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Merken   Drucken   15.08.2012, 14:00 Schriftgröße: AAA

Praxistest: Range Rover Evoque - schöner Geländegänger

Wer wagt, gewinnt. Mit dem Evoque hat Land Rover einen bewussten Kontrapunkt gesetzt zu seinen bis dahin eher kernigen und robusten Offroadern. Experiment gelungen: Der Evoque ist ein Livestyle-SUV mit Land-Rover-Genen.

Wer ist der Schönste im ganzen Land? Bei einer sicher nicht repräsentativen Umfrage unter ein paar Hundert Motorjournalisten auf Facebook nach den Autos mit dem besten Design tauchte ein Modell überraschend häufig auf: der Range Rover Evoque. Eine so dynamische Karosserie, die perfekt mit dem kraftvollen SUV-Auftritt und lässiger Eleganz spielt, hätte man dem eher etwas angestaubt wirkenden Produzenten von rollenden Kleiderschränken wie dem Defender kaum zugetraut.

Offiziell firmiert der Evoque als Mitglied der Range-Rover-Familie. Technisch allerdings basiert er unter dem Blechkleid auf dem Freelander 2. Das macht eine ganz andere Auspreisung möglich: Ein Range Rover ist nicht unter 89.000 Euro zu haben - der Evoque bei gleichem Vornamen schon ab 33.400 Euro.

Galerie Range Rover Evoque - schöner Geländegänger

Mit seinen 4,37 Metern Länge sieht der Evoque zwar so massiv und bullig aus, wie es sich für einen SUV gehört - real ist er aber nur ein paar Zentimeter länger als zum Beispiel ein Audi A3. Das macht ihn fit für das Gelände, in dem er wohl vor allem eingesetzt wird: die Stadt. Aber auch auf längeren Autobahnfahrten zeigt sich der Evoque als komfortables Reisefahrzeug.

Wohl kaum je wird ein Evoque dorthin gescheucht, wo seit Anbeginn der Marke der natürliche Lebensraum eines Land Rover ist - ins schroffe Gelände. Doch auch abseits befestigter Straßen schlägt sich der Evoque - zumindest mit den allradgetriebenen Versionen - so, dass er seinen Brüdern alle Ehre macht: Land Rover hat ihm so ziemlich alles mitgegeben, was ihn zum Geländegänger macht.

Arbeitsplatz gut einstellbar

Ein Beispiel: Alle Evoque mit Allradantrieb haben das hausübliche Terrain-Response-System an Bord. Zweites Beispiel: Die Luftansaugung für den Motor liegt oberhalb des linken Radhauses. Das macht ihn watfähig bis 500 mm Wassertiefe - genauso viel wie beim Freelander 2. Und um durch Unterführungen zu kommen, die nach einem Gewitter vollgelaufen sind, sollte das in den meisten Fällen auch reichen.

Innen ist der Evoque hochwertig ausgestattet, mit sauber verarbeiteten Materialien. Vier Personen finden im Fünftürer gut, vorne sogar üppig Platz, zumal anders als im dreitürigen Coupé keine so stark abfallende Dachlinie die Kopffreiheit einschränkt. Hinten reicht es gut für zwei Passagiere, der Mittelplatz ist eher ein Notsitz. Wer noch mehr Raumgefühl will, der sollte sich das optionale Panoramadach leisten - es bringt Licht und Weite in den Evoque.

Für den Fahrer ist der Arbeitsplatz gut einstellbar. Das Lenkrad kann in Tiefe und Neigung gut angepasst werden, der griffige Sitz in allen Dimensionen. Er bietet auch in schnellen Kurven einen guten Seitenhalt. Das Cockpit ist vom Fahrerplatz überschaubar und ergonomisch aufgebaut, die zentralen Anzeigen vor dem Fahrer blendfrei gut einzusehen.

Gestartet wird auf Knopfdruck. Selbst auf der Autobahn bleibt der Geräuschpegel durchweg niedrig. Die gut abgestimmte Start-Stopp-Automatik gibt es nur bei den Dieselmodellen. Bordcomputer, Navi und Radio sind über das Touchscreen bedienbar. Auf der Mittelkonsole finden sich außer dem kurzen und knackig zu schaltenden Ganghebel die elektronische Handbremse, die sich beim Anfahren von selbst löst, und die Einstellleiste für die Programme des effektiven Terrain-Response-Allradsystems: Gras/Schotter/Schnee - Schlamm/Spurrillen - Sand. Weniger gut bestückt ist der Evoque mit Staufächern.

