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FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND
15. März 2010 13:21 Uhr

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Warnung vor DHL

Meier | 02. Dezember 2007 01:22 Uhr

Ach es ist so herrlich in der modernen Welt, dass man immer so viele Möglichkeiten hat! Was man alles machen kann, um zu verhindern, dass aus einer etwas kniffligen Situation eine tragische wird! Zum Beispiel wenn man am Mittwoch feststellt, dass jener Pass, den man für eine wichtige Reise braucht, die Sonntag von Paris aus startet, dass dieser Pass nicht in Paris, sondern in Berlin ist.

Da kann man einem Freund für 40 Euro einen Easyjet-Flug buchen, man bekäme den Pass und den Freund gleich mit. Man kann schnell jemanden herüberzulaufen bitten zum Berliner Haubtbahnhof, der überredet einen der Fahrgäste des Nachtzugs nach Paris, das gute Stück mitzunehmen.

Oder man tut das, was am allerzuverlässigsten erscheint und vertraut der Firma DHL. Denn das ist jene Marke der Deutschen Post, die "weltweit als Synonym für Zuverlässigkeit, Schnelligkeit und globalen Service" steht. Das hat die Deutsche Post selbst gesagt.

Schon macht die Schalterbeamtin der Postfiliale am Berliner Ostbahnhof weitere Versprechungen: Kein Problem mit dem Pass, auch der normale Einschreibversand würde genügen, aber besser man nehme den Expressdienst, da sei die Zustellung innerhalb 48 Stunden garantiert. Und wenn es heute nicht mehr herausgehe, kein Problem, dann werde eben Samstag zugestellt. Sollte es dabei Probleme geben, nehme man die Mobiltelefonnummer des Empfängers auf, der werde dann vom Zusteller in jedem Fall kontaktiert. Wer würde da nicht DHL mit Freuden 42,20 Euro für den Expressdienst geben?

Freitag nichts. Kein Problem, es wird ja auch Samstag zugestellt.

Samstag auch nichts. Vielleicht doch ein Problem?

DHL-Hotline, Callcenter in Frankfurt: "In Frankreich ist am Samstag niemand, das können Sie vergessen, da kann man auch nicht anrufen. Da können wir gar nichts machen."

Wenn man selber ein bisschen recherchiert und in Paris den Brandnotdienst für abgefackelte DHL-Fahrzeuge ausfindig macht, erfährt man von diesem, dass die Auskunft aus Frankfurt natürlich falsch war und es in Frankreich doch eine DHL-Hotline gibt, die auch samstags besetzt ist. "Wir haben am Freitag versucht, die Sendung zuzustellen" Ach? "Der Fahrer hat gemeldet, die Tür war zu." Aber es ist doch normal, dass die Türen zu sind?! 90 Prozent aller Häuser in Paris haben einen Code?! "Für so etwas hat der Fahrer keine Zeit, außerdem hatte er die Codenummer nicht." Aber er hatte zwei Mobilfunknummern, niemand hat angerufen. "Unsere Fahrer rufen nie an, die haben nicht mal ein Telefon" Bitte was? "Außerdem liefern wir fast nur an Geschäftskunden, da sind unsere Fahrer so etwas nicht gewohnt." Gut, und was machen wir jetzt, wie komme ich an meine Sendung? "Samstags liefern wir gar nicht. In manchen Fällen doch, aber dann muss das vorher angegeben werden." Aber uns wurde doch eine Zustellung am Samstag versprochen? "Darüber habe ich nichts vorliegen, dann müssen Sie mit Deutschland sprechen."

Anruf bei der Hotline in Frankfurt. "Das tut uns leid, dass Sie falsch informiert worden sind, aber jetzt können wir nichts tun." Aber was ist mit der Garantie? "Das war die alte DHL-Philosophie, dass der Service bereitsteht und ständig erreichbar ist, seit die Deutsche Post DHL übernommen hat, hat sich das geändert." Sagt, wohlgemerkt, der Mann von der DHL-Hotline. "Aber das ist natürlich nur meine persönliche Meinung".

