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Merken   Drucken   12.05.2010, 14:00 Schriftgröße: AAA

Oldtimerrennen: Mille Miglia 2010

Die ersten Tage im Mai bedeuten für den nördlichen Teil Italiens jedes Jahr den Ausnahmezustand. Wenn die Mille Miglia durch Städte, Land- und Ortschaften dröhnt, wird das Gestern zum Heute.
Das Spalier wird immer enger und enger - genau wie bei der Tour de France. Fotoapparate blitzen, immer wieder und immer wieder, Zehntausende stehen vor der Engelsburg in Rom und applaudieren, als sich die Oldtimer den Weg zur Rampe bahnen.
Rom hat viele Sehenswürdigkeiten und noch mehr Feste. Doch wenn die Mille Miglia Anfang Mai Halbzeit bei der legendären Rundtour feiert, dann ist halb Rom auf den Beinen. Noch spektakulärer sind die Durchfahrten durchs nächtliche Cento, das turbulente Bologna oder die klassischen Stationen wie Buonconvento, Parma oder Viterbo. Die Zuschauer grölen und applaudieren, als wäre gerade der nächste Papst gekürt worden.
Galerie Mille Miglia 2010
Die Mille Miglia des Jahres 2010 bot wie gewohnt Höhen und Tiefen, am zweiten Renntag sogar vier Jahreszeiten: von 23 Grad im Schatten bis zu drei Meter hohem Schnee nur eine knappe Stunde nördlich von Rom. Liegen gebliebene Lagondas, brüllende Bugattis und ein grandios schönes BMW 328 Mille Miglia Coupé, das exakt 70 Jahre nach dem großen Mille-Triumph von Huschke von Hanstein an gleicher Stelle wieder siegreich war.
Bei der kleinen Reise um die Welt siegte einmal mehr Giuliano Cané. Der Ruhe und Beständigkeit der Mille-Miglia-Legende war einmal mehr durch nichts beizukommen. Der zurückhaltende Italiener gewann bei seinem 14. Auftritt zum 10. Mal. BMW machte den Erfolg komplett und stellte mit Enzo Ciravolo in einem BMW 328 von 1937 gleich noch Platz drei.
Die Polizei drückt beide Augen zu
Dabei ist der sportliche Wert der Rennveranstaltung nachrangig. Wurde die Strecke von mehr als 1600 Kilometern früher in Rekordzeiten von unter neun Stunden zurückgelegt, so ist die Mille seit der Neuauflage im Jahre 1977 das bekannteste Oldtimerrennen der Welt - ausgetragen an zweieinhalb Tagen.
Doch die Beanspruchung von Mensch und Maschine ist enorm. Denn: Es wird scharf gefahren. Die Polizei drückt während der Tage alle Augen zu, und so wird ebenso über die sanften Hügel der Toskana gedonnert wie durch die Außenbezirke von Rom oder den Passo della Futa hinauf. Motorradpolizisten sorgen für freie Fahrt und machen sogar die Gegenspur frei - animieren einen zum Beschleunigen und helfen beim Schneiden unvorsichtiger Verkehrsteilnehmer. So eine Veranstaltung wie die Mille Miglia kann es eben nur in einem Land geben - in Italien.
Das Teilnehmerfeld ist bunt: Promis, Rennfahrer, Väter mit ihren Söhnen, Frauenteams und Entwicklungschefs von Autoherstellern. Nach den zweieinhalb Tagen ist jeder, der es geschafft hat, überglücklich. Was stört einen da, dass einem nachts von Motorenlärm und Fahrtwind die Ohren dröhnen. Die Teilnehmer kommen aus Europa, Asien, den USA und sogar Australien - schließlich darf die Mille Miglia in kaum einem automobilen Traum fehlen. Schließlich gibt es eine Oldtimerrallye wie die Mille Miglia weltweit nur einmal. Die mehr als 1600 Kilometer quer durch Norditalien sind ein Großereignis, das mehr als nur die Automobilfans begeistert.
Der Titel der diesjährigen Veranstaltung - eine kleine Reise um die Welt - könnte passender kaum gewählt sein. Denn nachdem die schönsten Oldtimer der Welt zwei Wochen zuvor beim legendären Concorso d'Eleganza an der Villa d'Este am Comer See zu bestaunen waren, ist Italien einmal mehr das Zentrum der historischen Automobilwelt.
Jubeln, was das Zeug hält
In jedem Ort, in jeder Stadt das gleiche Bild: Hundertausende Fans am Straßenrand der Route brüllen und jubeln, was das Zeug hält. Schließlich gilt es leistungsstarke Viel-Zylinder aus den Anfängen der Automobilära zu übertönen. Wer glaubt, dass sich die Italiener allein für Alfa-Romeo, Maserati und Ferrari begeistern können, die den originalen Rennen bis 1957 den Stempel aufdrückten, irrt. Neben den schon wegen des 100. Firmengeburtstages wild umjubelten Alfa-Modellen ist die kleine Armee von BMW 328 ein Star-Ensemble im Feld.
Doch die Italiener lieben gerade auch die eigenen Marken. Wo sonst bekommt man Vorkriegsmodelle wie Lancia Lambda, Bugatti Typ 43, Alfa Romeo 6C oder einen Fiat 514 zu sehen? Im Renntempo vor der malerischen Umgebung erst wieder im nächsten Jahr - auf der Mille Miglia.
  • Pressinform, 12.05.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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