtig, aber elegant wirkendes Gefährt in klassischer Offroad-Optik, das seinen Insassen Sicherheit pur suggeriert, sich ausgesprochen komfortabel durch Stadt und Land bewegen und einen in kaum einer Situation mal im Stich lässt - weder wenn es darum geht, üppige Einkäufe zu verstauen, noch darum, den Bootsanhänger zur Anlegestelle zu schleppen oder die komplette Familie gelassen und relaxt in den Urlaub über die Alpen zu chauffieren.

Viel Luft über dem Scheitel

Die Zuladung ist mit bis zu 775 Kilogramm beinahe schon riesig, im Laderaum finden hinter der weit öffnenden Heckklappe zwischen 630 und - bei umgelegter Rückbank - 2010 Liter Gepäck Platz. Das Ein- und Ausladen ist relativ bequem, weil es keine Kante gibt, über die alles erst mal gewuchtet werden muss. An den Haken nehmen darf der ML satte 3,5 Tonnen.

Innen: üppig Platz, auch hinten und in der Breite, viel Luft über dem Scheitel, edle Wohlfühl-Materialien, erkennbar hochwertig verarbeitet, alles durchdacht, alles gut erreich- und einstellbar. Sogar dass der Automatikhebel vom Mitteltunnel rechts ans Lenkrad gewandert ist, hat man nach kurzer Zeit verinnerlicht. Ein Mercedes ist wie ein Stück Heimat - wer einmal einen hatte, der findet sich in jedem anderen auch zurecht. Die vielfach verstellbaren Sitze sind ergonomisch geformt und bieten besten Seitenhalt.

Mit dem 6-Zylinder-Diesel ist der ML souverän unterwegs. Der Motor läuft ruhig und kultiviert. Dass ein Diesel eigentlich nageln sollte, daran denkt man allenfalls beim Tanken. Neben dem Einfüllstutzen für den Treibstoff gibt es unter der Tankklappe noch einen blauen, zweiten Stutzen - den man selbst getrost vergessen kann. Dort füllt die Werkstatt bei Bedarf das Harnstoff-Additiv nach, das in einem aufwendigen System für saubere Abgase und den Euro-6-Status sorgt.

Der BlueTEC-Diesel liefert 190 kW/258 PS und ein maximales Drehmoment von noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbaren 620 Nm, die bereits ab 1600 U/min. anliegen. Entsprechend stürmt der Brocken in nur 7,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 - ziemlich genauso schnell wie ein Porsche Cayenne. Bei 224 Stundenkilometern Spitze ist Schluss. Rekuperation und die Start-Stopp-Automatik sorgen vor allem im Stadtverkehr für Sparpotenzial. Die gut abgestimmte, siebenstufige Automatik arbeitet sich zügig und meist ohne Rucker durch die Gänge - auch ein Beitrag zum Komfort beim Reisen.

Reisen kann entspannt sein

Im Alltag erweist sich der 4,8 Meter lange und knapp zwei Meter breite ML als erstaunlich handlich - wenn auch nicht jeder auf Rendite optimierten Parkplatzbreite gewachsen. Die Karosserie ist übersichtlich, Parksensoren sorgen dafür, dass man auf den Zentimeter genau rangieren kann. Die hohe Sitzposition sorgt für besten Überblick über das Verkehrsgeschehen. Etwas weniger träge dürfte die Lenkung sein - immerhin reagiert sie präzise und zielgenau. Kurven nimmt der ML leicht untersteuernd, aber spätestens dank ESP durchweg unkritisch. Ohnehin ist man in einem SUV nicht gerade mit heißem Reifen unterwegs.

Wer sich ein paar der Assistenzsysteme gönnt, der wird vor allem auch auf langen Strecken entspannt unterwegs sein: Auf der Autobahn die 160 im Tempomat eingeben - und alles andere macht der ML von selber. Okay, lenken muss der Fahrer noch. Aber wenn der Verkehr voraus dichter und langsamer wird, passt sich der Mercedes bereitwillig dem Tempo an, geht es wieder flotter weiter, beschleunigt er sanft. Reisen kann da selbst auf Autobahnen voller unentschlossen zwischen Gas- und Bremspedal changierender Sonntagsfahrer entspannt sein. Dazu kommt die komfortabel abgestimmte Federung, die alle Unebenheiten des Asphalts souverän wegbügelt, sowie ein auch unter Last sehr niedriges Geräuschniveau.

70.000-Euro-Grenze knacken

Selbst fürs Gelände taugt der Mercedes ML gut, vor allem mit dem Offroad-Paket, das ihm für 2261 Euro Aufpreis eine Differenzialsperre verschafft, Luftfederung, fürs Gelände optimiertes ESP und Getriebesteuerung sowie einen verstärkten Unterbodenschutz.

All das hat seinen Preis. Der Einstieg liegt bei 55.395 Euro für den kleinen Diesel mit 204 PS. Der angemessener motorisierte 350 BlueTEC startet ab 59.143 Euro. Und wie bei Mercedes üblich, ist das "startet" wörtlich zu nehmen: Die Basisausstattung ist eher bescheiden, und man wundert sich, dass sogar schon eine 2-Zonen-Klimaautomatik dabei ist. Aber wer die schwäbische Komfortklasse wirklich genießen will, der wird ohne Mühen die 70.000-Euro-Grenze knacken.

  • Pressinform, 13.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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