Weitere Anrufe hin und her.

Muss man erwähnen, dass sich niemand in Frankfurt dafür zuständig fühlt, all diese Recherchen anzustellen, nach dem Ort wo die Sendung in Paris liegt, nach den Zuständigen in Paris? Muss man erwähnen, dass sich niemand dafür zuständig fühlt, einfach nach einer Lösung zu suchen?

Dabei kann man dem Ziel verführerisch nahe kommen: Weitere Anrufe. Man kann die DHL-Agenturen in Paris nacheinander abklappern. Im achten Arrondissement ist eine geöffnet. "Ich kann Ihre Sendung verorten," sagt der Schaltermann. "Sie liegt in der Agentur Opéra." Also nicht am Flughafen, wie die Hotline in Frankfurt erzählt hat? "Nein, ganz eindeutig. Wissen Sie, an der Hotline, da sitzen irgendwelche Studenten. Da kann Ihnen niemand was sagen" (stand hier schon irgendwo, dass die Auskünfte an der Hotline natürlich kostenpflichtig sind? Ungefragt sagt der Hotlinemann einem dafür gleich, dass man mit Schadenersatzforderungen, etwa für den gecancelten Flug, gar nicht erst kommen brauche. Allenfalls die 42,20 Euro würden ersetzt. Wenn überhaupt.) Gut, Aufregen hilft jetzt nicht weiter: Wer ist der Verantwortiche für die Agentur Opéra? Gibt es jemanden mit einem Schlüssel dafür? Mobiltelefonnummern? "Vor Montag um neun Uhr kann man da nichts machen."

Hinter grauen Scheiben liegt, zwanzig Schritte vom FTD-Büro entfernt, die Agentur Opéra. Hinter den Scheiben das Büro des Agenturleiters. Überall Papier. Überall hängen Zettel mit Telefonnummern. Ein neuer Rechercheansatz!

Doch alle Telefonnummern sind tot.

Auf dem Rückweg kommt man an einer hellerleuchteten Filiale des Postdienstes Fedex vorbei. Hier wird das ganze Wochenende gearbeitet. Dann überholt einen ein emsiger Bote von Chronopost, der Expressfiliale der französischen Post. Ach, es ist so herrlich in der modernen Welt, dass man immer so viele Möglichkeiten hat!

Foto 1: Unordnung in der DHL-Agentur Opéra, Paris, 2.12.2007. Irgendwo hier liegt die gesuchte Postsendung

Foto 2: Einbruchspuren an der Fensterscheibe der DHL-Agentur Opéra, Paris. Gibt es noch mehr verzweifelte Kunden?

(Fotos zum Vergrößern anklicken)


Kommentare

Schlechte Warnung

Ich kann verstehen das man bei solchen Dingen einen Hals auf die DHL hat, aber keine Sorge das wäre bei UPS, TNT, DPD oder FedEx auch passiert.
Das sind alles Systemgebundenen KEP Dienstleister die nach Standards verfahren und im Einzelfall nicht sehr flexibel sind.
Für solch einen Transport hätte ich GO! oder TNT Special Service gewählt, aber das gibt es dann auch nicht für 42,40€.
Dieses nur weil man sonst der Meinung ist das die DHL schlecht ist.

Ludwig | 03. Dezember 2007 06:45 Uhr


Versprochen ist versprochen

@Ludwig

nun, ich hätte ja auch das Doppelte bezahlt, wenn DHL die Auskunft gegeben hätte, dass sie ansonsten nicht pünktlich oder nicht zuverlässig ausliefern können. DHL hat aber gesagt "kein Problem" und Versprechungen über Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit gemacht. Ist es dann naiv zu erwarten, dass sie diese Versprechen halten"

Lutz Meier | 03. Dezember 2007 10:13 Uhr


DHL-Auch ganze Reisekoffer verschwinden im Chaos

Mir ist bei DHL ein ganzer Koffer mit Akten mal eben bei Münster im schwarzen Loch verschwunden .
Auch diese angeblich so seriöse Firma (mehrheitlich immer noch im Staatsbesitz)
bedient sich inzwischen einer unüberschaubaren Zahl von Subunternehmern

