Im Mai wird in Monaco eines der berühmtesten Autos der Rennsportgeschichte versteigert. Der wegen seiner Form "Bügelfalte" genannte BMW 328 Mille Miglia könnte eine siebenstellige Eurosumme einbringen. Einem Vorbesitzer war er 1972 gerade einmal so viel wert wie ein Lada.
Der Wert eines klassischen Automobils wird nicht nur durch seine Seltenheit bestimmt, sondern auch durch seine Historie. Dass man mit einer interessanten Auto-Biografie selbst Schrott noch gut verkaufen kann, bewies vor kurzem ein Bugatti, der nach 70 Jahren aus seinem nassen Grab im Lago Maggiore gefischt und schließlich für mehr als 260.000 Euro versteigert wurde.
Der Wagen, der am 1. Mai in Monaco bei den "Sporting Classics of Monaco" vom Auktionshaus RM versteigert wird, ist allerdings das Gegenteil von Schrott: Er ist auf Hochglanz poliert und wirkt wie aus dem Ei gepellt, obwohl er fast 73 Jahre auf dem Buckel hat und sich im harten Einsatz auf vielen Rennstrecken bewähren musste.
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Bügelfalte unterm Hammer
Der stromlinienförmige BMW 328 mit der Fahrgestellnummer 85032 wurde im Mai 1937 für die BMW-Entwicklungsabteilung gebaut. Der Wagen nahm 1937 beim Rennen von Le Mans teil, am Steuer saß der britische Rennfahrer A.F.P Fane. 1938 errang derselbe Pilot mit dem Wagen bei der Mille Miglia den Sieg in der Zweiliterklasse. Weitere Siege folgten.
Leistungsspritze im Stammwerk
Im Herbst 1939 wurde der schicke Renner, der wegen seiner prägnanten und einmaligen Blechfalz in den Kotflügeln auch Bügelfalte genannt wird, von BMWs Rennabteilung in seine Einzelteile zerlegt und komplett neu aufgebaut. Dabei erhielt er auch eine Leistungsspritze auf 130 PS - bei gerade einmal 725 Kilogramm Gesamtgewicht. Als einer von mehreren Werkswagen ging er bei der Mille Miglia 1940 an den Start, wurde aber nur Sechster.
Die Bügelfalte ist nach den Recherchen von RM Auctions der einzige derartige Spezial-Roadster, der je in den Münchner BMW-Werken gebaut wurde. Wilhelm Kaiser schuf die unverwechselbare Form des Wagens. Heute würde man Kaiser einen Designer nennen, damals hatte die Abteilung von BMW den klangvollen Namen "Künstlerische Gestaltung".
Die stromlinienförmige Roadster-Form wurde zum Maßstab einer ganzen Generation von Sportwagen der Nachkriegsgeschichte. Von 464 gebauten Wagen erhielten 403 die serienmäßige Roadster-Karosserie, die restlichen Fahrgestelle bekamen Rennaufbauten und Karosserien nach Kundenwunsch. Auch der Jaguar XK, der erstmals 1948 präsentiert wurde, orientierte sich im Design am BMW 328. Wie kaum ein Jaguar zuvor oder danach trägt der XK die Züge einer Raubkatze: Die hinteren Kotflügel schieben sich zusammen wie sprungbereite Hinterbeine, die vorderen strecken sich weit nach vorn.
Teil der Reparationen an die UdSSR
Während die XK-Reihe in den Nachkriegsjahren für Jaguar zu einem extrem erfolgreichen Modell wurde, traf den Bügelfalten-BMW ein hartes Schicksal. Als Teil von Reparationszahlungen wurde er in die Sowjetunion verbracht und landete schließlich in den Händen von Artjom Iwanowitsch Mikojan, dem Chefkonstrukteur der berühmten MiG-Jagdflugzeuge. Sein Sohn fuhr das Auto als einer der letzten Besitzer und tauschte es 1972 gegen einen brandneuen Lada ein.
Der Bügelfalten-Roadster kommt als einer von 80 Klassikern am 1. Mai im Grimaldi-Forum unter den Hammer - am gleichen Wochenende, an dem der siebte Historische Grand Prix von Monaco stattfindet. Für ein historisch interessiertes und vor allem zahlungskräftiges Publikum dürfte bei der Auktion also gesorgt sein. Einen Schätzpreis gibt es noch nicht, der Erlös könnte jedoch in einem hohen sechsstelligen Bereich oder sogar darüber liegen.
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