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Merken   Drucken   17.10.2009, 14:00 Schriftgröße: AAA

Trends: 1. Eifel Classic

Der Nürburgring, traditionsreichste Wiege des deutschen Motorsports, feiert mehr als 80 Jahre nach der Eröffnung seine erste Oldtimer-Rallye. Mit der Eifel Classic soll eine neue Institution erschaffen werden.
Kaum zu glauben, dass die motorsportverrückteste Region Deutschlands bisher ohne eine eigene Oldtimer-Rundfahrt auskommen musste. Die europäischen Topveranstaltungen wie Sachsen-Classic, Histo-Monte, Mille Miglia oder Ennstal Classic können auf eine ebenso lange wie ereignisreiche Historie zurückblicken. Bei der ersten Auflage der Eifel Classic erscheint alles etwas anders.
Doch für Hanns-Werner Wirth ist es ein Wochenende wie fast jedes andere. Im Cockpit einer Oldtimer-Rallye ist der Hobbyrennfahrer aus Fürth zigmal im Jahr unterwegs. Am Steuer schmucker Oldtimer kämpft er Inhaber anderer sehenswerter Preziosen nieder; diesen Herbst erstmals in der Eifel. "„Ich fahre seit zwölf Jahren Oldtimer-Rallyes"“, so der Rennsportfan aus Franken, „"zumeist in Vorkriegsautos. Das macht mir einen Riesenspaß.“"
In der Eifel ist Wirth diesmal mit einem der jüngsten Modelle im Feld unterwegs. Doch mit seinem bunt beklebten Rallye-Manta von 1983 verbreitet er im 150-köpfigen Fahrerfeld der Eifel Classic einmal mehr Angst und Schrecken. Am ersten Abend, nach Wertungsprüfungen rund um und auf dem Nürburgring, liegt Hanns-Werner Wirth bereits auf Platz zwei. Er ist nicht unzufrieden. Sein Rückstand: gerade einmal eine Zehntel Sekunde.
Bilderserie 1. Eifel Classic
Das Teilnehmerfeld der Eifel Classic kann sich sehen lassen. Walter Röhrl und Christian Geistdörfer führen es mit der Startnummer eins in ihrem angestammten Audi Sport Quattro Rallye von 1984 stilecht an. Ehemalige Rallyeboliden wie Lancia Fulvia, Opel Manta, Opel Ascona 400 und Lancia Stratos folgen lautstark im Halbminutenabstand. Kaum geringer ist die Aufmerksamkeit bei Vorkriegsmodellen wie Ford Model A, Bentley 4 oder Lagonda Le Mans.
Bei den nicht allzu zahlreichen Eifel-Zuschauern stehen jedoch Fahrzeuge wie der schwarze Ford Sierra Cosworth, die vielen Mercedes 300 SL Flügeltürer oder der unvergleichlich charmante Opel Kapitän von 1956 in der Gunst ganz vorn. So präsent sich Hersteller wie Opel, Porsche, Ford oder Audi im Feld zeigen, so groß sind die Lücken bei Traditionsfirmen wie Mercedes, BMW oder Jaguar.
Drei Tage, 611 Kilometer, 15 Wertungsprüfungen
Die neu erschaffene Eifel Classic soll sich in den nächsten Jahren einen festen Platz im europäischen Oldtimerkalender erarbeiten. Der Termin Anfang Herbst ist dabei günstig; zumindest wenn das Wetter wie bei der ersten Auflage ein Einsehen mit dem Veranstalter hat. Drei fast durchgehend trockene Tage mit viel Sonne ließen die kurvenreiche Tour zwischen Nürburg, Bitburg, Wittlich und Luxemburg zu einem ungewöhnlich stimmungsvollen Herbstrennen werden. Mehr als 600 Kilometer an drei Tagen. Es gibt kürzere, doch auch schwerere Rennen für die automobilen Stars vergangener Tage. Um wirklich auf einem der vorderen Plätze zu landen, reicht Glück allein längst nicht aus. Im Gegenteil. Die meisten Piloten im Vorderfeld trainieren mehrmals in der Woche, um die einzelnen Wertungsprüfungen mit maximaler Genauigkeit abfahren zu können.
Wie klein die Abweichungen bei echten Profis sind, ist kaum zu glauben. Ein Fahrerdoppel wie die neunmaligen Mille-Miglia-Sieger Giuliano Cané nebst Beifahrerin Lucia Galliani leisten sich bei einzelnen Wertungen kaum mehr Abweichungen als ein paar Hundertstel von der Sollzeit. Sind es drei oder vier Hundertstel, wird im Cockpit von Cané/Galliani schon mal gegrummelt. Nicht selten fährt ein Profi wie Giuliano Cané dabei mit mehr als 40 Stundenkilometern durchs Ziel. Hanns-Werner Wirth hingegen hält nicht viel von Training. „"Die lokalen Gegebenheiten der Strecke sind jedes Mal völlig anders"“, erzählt er, „"ich fahre pro Jahr rund 25 Oldtimer-Rallyes. Dabei sind viele, wo man an einem Wochenende über 100 Lichtschranken passiert. Das schult genug.“"
Das Cockpit seines Opel Manta 400 mit der Startnummer 4 sieht dabei kaum anders als bei einem Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft aus. Klebestreifen an der Seitenscheibe zeigen dem Halbprofi, wo es zentimetergenau über die Messpunkte geht. Nach drei Tagen Eifel Classic, 611 Kilometern und 15 Wertungsprüfungen setzt sich der Hobbyrennfahrer zusammen mit seinem Partner Wolfgang Scholz in dem Rallye-Manta von 1983 souverän durch.
Vielen Teilnehmern geht es nur um Spaß, nicht um Zentimeter
Der Großteil der Fahrer bei der ersten Eifel Classic lässt es dagegen etwas lockerer angehen, versucht überflüssige Strafpunkte zu vermeiden und freut sich über das ungewöhnlich sonnige Eifelwetter im Oktober. Zwischen vielen Kontrahenten geht es weniger um Zentimeter und Sekunden als um den Oldtimerevent an sich.
Alexander Velec ist mit seinem Mercedes 450 SEL von 1972 ebenfalls allein aus Spaß am Start. Der weiße Luxus-Benz sieht aus wie frisch aus dem Laden. "„Der Wagen gehörte meiner Oma und ist aus erster Hand. Ich hole ihn nur bei schönem Wetter raus", sagt er. “ Viele Teilnehmer hoffen nach der ersten Eifel Classic auf eine mindestens ebenso sonnige Wiederholung im nächsten Jahr. Der Weg zur Traditionsveranstaltung ist eben besonders lang. Hanns-Werner Wirth wird wiederkommen -– und nur schwer zu schlagen sein.
  • Pressinform, 17.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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