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13.05.2010, 14:00
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60 Jahre Seat
Die spanische Marke machte mit Fiats Hilfe ein ganzes Land mobil. Heute ist Seat Volkswagens hübsche kleine Schwester - die sich außerhalb Europas nur selten blicken lässt.
Wir schreiben das Jahr 1950: Spanien fährt noch auf zwei Rädern oder reitet auf vier Hufen. Mopeds und Eselskarren prägten das Straßenbild, Autos sind die Ausnahme und meist in schlechtem Zustand. Der spanische Staat - an seiner Spitze Diktator Franco - will das ändern, holt mehrere Banken und den Autobauer
Fiat ins Boot.
Im Mai 1950 erblickt die "Sociedad Española de Automóviles de Turismo" das Licht der Welt, um das Land endlich auf vier Räder zu stellen. Der erste Seat, die Limousine 1400 A mit 44 PS, basiert wie auch die Seats der folgenden Jahrzehnte auf einem Fiat-Modell. Schritt für Schritt wird die Produktion hochgefahren, bleibt aber deutlich bescheidener als in den Nachbarländern. 1957 werden gerade einmal 10.000 Autos gebaut.
Viel wichtiger als der 1400 ist der Seat 600. Er wird Spaniens Käfer, lockt die Menschen in Scharen vom Moped ins Auto und hilft dabei, Spanien vom Agrarland zur Industrienation zu machen. Die Spanier nennen das Auto liebevoll "La pelotilla" (das Bällchen), der Hecktriebler entspricht weitgehend dem Fiat 600. Die erste Jahresproduktion des Autos ist im Nu ausverkauft, manche warten mehrere Jahre auf ihren eigenen Seat und geben dafür ihr letztes Hemd, denn mit 71.000 Peseten inklusive Luxussteuer ist die italo-spanische Knutschkugel reichlich teuer.
In den 60er-Jahren folgen Autos wie die große Limousine Seat 1500, doch der 600 bleibt der Verkaufsschlager und wird bis 1973 mehr als 800.000-mal gebaut. Der einmillionste Seat dagegen ist ein gelber 124, die glückliche Besitzerin Rosa Zumárraga gewinnt das Auto in einer Fernsehshow.
Anfang der 80er sinkt der MarktanteilAls sich die Franco-Ära in den 70er-Jahren dem Ende zuneigt, besitzt immerhin schon fast jeder zweite spanische Haushalt ein Auto, und die Hälfte davon trägt das Seat-Logo. Beim erfolgreichen Modell 127 gönnen sich die Spanier eigene Versionen mit vier und fünf Türen, die es so bei Fiat nicht gibt.
Mit dem Ende der Franco-Diktatur und der Öffnung der Märkte sieht sich Seat zunehmend ausländischer Konkurrenz gegenüber. 1978 klafft ein tiefes Loch in der Firmenbilanz. Anfang der 80er sinkt der heimische Marktanteil um 26 Prozent, es gibt Entlassungswellen. Die Zusammenarbeit mit Fiat wird immer schwieriger, es schwelt ein erbitterter Rechtsstreit über den Seat Ronda: Für die Italiener entspricht der Wagen zu sehr dem Fiat Ritmo. Heute ist diese Episode eher erheiternd, gelten doch weder Ronda noch Ritmo als Perlen der Automobilgeschichte - beim einen fraßen die Rostpartikel im Flamenco-Rhythmus, beim anderen im Takt italienischer Opern. Seat Zerwürfnis mit Fiat mündete aber in der Annäherung an Volkswagen.
Zu einem der wichtigsten Jahre der Seat-Geschichte wird 1984. Ein Seat ganz ohne Fiat-Gene, gezeichnet von Designlegende Giugiaro und von Porsche mitentwickelt, kommt auf den Markt und trägt den Namen der spanischen Partyinsel Ibiza. Nun geht es Schlag auf Schlag: Der Staatsbetrieb Seat wird privatisiert, Volkswagen übernimmt die Aktienmehrheit. 1986 beginnt der Export nach Deutschland, auch die Deutschen lieben den praktischen und günstigen Ibiza. Die Seat-Fabrik in Martorell öffnet 1993 als eine der modernsten Autofabriken Europas.
In den 80er- und 90er-Jahren entstehen die Modelle nun auf VW-Basis. Fast 2000 Seat Toledos dienen 1992 als Flottenfahrzeuge bei den Olympischen Spielen in Barcelona. Es folgen neue Ibiza-Modelle und der Van Alhambra, baugleich mit VW Sharan und Ford Galaxy.
In jüngster Zeit baute Seat vor allem sein dynamisches Image aus, gestützt durch zahlreiche Erfolge im Renn- und Rallyesport. Die Cupra- und FR-Versionen von Leon und Ibiza sind sozusagen die spanischen GTIs - genauso flott, aber günstiger und meist auch etwas leichter.
Teil 2: "Wir müssen erst einmal unsere Hausaufgaben machen"
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Pressinform, 13.05.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
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