"Wegen Ihnen habe ich damals meinen ersten Neunelfer gekauft", tönt es Rennfahrerlegende Vic Elford immer wieder entgegen, wenn er über das Gelände des Schloss Hedingham in der Nähe von London flaniert. "Ich muss irgendwann mal bei Porsche nachfragen, wann ich denn meine Vermittlungsprovisionen für die zahlreichen Kunden erhalten werde", scherzt der sympathische Brite. Bei der jährlich stattfindenden Veranstaltung mit dem passenden Namen Classics at the Castle verliert auch er sich gerne in den guten alten Zeiten und versüßt so manchem ihm treu gebliebenen Fan mit einem Autogramm den ohnehin geschichtsträchtigen Tag.
Passend zum 40. Geburtstag des Carrera RS haben sich über 30 originale RS samt ihren Fahrern zu einer einmaligen Parade zusammengeschlossen. Unter ihnen ist auch Jay Kay, Frontmann der Gruppe Jamiroquai: "Ich liebe Auto-Klassiker und sammle sie. Am liebsten wäre ich auf solchen Veranstaltungen völlig inkognito unterwegs, doch es klappt leider nicht immer. Ich habe schon überlegt, mir eine große Brille mit einer aufgeklebten Nase und einen künstlichen Schnurrbart zuzulegen. Die Veranstaltung hier ist aber auf alle Fälle ein echter Höhepunkt in meinem Kalender."
Dass es sich ein echter Schlossherr nicht nehmen lässt, auf seinem Gelände ebenfalls mit einem seiner fahrenden Schätze das Feld zu komplettieren, ist klar. Dass es sich bei dem von ihm gewählten Gefährt um einen alten, mit Tigerfellimitaten ausgelegten und zum Pace-Car umfunktionierten Fiat 500 handelt, heitert die ohnehin gute Stimmung der 1000 Besucher noch weiter auf. "Wir Briten sind doch weltweit für unseren ausgefallenen Geschmack bekannt. Das muss man fördern", witzelt Schlossbesitzer Jason Lindsay.
Und auch der Brite John Hernes freut sich über die staunenden Gesichter, als er das edle Grün mit seinem Porsche Traktor befährt. "Ich habe zwei Stunden bis hier hin gebraucht, und ich sage Ihnen, ich habe jede Minute davon genossen."
Ebenfalls einen ausgeprägten Sinn für Humor schien das Rennteam Anders Josephson während einer Rallye in Russland im Jahr 1968 gehabt zu haben. Denn um die Steine schmeißenden russischen Fans zu beruhigen, beklebten sie kurzerhand ihren 911 S mit einem Blumenmuster. Es heißt, die zuvor auf dem Wagen klebende Werbung hätte die Russen stark verärgert.
Das Originalfahrzeug wurde vom R-to-RS-Team pünktlich für die Veranstaltung restauriert. Ebenfalls auf Hochglanz und zudem aus Deutschland hat es ein Porsche 718 Formula 2 von 1960 ins sonnige England geschafft. Mitgebracht hat ihn Alexander Klein, Leiter des Fahrzeugmanagements des Porsche Museums in Zuffenhausen. Er ist bereits zum vierten Mal vor Ort und freut sich über die mehr als 300 Porsche-Klassiker: "Das Porsche Museum möchte mit seiner Unterstützung helfen, die Menschen am Thema Klassik, insbesondere Porsche Klassik zu begeistern."
Eine Besonderheit der Veranstaltung sind nicht nur die zahlreichen Autos an sich, sondern die Art und Weise, wie sie präsentiert werden beziehungsweise wie sie hierhin gekommen sind - die meisten Besitzer fahren einfach mit ihrem Ausstellungsstück zur Veranstaltung. Peter Floyd besitzt seit 1980 seinen Carrera RS und hat mittlerweile über 250.000 Kilometer mit ihm zurückgelegt. "Er hat noch denselben Motor, dasselbe Getriebe und ich bin rundum zufrieden mit meinem automobilen Schatz!" Kenneth Svensson hat es gar aus dem 1500 Kilometer entfernten Schweden nach England geschafft.