"Wir haben zahlreiche verschollene Fahrzeuge gefunden und wieder hergerichtet. 100 funktionsfähige Fahrzeuge vom T1 bis zum T4 stehen bereits in unseren Werkshallen", sagt Harald Schomburg, Mitglied des Markenvorstandes von Volkswagen Nutzfahrzeuge und gleichzeitig Herr der Bullis. Er selbst fährt einen T3 Camper, obwohl sein persönlicher Bulli-Liebling der T1 mit Doppelkabine in Creméweiß ist.
Wird der VW Bus in vielen Ländern noch immer als das genutzt, für das er ursprünglich konzipiert wurde, nämlich als Nutzfahrzeug, genießt er gleichzeitig einen Kultstatus, der seines Gleichen sucht. "Der Samba knackt mittlerweile die 100.000 Euro-Grenze", sagt Schomburg.
Damit die vielen Bulli-Fahrer und Besitzer ihr automobiles Familienmitglied einer Schönheitskur unterziehen lassen können, wurde 2007 die Abteilung Volkswagen Nutzfahrzeug Oldtimer ins Leben gerufen. Auf rund 7000 Quadratmetern stehen nicht nur die konzerneigenen, gefundenen, aufgekauften und restaurierten Bullis, sondern auch ein Maschinenpark, der von der Blechbiegebank über Dreh- und Fräsmaschinen bis hin zur eigenen Lackiererei alles umfasst, was den Bulli von jedermann wieder auf Vordermann bringen kann. 13 Mitarbeiter beschäftigen sich mit einfachen Inspektionen bis hin zu Vollrestaurierungen der Fahrzeuge.
Dabei kann eine Restaurierung auch schon mal richtig was kosten. "Der Stundenlohn beträgt bei uns branchenübliche 80 Euro. Eine Vollrestaurierung kann bis zu einem Jahr dauern", sagt der Herr der Bullis. Ein Jahr hat 365 Tage. Das entspricht 8.760 Stunden. Demnach dürfte der Besitzer am Ende 700.800 Euro nach Hannover überweisen? Nein, so wird das natürlich nicht gerechnet. "Doch sollte der Kunde beispielsweise einen völlig unrestaurierten Bulli hier abgeben, der komplett neu aufgebaut werden soll, dann kann das um die 100.000 Euro kosten", sagt Schomburg.
Die Restaurierung eines Bullis läuft in fünf Schritten beziehungsweise in fünf Stationen ab. Den Anfang machen der Fahrzeugcheck und die Bewertung. Hier wird dann auch mit dem Kunden festgelegt, in welchem Umfang sich um seinen VW Bus gekümmert werden soll. Gleichzeitig werden die Schäden und der Zustand des blechernen Patienten festgehalten. "Zu 98 Prozent ist der Batteriekasten hinten rechts bei den Modellen T1 und T2 durchgerostet", sagt ein Mitarbeiter von Station 1.
In der zweiten Station wird der Bulli demontiert. Das Fahrzeug wird dabei in verschiedene Baugruppen wie dem Antriebsstrang oder dem Interieur zerlegt. Der dritte Teil besteht aus der Überarbeitung des Motors. Hier kann es schon mal vorkommen, dass ein Motor komplett aus neuen Teilen zusammengebaut wird. Es handelt sich stets um Originalteile, die entweder vom Partner Volkswagen Classic Parts stammen, aus der ganzen Welt eingeflogen oder sogar einzeln angefertigt werden.
Die vierte Station ist laut Harald Schomburg die wichtigste von allen. Hier werden Karosseriearbeiten und die Lackierung vorgenommen. Es wird geschweißt, geschnitten und geschliffen sowie die Außenhaut in den gewünschten Originalfarben lackiert. Wie bei der Motorüberarbeitung beschränken sich die Arbeiten auf das Wiederherstellen des Originalzustand: Soll heißen, dass weder ein V8-Motor noch spezielle Muster, welche nichts mit dem Urzustand gemeinsam haben auf dem Wunschzettel stehen sollte.
Den Abschluss der zertifizierten Restaurierung bildet die Übergabe des Fahrzeugs. Neben dem Bulli selbst bekommt der Besitzer noch eine Mappe, in denen jeder Arbeitsschritt fotografisch dokumentiert und detailliert beschrieben für die Ewigkeit festgehalten wurde.
Ebenfalls für die Ewigkeit, jedoch nicht auf Papier, sondern auf Celluloid gebannt wurde nun die Geschichte rund um den VW Bus. Passend zum 65-jährigen Bestehen des Busses entstand von US-Regisseur Damon Ristau die Kino-Dokumentation "The Bus". Der etwas über 60 Minuten lange Film zeigt Hintergründe zur Entstehung, spezielle Momente und Freunde des fahrenden Kultobjektes.