Dietrich | 12. Dezember 2007 09:41 Uhr


FTD-AutorWas der Insider sagt

Dieser Beitrag hat eine Menge Reaktionen hervorgerufen. Leider sind nur wenige davon hier zu lesen. Das liegt daran, dass das FTD-System von Kommentatoren verlangt, dass sie nach Abgabe ihres Kommentars eine Mail bestätigen, die sie erhalten. Manche Kommentatoren, die es vorziehen, anonym zu bleiben - etwa weil sie bei DHL arbeiten - nutzen später nicht noch einmal jenen Email-Account. Einen der Kommentare, die auf diese Weise verloren gegangen sind, möchte ich hier zitieren, weil mir der Autor sehr viel Einblick in die Branche zu haben scheint. Ich hoffe, dessen Einverständnis voraussetzen zu können:

Sicherlich, dem Kunden, der sich auf Aussagen verläßt, hilft es wenig, wenn man Ihn im Anschluss auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen hinweist. Dennoch ist es einfach so, das DHL nicht für Folgeschäden haftet und ebenso auch keine Garantie für Laufzeiten gibt. Die Aussage von der Dame in der Postfiliale hinsichtlich der 48 Stunden-Garantie ist definitiv nicht korrekt; und eine Zustellung am Samstag ist ein hinzubuchbarer Service der dann auf der Sendung extra ausgewiesen wird. Auf jeden Fall gibt es bestimmte Prozesse innerhalb der DHL-Struktur. Einer davon besagt, wenn die Sendung nicht zustellbar ist, versucht man mit dem Kunden Kontakt aufzunehmen. Das macht nicht unbedingt der Fahrer sondern eher der Disponent in der jeweiligen Station. Dann wird ein Termin ausgemacht und die Sendung dann nach Kundenwunsch erneut zugestellt. Die Probleme in der Zustellung (respektive der Nicht-Zustellung) sind schon vorprogrammiert gewesen, als die Sendung in einer Postfiliale abgegeben wurde. Zu häufig ist das Schalterpersonal in der Produktlinie von DHL International ungenügend geschult. Wer zuverlässig beraten werden will, gibt seine Sendung mit vollständig und lückenlos ausgefüllten Versandschein in einer DHL Station direkt ab.
Was die Nicht-Erreichbarkeit in Frankreich angeht, hat der Telefon-Agent offensichtlich die Wahrheit gesagt, denn tatsächlich war ja die Station nicht besetzt und dort keiner vor Ort. Das sich keiner in Deutschland dafür zuständig fühlt, sich um eine Sendung, die in Frankreich liegt, zu kümmern ist klar: für den Empfänger einer Sendung ist der jeweilige Kundendienst vor Ort der sinnvollere Ansprechpartner; welche Nummern sollte der Telefon-Agent in Deutschland in petto haben, den ein französischer Telefonist nicht sowieso schon hat? Da hapert es nicht an mangelnder Schulung des Agenten, hier endet einfach die Zuständigkeit, denn der deutsche Kundendienst ist damit beschäftigt, seinen deutschen Kunden zu bedienen. Wie man unschwer erkennt, bin Ich mit der Materie vertraut. Zufrieden mit solchen Ereignissen bin Ich jedoch nicht, das muß Ich offen zugeben. Die Probleme ergeben sich durch die früheren unterschiedlichen Firmenphilosophien und Strukturen der Unternehmen DPWN und DHL. Viele Entscheidungen hinsichtlich des Services und eines Entgegenkommens werden aus Kostengründen eher kundenunfreundlich gestaltet. Dies war vor der Übernahme von DHL durch die DPWN nicht so. Nichtsdestotrotz kenne Ich auch viele Beispiele, in denen sich der Kundendienst stark für die Belange des Kunden einsetzt.

Lutz Meier | 21. Dezember 2007 16:44 Uhr




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