Alle kritischen Engstellen im Blick

Die Sicht des Fahrers ist zumindest nach vorne gut. Allein schon die erhöhte Sitzposition ermöglicht eine gute Übersicht über das Verkehrsgeschehen. Nicht so gut sieht es mit der Sicht nach hinten aus: Die eher an Schießscharten erinnernden Fenster hinter den breiten C- und D-Säulen sowie die schmale Heckscheibe schränken den Blickwinkel ein. Die serienmäßigen Parksensoren oder die Rückfahrkamera aus dem Zubehörkatalog sind also keineswegs überflüssiger Luxus. Wer will, kann auch ein Surround-Kamerasystem ordern, mit zusätzlich zwei Kameras in der Frontstoßstange und jeweils einer Kamera in den Seitenspiegeln. Dann sind alle kritischen Engstellen im Blick.

Mit einem Volumen von 550 Litern, das sich durch das asymmetrische Umklappen der Rücksitze auf 1445 Liter erweitern lässt, spielt der Evoque beim Laderaum in der oberen Liga seiner Klasse: Der Audi Q3 etwa bietet 460 Liter, der BMW X1 nur 420 Liter und der VW Tiguan 470 Liter. Die Heckklappe schwingt beim Fünftürer so weit nach oben, dass auch größere Leute ohne Kopfstoßgefahr darunter Platz finden. Über die breite Ladeöffnung ist der Laderaum zudem gut nutzbar. Zuvor allerdings muss man das Ladegut erst einmal auf die 75 Zentimeter Höhe des Kofferraumbodens lupfen. Kleinkram lässt sich praktischerweise in ein paar Stauräumen unter dem Kofferraumboden unterbringen.

Der 2,2-Liter-Dieselmotor des Evoque wird in zwei Leistungsstufen eingebaut: mit 110 kW/150 PS oder mit 140 kW/190 PS. Schon mit dem "kleinen" Diesel ist man gut unterwegs. Er läuft zivilisiert und rund, schickt kaum Vibrationen in den Innenraum. Auch unter Last bleibt er angenehm ruhig. Von der nativen Rauheit eines Diesel-Naglers ist kaum je etwas zu spüren. In Verbindung mit der präzisen und gut abgestuften 6-Gang-Schaltung und dem maximalen Drehmoment von 400 Nm arbeitet der Diesel sich zielgerichtet bis zur Topspeed von 185 Stundenkilometern hoch - völlig ausreichend für einen SUV. Der Antrieb über alle vier Räder sorgt naturgemäß für eine erstklassige Traktion.

Wenn man zum Verkehrshindernis wird

Den Spurt aus dem Stand auf Tempo 100 schafft der 150-PS-Evoque dennoch nur in wenig berauschenden 10,8 Sekunden - subjektiv hat man das Gefühl, schneller zu beschleunigen. Offiziell gibt Land Rover den Verbrauch für den Allradler mit 5,7 Litern auf 100 Kilometer an, was einem CO2-Ausstoß von 149 g/km entspricht. Unter realen Bedingungen ist das nur zu schaffen, wenn man zum Verkehrshindernis wird. Im Test lag der Durchschnitt jedenfalls knapp unter acht Litern.

Gut hinbekommen haben die Ingenieure bei Land Rover das ausgewogene Fahrwerk. Der Landy für die Stadt lässt sich agil, wuselig und sportlich bewegen, bleibt dabei aber immer bequem und komfortabel. Fahrbahnunebenheiten werden souverän geschluckt. Dennoch wirkt die Federung angenehm sportlich straff. Wank- und Nickbewegungen bei Lastwechseln halten sich in Grenzen. Geradeaus hält der Evoque stoisch die Spur. Durch Kurven lässt er sich dank der präzisen Lenkung punktgenau zirkeln. Wenn man es übertreibt, sorgt das ESP schon relativ früh dafür, dass das Heck nicht nach Kurvenaußen hin wegschiebt.

Mit einem Basispreis von 33.400 Euro für den nur frontangetriebenen Evoque eD4 ist der Brite zwar für Land-Rover-Verhältnisse ein Schnäppchen - gehört im Segment allerdings zu den eher teureren Geländegängern. Der getestete und durchaus schon serienmäßig ordentlich ausgestattete Range Rover Evoque 2.2 TD4 4WD etwa kostet von 35.200 Euro an aufwärts. Ein von der Leistung her vergleichbarer VW Tiguan TDI mit 140 PS etwa kostet ab 29.600 Euro, ein Audi Q5 quattro mit gleichem Motor startet bei 32.200 Euro und einen BMW X1 xDrive 18d mit 143 PS gibt es ab 32.350 Euro. Eine preiswerte Alternative kommt allerdings aus gleichem Hause: Der Land Rover Freelander 2 mit dem 150-PS-Diesel ist schon ab 29.900 Euro zu haben.

  • Pressinform, 15.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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