Weil es nur wenig Fabelhafteres gibt, als die Kindheit unbelächelt in die Gegenwart zu transformieren, schleudere ich im Ferrari über eine Eispiste, neben mir ein erfahrener Rallyefahrer. Wir zwei und ein Meisterwerk der Technik gegen die Natur. Mein Schnellfahrlehrer ist Thomas Kemenater aus Südtirol, mehrfacher Weltmeister der Ferrari-Challenge- Rennserie. Zusammen mit sechs Kollegen, der Crème de la Crème aus Ferraris Instrukteursgarde, zeigt der frühere Ski-Champion auf einem 1200-Meter-Parcours in den Dolomiten einer Schar begeisterter Ferraristi, wie man Rennwagen fachgerecht übers Eis manövriert. "Die Idee ist schon ziemlich verrückt", sagt er über seinen temporären Job im Dienste der Roten.
Wer hier mitfahren will, muss einen Flitzer aus Maranello besitzen
Die Wahrscheinlichkeit, einmal im Leben in eine brenzlige Situation zu kommen, in der das Training weiterhilft, geht gegen null. Alles, was hier in über 1000 Metern Höhe zählt, ist das Glücksgefühl, etwas Zweckfreies rein um der Freude willen zu tun. Trotzdem liegen die Hürden für die Rutschpartie hoch. Wer am zweitägigen Lehrgang "Pilota Ferrari On Ice" teilnehmen will, muss einen Flitzer aus Maranello besitzen und einen Grundkurs an der Ferrari-Fahrschule in Fiorano, an der zuweilen auch Michael Schumacher doziert, abgeschlossen haben. Zudem muss er rund 10.000 Euro hinblättern und per Unterschrift das Risiko abnicken, dass er den Parcours unter Umständen als Toter wieder verlässt.
"Wir sind Spinner", sagt Dieter, Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens. Er und Martin stammen aus einer 20.000-Seelen-Ortschaft in Bayern, beide sind jenseits der 50 und haben die Zulassungshürden mühelos überwunden. In Dieters Fuhrpark stehen neben einigen anderen PS-Preziosen ein 430 Scuderia und ein F40 - die im Winter normalerweise nicht bewegt werden. Da kommt die Spritztour on Ice gerade recht. Am Ende wird er resümieren: "Das war eine sagenhafte Erfahrung."