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Merken   Drucken   19.12.2009, 14:00 Schriftgröße: AAA

Trends: Die Automesse der Superlative

Die Dubai Motor Show ist wie ein luxuriöser Spielzeugladen für Autofreunde. Ob vergoldete Geländewagen oder 1000-PS-Supersportler - am Golf ist alles erlaubt, wofür man im Rest der Welt inzwischen ein schlechtes Gewissen hat.
Wer zum ersten Mal die Skyline von Dubai sieht und den Hals zum 818 Meter hohen Turm Burj Dubai empor reckt, der kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Unten in den Straßen setzt sich die Gigantomanie fort - Rolls-Royce, Bentley, Aston Martin oder Hummer gibt es wie Sand in der Wüste gleich nebenan.
Dubai mag von der Wirtschaftskrise gebeutelt sein - doch so schnell gehen den Luxusmarken die millionenschweren Käufer nicht aus. Das merkt man auch auf der Dubai Motor Show. 100.000 Besucher werden auf der Automesse des Mittleren Ostens bis zum 20. Dezember erwartet. Und viele sind nicht nur zum Staunen da, sondern kaufen die Objekte ihrer Begierde gleich vom Stand weg.
Galerie Die Automesse der Superlative
Hamed Al Kaabi von Alanqa Motors zum Beispiel hat keine Sorge, dass er auf seinen exklusiven Geländewagen sitzen bleibt. Der erste Autohersteller Abu Dhabis baut in Kleinserie Offroad-Fahrzeuge in Militär-Optik.
Pläne der arabischen Automanufaktur 50 Stück sollen im kommenden Jahr in Handarbeit entstehen und für Preise ab 130.000 $ verkauft werden. "Unsere Kunden nehmen damit auch an Rallyes teil oder nutzen sie als Jagdwagen", sagt Al Kaabi. Er hofft, das Militär ebenfalls für seine kernigen Offroader gewinnen zu können.
Aber auch aus vorhandenen Autos macht man in Dubai gern mehr, und Tuner aus der westlichen Welt mischen ganz vorne mit. FAB Design hat den Panamera mit 700 PS aufgepumpt, bei Brabus ist der E V12 mit 800 PS der Star. 370 Stundenkilometer erreicht der Über-Benz - schnell, aber nicht schnell genug für den Ultimate Aero TT von Shelby Supercars, mit Tempo 412 laut Guinness-Buch der Rekorde das weltweit schnellste Auto mit Straßenzulassung. Exoten wie der Mirage GT des deutschen Tuners Gemballa in Kampfjet-Optik samt kleiner Raketen als Auspuffrohre vervollständigen das Bild.
Gewöhnliche Neuheiten wie die schicke Limousine Kia Cadenza oder Renaults Fluence verblassen neben den Supercars. Da spielt freilich auch das Thema alternative Antriebe eine Nebenrolle.
Zwar betreibt BMW in Dubai viel Aufwand, um seinen X6 Active Hybrid in Szene zu setzen. Mercedes hat den S 400 Hybrid im Gepäck. Doch das Interesse ist mäßig. "In den Emiraten kann sich ja nicht einmal der Dieselmotor durchsetzen", sagt Stathis I. Stathis, BMW-Importeur in Dubai. Zwar wurde schon am ersten Messetag ein X6 Hybrid verkauft, doch noch dürfte es vor allem der Reiz des Neuen und nicht ökologisches Umdenken sein, das manche Scheichs für grüne Technik einnimmt.
Denn die oberste Priorität im Getümmel der Luxusautos auf Dubais Prachtstraßen lautet: Auffallen um jeden Preis. "Die Kunden im Mittleren Osten möchten gern etwas Stylisches und vor allem in jedem Jahr etwas Neues", sagt Badawi Kodeissy von Prestige Cars. Mit einem 700 PS starken und mit schimmerndem Glitterlack versehenen Porsche Cayenne namens "Magnum" lässt sich auch auf den Boulevards von Jumeirah Beach gut posen. Es gibt daher keinen Zweifel, dass ein BMW X6 in grün mit Karbon-Akzenten ebenso einen Käufer finden wird wie der Rolls in goldbrauner Zweifarblackierung.
Trendfarbe Gold - Echtgold versteht sich Überhaupt scheint Gold die Trendfarbe im Luxusmarkt des Nahen Ostens zu sein. Der Lexus-Importeur Al-Futtaim Motors lässt live auf der Messe einen Geländewagen mit 40.000 Blättchen aus hauchdünnem Gold belegen, insgesamt sind dafür nur 200 Gramm nötig. Ein französischer Goldhändler ließ dafür extra seine Mitarbeiterinnen einfliegen. Ebenfalls gold - wenn auch nur lackiert - ist der SLS, den sich AMG für die Dubai-Premiere seines Flügeltür-Sportwagens hat anfertigen lassen.
Selbst für den automobilbegeisterten Nachwuchs gibt es Autos, neben denen jedes Bobbycar alt aussieht: Eine Firma aus den Emiraten bietet Kinderautos im Stil eines Hummer oder Land Rover an, komplett mit Schalensitzen und Dreipunktgurten. "Die Fahrzeuge erreichen rund 70 Stundenkilometer", betont ein Firmensprecher. Und der Antrieb? "Natürlich mit Verbrennungsmotor. Womit denn sonst?" wundert sich der Mann über die Frage.
Doch während die Welt der teuren Superautos scheinbar unbeirrt durch die Krise steuert, hocken schon die Asiaten in Lauerstellung. Der Hersteller Luxgen aus Taiwan will mit einem an den Mazda5 erinnernden Familienvan samt Schiebetüren den Markt am Golf erobern und hat dabei vor allem die Millionen von Gastarbeitern im Blick, deren Budget etwas knapper geschnitten ist als das der Scheichs. Mit Spurwechselassistent, Rückfahrkamera und kleinen Turbomotoren wirkt der Luxgen 7 MPV sehr europäisch. Und auch ein Prototyp mit Elektroantrieb dreht sich in Dubai bereits auf dem Präsentierteller.
  • Pressinform, 19.12.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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