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Merken   Drucken   08.05.2012, 14:00 Schriftgröße: AAA

1. Bodensee Klassik: Oldtimer auf Dreiländerfahrt

Frühlingszeit heißt Oldtimerzeit: Die zum ersten Mal veranstaltete Bodensee Klassik eröffnete in diesem Jahr die europäische Oldtimersaison. Drei Tage, drei Länder und überwiegend gutes Wetter - so kann die Saison weitergehen.

Die Silvretta Classic im Sommer ist eine der bekanntesten Oldtimerrallyes in den Alpen. Nur eine gute halbe Stunde entfernt gibt es nun direkt am Bodensee eine Konkurrenzveranstaltung, die mit Bregenz als Drehscheibe, dem Bodensee und ebenfalls grandiosen Panoramen lockt. Die erste Ausrichtung der Bodensee Klassik war nicht nur wegen ihres in weiten Teilen sommerlichen Wetters ein Erfolg. Überraschend, dass es die mehr als 300 Teilnehmer bei der ersten Auflage am Steuer besonders geruhsam angehen ließen.

Markus Frey ist zusammen mit seiner Frau aus der Nähe von Augsburg an den Bodensee gekommen. Sein hellgelber Mazda-Abschleppwagen mit Kreiskolbenmotor ist einer der großen Hingucker auf der Rallye. "Der Wagen kommt aus den USA", so der Mazda-Händler aus Gersthofen, "er wurde nur dort angeboten und hat den ganz normalen Wankelmotor des RX-7 mit 115 PS. Sein Baujahr: 1974." Frey hat neben dem Mazda-Betrieb zusammen mit seinem Bruder eine vom Vater aufgebaute Sammlung von Mazda- und Wankelfahrzeugen - einzigartig auf der Welt.

Galerie Oldtimer auf Dreiländerfahrt

Ähnlich auffällig, aber weniger einzigartig ist nur ein paar Startnummern weiter hinter dem US-Pick-up der 76er Chevrolet Camaro im Biene-Maja-Look mit Stefan Seibert am Steuer. 165 PS stark blubbert der 5,8 Liter große Achtzylinder bei den Bergpassagen im Appenzeller Land Richtung Säntis ebenso satt vor sich hin wie bei der Oberschwaben-Runde am Schlusstag.

Die Bodensee Klassik ist bei ihrer ersten Auflage insbesondere ein Treff der Ober- und Luxuslimousinen. Mit dem 173 PS starken Jaguar XJ 6 4.2 Serie II sind die Engländer ebenso vertreten wie die seinerzeit aufstrebenden Ingolstädter mit ihrem Audi 100 Typ 43 CD 5E, dem Ford Granada 1700 von 1976 oder den sehenswerten S-Klassen der Baureihen W 116.

Kaum mehr als 8000 Kilometer

Keine der Luxuslimousinen präsentierte sich jedoch so einzigartig wie der BMW 733i von 1977. Die schwarze Schönheit mit ihrem seidenweichen Reihensechszylinder war bei BMW lange Zeit ein internes Schulungsmobil für Servicearbeiten am E23. So hat der 197 PS starke Beau trotz seiner 35 Jahre kaum mehr als 8000 Kilometer auf der Uhr. Der grüne Flockvelours im Innern strahlt ebenso im Bestzustand wie der Rest des Fahrzeugs.

Doch keine Oldtimerrallye ohne Mercedes 300 SL Flügeltürer und Porsche 356, die legendären Klassiker der 50er-Jahre. Deutlich seltener bekommt man da schon ein Luxuscoupé wie den Alfa Romeo Montreal von Bernhard Koziara aus dem Jahre 1973 oder ein BMW 507 Roadster von 1958 zu sehen, vom dem gerade einmal 250 Fahrzeuge gebaut wurden.

Noch schöner offen fahren konnte man besonders an den ersten beiden Sonnentagen nur im Maserati 3500 GT Vignale Spyder. Der offene Norditaliener mit Baujahr 1961 war mit seinen 225 PS ein nahezu unbezahlbarer Traumwagen. Da kommen selbst offene Jaguar-E-Type, Mercedes 190 SL oder Austin Healey 3000er nicht mit. Wer es etwas günstiger, aber nicht weniger exklusiv mag, konnte sich für Modelle wie den 1981er Mitsubishi Sapporo, einen 1978er Opel Kadett Aero oder den Skoda 130 RS von 1977 erwärmen. Alles keine ausgemachten Designschönheiten, aber auf jeden Fall sehenswert.

Bei dem überwiegend schönen Bodenseewetter kamen die Cabriofahrer besonders auf ihre Kosten. Die Kleinarmee von offenen Porsche-911-Modellen sah sich mit Triumph TR6, BMW 1600 Cabriolet, Opel Rekord C Cabriolet, MG MGB oder den bekannt robusten Mercedes-SL-Versionen der verschiedenen Dekaden einer ganzen Armee von Konkurrenten gegenüber. Ebenfalls spektakulär und nahezu einzigartig: der Opel Moonlight Roadster von 1933 mit seinem 1,8 Liter großen Vierzylinder. "Ein tolles Auto. Gerade in dieser Zweifarblackierung", so Mitfavorit Hanns-Werner Wirth, "etwas mehr Leistung könnte er in den Bergen jedoch schon haben. Da sind 33 PS nicht viel."

Elektrofahrzeuge im Abseits

Wie wenig die Motorleistung bei einer derartigen Rallye ausmacht, war am Ende der Oldtimerrallye deutlicher denn je zu sehen. Denn Opel-Fahrer Hanns-Werner Wirth gewann die Erstauflage deutlich, obwohl es für einen vorher angemeldeten Beifahrerwechsel mächtig Strafpunkte gab. Auf Platz zwei landete das Duo Andreas und Babette Teichmann mit einem Jaguar E-Type 4.2 Serie I aus dem Jahr 1965. Auf dem dritten Platz konnte sich mit dem 1969er Datsun 240 Z ein Sportwagenexot mit der Fahrerbesatzung Axel Ernst und Johannes Bitte-Suermann platzieren.

Von der ebenfalls ausgefahrenen Elektrowertung war bei der Bodensee Klassik nicht viel zu sehen. Andere Start- und Zielpunkte sowie eine kürzere und weitgehend andere Streckenführung als die Oldtimer ließen die Elektrofahrzeuge im Abseits stehen. Als ob es die Elektromobile aktuell nicht schon schwer genug hätten.

  • Pressinform, 08.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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