Die Szenerie erinnert an einen chinesischen Parteitag. Auf einer großen Bühne umrahmt von monströsen Bildschirmen steht noch Ford-Chef Alan Mulally und schwärmt von seiner großartigen Marke. Das Selbstbewusstsein ist begründet: Ford hatte es als erster US-Autobauer geschafft, dem nordamerikanischen Pleitegeier zu entkommen. Als Konzernretter Mullaly eine Klatschbewegung andeutet, applaudieren die 2500 anwesenden Ford-Händler pflichtschuldig. Dass sich ein Monitor je nach Stärke des Beifalls farblich verändert, komplettiert die Big-Brother-Szenerie nur noch.
Während der Inszenierung vermeldet der drahtige Geschäftsmann durchaus Interessantes: Bis 2015 wird Ford 15 neue Autos nach Europa bringen. So soll es den Ford Mustang - schlechte Nachrichten für alle Grauimporteure -, den Luxus-SUV Ford Edge und den 4,24 Meter langen Ecosport ab 2014 unter anderem auch in Deutschland geben. Die Produktoffensive bei den SUVs ist wohlüberlegt: Schließlich erwartet Ford in den nächsten fünf Jahren ein Wachstum von 34 Prozent.
Der robuste Mini-SUV Ecosport ist vor allem in Brasilien erfolgreich und wurde dort seit 2003 über 700.000 Mal verkauft. Auch in Indien und China wird er gerne gekauft. Dort wird der Brachial-Kraxler neben Brasilien auch produziert. Besonderes Markenzeichen ist das Ersatzrad an der Hecktür "Bei den schlechten Straßen in Südamerika ist das ein Muss", sagt Nick Collins, Produktdirektor für das globale B-Segment bei Ford-Europa mit einem viel sagenden Grinsen.
Bei aller gewollten Robustheit hat der kleine Geländewagen nicht mehr viel mit seinen Vorgängern gemein. Das Design mit dem extrem markanten Trapezgrill und den schmalen Scheinwerfern spiegelt die neue Ford-Formensprache wieder. Wobei der Ecosport ein wenig überzeichnet wirkt und mehr an eine Studie erinnert.
Das Interieur mit der spacig anmutenden Mittelkonsole stammt größtenteils vom Kuga. Bei den Motoren greift man ebenfalls beherzt im Konzernregal zu. Der Ein-Liter-Dreizylinder-Ecoboost-Benziner wird seinen Dienst verrichten, ebenso wie ein neuer Diesel mit 1,5-Litern Hubraum. Als Antriebsvarianten sind Front und Allrad geplant. ESP, ein Berganfahrassistent und eine Basisvariante des neuen Infotainment-Bediensystem sind serienmäßig.
Der absichtlich robuste gehaltene Ecosport basiert auf der gleichen Architektur wie der Fiesta. Letzterer wird noch in diesem Jahr überarbeitet und vor allem optisch aufgefrischt. Die Details überraschen keinen mehr: scharfe Linien und ein auffälliger Kühlergrill. Die Ausstattungsvarianten bleiben gleich, allerdings soll die Qualität deutlich verbessert worden sein. Auf den ersten Blick macht das Interieur einen guten Eindruck, wenn auch die Schalter- und Knöpfeflut nach wie vor etwas verwirrt.
Dass der Eco-Boost-Motor an Bord ist, ist ohnehin klar. Außerdem ist eine Start-Stopp-Automatik optional erhältlich. Nur bei der Spritsparvariante Econetic ist das System serienmäßig zu haben. Auch ein Notbremsassistent ist beim Polo-Konkurrenten erhältlich. Wem das alles zu gewöhnlich ist, darf sich mit dem Fiesta ST austoben. Das Top-Modell hat 180 PS. Wem das nicht reicht muss auf den Mustang warten.