Waren das noch Zeiten, als einen die chromumrandeten Runduhren eines Lamborghini 350 GT oder einer 67er Corvette mindestens genauso in ihren Bann zogen, wie Fotos von Marylin Monroe oder Gina Lollobrigida. Und selbst die schnörkellosen Anzeigemodule einer alten Mercedes S-Klasse hatten nicht nur zu ihrer Zeit etwas Einzigartiges. Doch alles ändert sich. Die Anzeigen für Tempo, Drehzahl, Öldruck, Spannung, Kraftstoff oder Ladedruck springen derzeit ins nächste Jahrtausend - digital.
Einst galt die feste Regel: je mehr Runduhren, desto sportlicher ist das Auto. Früher verzückten Opel GT, Toyota Celica oder Ford Mustang mit einer Batterie von Analoguhren. Auch Fahrer eines VW Käfer oder Ford Taunus hätten sich einen Drehzahlmesser gewünscht. Doch die visuellen Le-Mans-Gefühle gab es allenfalls für Sportwagen und die Sportmodelle mit dem S oder RS im Signet.
Bis heute thronen hinter dem griffigen Dreispeichen-Lenkrad eines Porsche 911 fünf mächtige Runduhren, die den sportlich engagierten Piloten über alles Wissenswerte informieren, was im Motor gerade vor sich geht. Zentral in der Mitte liegt der Drehzahlmesser. In Zuffenhausen gehen die Uhren eben anders. Doch aus der Runduhr ganz rechts wurde beim aktuellen 911er wie bei Cayenne und Panamera ein Multifunktionsdisplay für Bordcomputer, Navigation und Soundsystem.
Das Ende der Analoguhren war bereits in den 80ern erwartet worden. Die Idee zahlreicher Autostudien, die Anzeigen über den Betriebszustand des Fahrzeugs ebenso platzsparend wie futuristisch auf digitale Art und Weise ins Cockpit zu bringen, brachte Stilblüten wie den Opel Kadett GSI oder den Audi Quattro in den Handel. Und selbst beim VW Golf II GTI gab es gegen Aufpreis ein paar Jahre lange digitale Instrumente - als Antwort auf den GSI.
Doch ein Trend wurde daraus nicht. Zwar setzten sich kleine digitale Bordcomputer mit Zusatzanzeigen für Reichweite, Motortemperatur oder Durchschnittsverbrauch durch, doch die Hauptinformationen wie Drehzahl, Geschwindigkeit oder Tankvolumen blieben analog.
Bis jetzt - denn in den letzten Monaten scheinen alle Dämme gebrochen. Was mit dem ausgelaufenen Range Rover oder der aktuellen Generation Jaguar XJ eher wenig imposant begann, führen Modelle wie der neue 7er von BMW oder der Volvo V40 die Technik visuell beeindruckend fort. Vorbei die Zeiten, in denen die elektronischen Zeiger des TFT-Displays nicht gleichmäßig über die Displays glitten, wie man es von den alten Runduhren kannte.
Kaum ein Automobilzulieferer, der sich nicht mit dem Thema HMI - Human Machine Interface - beschäftigt. So können die Anzeigen auf Knopfdruck komplett frei gestaltet werden. "Neue Display- und Anzeigetechniken erlauben die Entwicklung von Instrumenten ohne mechanische Zeiger", sagt Michael Bolle, Bereichsvorstand bei Bosch Car Multimedia, "sie bieten somit vielfältige Anzeigemöglichkeiten zur Darstellung fahrrelevanter Informationen."
Hier das Tacho, dort der Drehzahlmesser, daneben die beim Abbiegevorgang größer werdende Navigationskarte, die den Kreuzungsbereich in den Fokus des Fahrers rückt. Nachtsichtassistenten, aufwendige Bedien- und Konfigurationsmenüs sind mit einem variablen TFT-Bildschirm ebenfalls deutlich besser.
Die Fülle der Verkehrseinflüsse auf den Fahrer nimmt trotz oder wegen der größer werdenden Zahl von Assistenzsystemen zu. Durch die neuen Anzeigesysteme können diese Informationen aber bewertet und kategorisiert werden. Das wiederum macht das Autofahren sicherer. Doch den Charme der alten Analogrunduhren sucht man vergeblich - egal ob mit oder ohne Chromrand.