Morgens um 6.30 Uhr, wenn sich die meisten Studenten noch mal im Bett umdrehen, sind die Hörsäle an der Universität Kassel schon voll. Es sind vor allem Erstsemester, die etwas müde in ihrer Einführungsvorlesung sitzen. Später gibt es einfach keinen Platz mehr. Die Uni Kassel platzt aus allen Nähten. Zu diesem Wintersemester sind an der hessischen Hochschule fast 20.000 Studenten eingeschrieben - so viele wie noch nie. Auch die Zahl der Studienanfänger ist Rekord: knapp 5000. Zu Semesterbeginn herrschte auf dem Campus Chaos: Blockierte Computer bei der Einschreibung, Studenten stürmten Seminare und wurden teilweise von Dozenten wegen Überfüllung ausgesperrt. "Katastrophal" nennt das Studentensprecherin Annika Hunstock: "Warum hat die Uni sich darauf nicht vorbereitet?"
"Es haben sich unerwartet viele Studenten in den zulassungsfreien Fächern eingeschrieben", sagt Uni-Präsident Rolf-Dieter Postlep, "damit haben wir nicht gerechnet." Auf jedem vom Land finanzierten Studienplatz sitzen nun rein rechnerisch fast zwei Studenten. "Die Kapazitätsgrenze ist überschritten." Postlep fordert daher für die Zukunft vom Land mehr Geld für mehr Studienplätze. Sonst, droht er, müsste in vielen Fächern wieder ein Numerus clausus, eine Zulassung nach Abiturnote, eingeführt werden.