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Merken   Drucken   30.10.2012, 14:00 Schriftgröße: AAA

Trend: Volkswagen Gol - das Polo-Golf-Zwitterwesen

Was den Europäern ihr VW Golf ist den Südamerikanern der VW Gol. In Brasilien ist der Gol seit über 25 Jahren die unangefochtene Nummer eins. Und das soll auch so bleiben.

Wenn in Europa eine neue Golf-Generation auf den Markt kommt, steht die Automobilwelt ein paar Wochen still. In der beliebten Kompaktklasse muss sich jeder am Golf messen - seit 1974. Die Gegner versuchen alles - und verzweifeln. Da macht die neue, mittlerweile siebte Golf-Generation keinen Unterschied zu den sechs Generationen davor.

Beim VW Gol sieht es kaum anders aus. 1980 erstmals vorgestellt, entwickelte sich das Einstiegsmodell von Volkswagen do Brasil zum Bestseller und übernahm 1987 Platz eins in der Verkaufsliste. Hier steht er seit 25 Jahren. "Und wir können sagen, dass der Gol auch im 26. Jahr in Folge das meistverkaufte Modell auf dem brasilianischen Markt sein wird", sagt Thomas Schmall, Präsident von Volkswagen do Brasil, "der Gol ist ein Stück Brasilien."

Galerie Volkswagen Gol - das Polo-Golf-Zwitterwesen

Technisch ist die neueste Gol-Generation eine Mischung aus verschiedenen in die Jahre gekommener Volkswagen-Plattformen. Der ausgelaufene VW Polo spendiert dem brasilianischen Gol große Teile seines Unterbaus. Dazu kommen Komponenten von verschiedenen Golf-, Fox- und Polo-Generationen.

Das Design des neuesten Gol präsentiert sich ähnlich unspektakulär wie vom hiesigen Golf. Der lateinamerikanische Kunde steht nicht auf extravagante Designeskapaden. Der VW Gol ist seit Jahren ein treuer Begleiter - das kommt an.

Der 3,90 Meter lange VW Gol ist technisch nicht mit dem europäischen Polo oder gar dem klassenhöheren Golf zu vergleichen. Den gibt es auch in Brasilien - allerdings nach wie vor nur in der betagten Modellvariante des Golf IV. Ein wirklich billiges Vergnügen ist der VW Gol in seinem Heimatland jedoch nicht. Das liegt weniger an überzogenen Preisen der in Brasilien seit 1953 beheimateten VW do Brasil, sondern an üppigen Steuern, die den Einstiegspreis des Basis-Gol auf umgerechnet rund 11.000 Euro ansteigen lassen.

Dafür gibt es solide Technik, eine mäßige Ausstattung und wenig Komfort. Die grauen Kunststoff-Oberflächen sind nach europäischen Maßstäben rustikal und lieblos, die Schalter rar gesät und die Sicherheitsausstattung mehr als dünn. Doch für Sicherheits- und Assistenzsysteme interessiert sich in Brasilien kaum jemand. Auf dem neusten Stand sind das Lenkrad und das Radiosystem. Die würden sich auch in einem deutschen Polo gut machen.

Es reicht, um die brasilianische Polizei zu ärgern

Auch bei den Motoren bleiben moderne Turbo-Direkteinspritzer außen vor. Der Kunde hat die Wahl zwischen Drei- und Fünftürer sowie zwischen 1 und 1,6 Litern Hubraum. Das 72 PS starke Einsteigermodell ist für das tägliche Fortkommen im Land des Zuckerrohrs ausreichend. Ein Wunder an Drehfreude ist der leistungsstärkere Gol 1.6 Power mit seinen 101 PS jedoch nicht. Für 14.000 Euro gibt es bei ihm immerhin Alufelgen, Bordcomputer, elektrische Fensterheber und Funkfernbedienung. Die sinnvolle Klimaanlage kostet rund 1000 Euro extra.

Die Fahrleistungen sind ordentlich. Den Spurt von 0 auf Tempo 100 schafft der Fronttriebler in rund zehn Sekunden und 188 Stundenkilometer Spitze sind deutlich mehr, als es sich die brasilianische Polizei auf den Autobahnen gefallen lässt. Das maximale Drehmoment von 154 Nm bei 2500 U/min reicht aus, um den eine Tonne schweren Brasilianer flott zu bewegen.

Der Gol ist ein Bestseller

Wirklich sparsam kann man mit ihm jedoch nicht unterwegs sein. So laufen selbst bei normaler Gangart mehr als acht Liter Kraftstoff durch die Einspritzdüsen. Getankt werden kann ein beliebiges Mischungsverhältnis von Ethanol und Benzin.

Der VW Gol 1.6 ist zumindest nach europäischen Maßstäben ein echtes Billigmodell vom Schlage eines Dacia Sandero. Auch wenn der Preis durch die üppigen Steuern a der 40.000-Real-Marke kratzt, lassen Materialien und Geräuschdämmung Wünsche offen. Bei längeren Autobahnfahrten nervt der fehlende sechste Gang, der das Geräuschniveau absenken würde.

In Brasilien interessiert das zumindest in dieser Kleinwagenklasse niemanden. Rund 70 Prozent der Brasilianer suchen ihren Traumwagen in der Liga von Gol, Sandero, Corsa und Clio. Kein Wunder, dass von VW Gol seit 1980 mehr als sieben Millionen Fahrzeuge gebaut wurden. Das bedeutet Platz fünf in der Volkswagen-Konzernhitliste. Wer den Gol als Stufenheckversion mit Kofferraum will - kein Problem. Der ungleiche Bruder heißt Voyage. Der Erfolg von VW Gol und Voyage dürfte noch einige Zeit anhalten. So fährt sich der Gol weiter nach vorn - die Zehn-Millionen-Grenze fest im Blick.

  • Pressinform, 30.10.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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