FTD.de » Auto » Trends » Elwood Engel - weg vom Flossenmonster

Merken   Drucken   17.07.2011, 14:00 Schriftgröße: AAA

Trend: Elwood Engel - weg vom Flossenmonster

Vor 25 Jahren starb der Autodesigner Elwood Engel. Er schuf Ikonen wie den 61er Lincoln Continental oder das Chrysler Turbine Car - und Flossen mochte er gar nicht leiden.
Ende der 50er-Jahre trug man in Detroit den Chrom mit der sprichwörtlichen Kelle auf. Dicke Schlitten mit mächtigen Heckflossen und allerlei Raketenzierrat wurden zum Symbol einer automobilen Überflussgesellschaft. In den 60er-Jahren folgte der radikale Schnitt: Amerikas Straßenkreuzer wurden zwar nur selten kleiner, aber fast durchgehend nüchterner, gerader, kantiger.
Eines der schönsten Beispiele dafür bietet der 61er Lincoln Continental. Das Flaggschiff aus Fords Luxussparte ist bis heute eine Ikone des Automobilbaus und stammt aus der Feder des Designers Elwood Engel. Engel, der im Zweiten Weltkrieg als Kartograf bei der US-Armee eingesetzt war, lernte sein künstlerisches Handwerk an der Designschule von General Motors. Er gestaltete zu Beginn seiner Karriere aber keine Autos, sondern landwirtschaftliche Maschinen. Auch Haushaltsgeräte wie Wecker, Küchenutensilien oder sogar Frauenschuhe ersann Engel am Zeichenbrett.
Galerie Elwood Engel - weg vom Flossenmonster
Durch seine Freundschaft mit dem Industriedesigner George Walker schaffte Engel den Sprung in die Autoliga, als Walker einen Auftrag des Ford-Konzerns an Land zog und schließlich zum Vizepräsidenten für Design ernannt wurde. Engel entwickelte den 61er Lincoln Continental aus dem eckigen 58er Ford Thunderbird, den er ebenfalls entworfen hatte. Das Auto wurde so erfolgreich, dass der Ford-Konzern die Marke Lincoln nicht wie ursprünglich geplant nach 1960 einstellte.
Die ruhigen, eleganten Formen und die "Selbstmördertüren" waren die Markenzeichen des 5,4 Meter langen Luxus-Lincolns, der 1963 auch durch ein tragisches Ereignis weltbekannt wurde: US-Präsident John F. Kennedy wurde während seiner Wahlkampftour durch Dallas im offenen Wagen erschossen. Erst nach dem Attentat ließ man das Auto mit einer gepanzerten Haube nachrüsten, heute steht Kennedys Lincoln im Henry-Ford-Museum in Detroit.
Wechsel von Ford zu Chrysler
1961 wechselte Elwood Engel von Ford zu Chrysler und wurde dort Chefstylist. Engel ersetzte Virgil Exner, dessen extrovertierte Flossenmonster das Design des Autoriesen in der "Forward Look"-Ära jahrelang geprägt hatten. Der 57er Chrysler 300 C zum Beispiel ging auf Exners Konto. Elwood Engel musste in den 60ern nun den Gegenkurs umsetzen. Ab 1962 war die "Forward Look"-Ära beendet, Chrysler hatte eine klare, nüchterne Designsprache beschlossen. Unter Engels Ägide entstanden in den 60er-Jahren Schlachtschiffe wie der Plymouth Fury, kantige Kompaktwagen wie der Dodge Dart oder wuchtige Coupés wie der Dodge Polara 500.
Engel hatte auch das letzte Wort bei der Gestaltung der berühmten Musclecars Dodge Charger, Dodge Challenger und Plymouth Barracuda. "Get hot!", gab Engel seinen Leuten am Reißbrett mit auf den Weg. Das Ergebnis enttäuschte nicht: Gegen den Barracuda sahen Ford Mustang, Chevrolet Camaro oder Pontiac Firebird ziemlich alt aus. Mit ellenlanger Motorhaube und kurzem Heck flossen die Formen des Wagens harmonisch von Stoßstange zu Stoßstange, durch versenkte Türgriffe und Scheibenwischer vermieden die Designer jeden störenden Einfluss auf den aerodynamischen Gesamteindruck.
Elwood Engel war dafür bekannt, "alle Ecken eines Autos auszufüllen" - entsprechend imposant fielen die Autos des Chrysler-Konzerns in den späten 60er- und frühen 70er-Jahren aus. Auch wenn Engel nicht mehr selbst zum Zeichenstift griff, hatte er ein ausgezeichnetes Gespür dafür, welches Design beim Publikum ankam und welches nicht. Chryslers Verkaufserfolge sprachen für ihn. Engel war bis 1973 Chryslers Designchef und blieb dem Konzern noch ein Jahr als Berater erhalten. Er starb 1986.
Von Gasturbine angetrieben
Sein vielleicht interessantestes, wenn auch kommerziell nicht erfolgreiches Projekt war das Chrysler Turbine Car von 1963. Der Wagen wurde von einer Gasturbine angetrieben. Mit mehr als 45.000 Umdrehungen pro Minute und einem vibrationsarmen Lauf war dieser Antrieb im Land der bollernden V8-Maschinen extrem ungewöhnlich. Manche der 203 Testpersonen, die unter gewöhnlichen Autofahrern ausgelost wurden und das Turbine Car erproben durften, fühlten sich gar an einen Staubsauger erinnert. Trotz des weitgehend erfolgreichen Testverlaufs und vieler weiterer Forschungen baute Chrysler das Gasturbinenauto nie in Großserie.
Das Turbine Car wurde aber nicht nur wegen seiner einzigartigen Technik legendär, sondern ebenso wegen des zeitlos eleganten Designs. Der im Farbton "Turbine Bronze" lackierte Wagen mit schwarzem Hardtop erinnerte stark an die Ford Thunderbirds, die Elwood Engel bei Ford geschaffen hatte. Auch wenn es das Turbinen-Coupé nicht in die Serienproduktion schaffte, so lebten doch einige Gestaltungselemente in Dodge-Modellen der 60er-Jahre weiter.
  • Pressinform, 17.07.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Automarkt - News, Service und Tests
Automarkt - Die Automobilbranche im Überblick

Entdecken Sie alle wichtigen Daten, Bilder und Infografiken zur Entwicklung des Automarkts und erfahren Sie aktuelle News zu Ihrer Lieblings-Automarke! Hier erhalten Sie Infos und Service zu allen Automarken von Audi bis Volvo. mehr

Suchen Sie in unserer Auto-Datenbank Die Auto-Datenbank von FTD.de
 


  10:00 Elektrisch unterwegs Einparken mit dem Opel Ampera
Elektrisch unterwegs: Einparken mit dem Opel Ampera

Erst bei der Parkplatzsuche lernt man ein Auto richtig kennen. Wir stellen jede Woche einen neuen Wagen ab. Diesmal den Opel Ampera. mehr

Motorsport
  Sind Sie Facebook-fit?

Egal, ob man es mag oder nicht - das soziale Netzwerk ist ein Thema an der Börse. Zum Gang aufs Parkett können Sie Ihr Wissen über Facebook in diesem Quiz auffrischen.

Zunächst ein paar Eckdaten. Facebook geht voraussichtlich am Freitag an die Börse, kurz nach Mark Zuckerbergs Geburtstag am 14. Mai. Wie alt wurde er?

Börsengang: Sind Sie Facebook-fit?

Alle Tests

NEUVORSTELLUNGEN

mehr Neuvorstellungen

TRENDS

mehr Trends

SERVICETOOLS

mehr Servicetools

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote