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FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND
12. März 2010 22:35 Uhr

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Die Wünsche des Präsidenten

Meier | 08. Januar 2008 20:29 Uhr

David Martinon sitzt abseits an der linken Seite ganz vorn, reckt seinen Hals und lässt seinen Blick nicht vom Chef. Keinen Millimeter rückt er, keinen Moment zuckt er, nicht mal am Anfang, als Nicolas Sarkozy noch ein bisschen fahrig und wuschig über das lange Manuskript hinwegliest. Es dauert über eine Stunde, bis David Martinon eine geringe Regung zeigt, als er leicht die Mundwinkel hebt. Da hat Sarkozy mal kurz Laurent Joffrin rhetorisch zusammengefaltet, den Chefredakteur der linken "Libération". Der hatte es nämlich gewagt, den Staatschef zu fragen, ob sein barockes Regiment nicht langsam zur "Wahlmonarchie" ausarte, so wie er mal hier und da rum- und reinregiere. "Die Frage zeigt Laurent Joffrin von 'Libération' in Hochform" höhnt der Präsident und erklärt die Monarchie-Idee natürlich für Quatsch. "Es gibt eine Verfassung, Monsieur Joffrin!" Er, Sarkozy, nehme die Niederlagen wie die Erfolge auf seine Kappe, seine Minister dürften sagen, was sie wollen und: "Wenn es Fehler gibt, dann zahle ich. Und ich zahle in Cash."

David Martinon ist wohl kaum der einzige Autor des Drehbuchs für diesen Vormittag. Für solche Aufgaben hat Sarkozy gewichtigere Gurus, etwa seinen Berater Henri Guaino, der immer die kommunitaristischen Philosophen herauskramt, die der Präsident anschließend zitiert. Martinon ist kein Guru. Er ist einer aus der jungen Garde des Präsidenten, den dieser zu seinem Sprecher gemacht hat. Und noch mehr: Er hat Martinon auf den Kandidatenposten für die Bürgermeisterwahl im Nobelvorort Neuilly-sur-Seine gesetzt. Das ist ein besonderer Posten, den ab 1983 für fast 20 Jahre Sarkozy selbst innehatte. Martinon muss also zwei politische Spiele gewinnen, das hier heute Morgen und das im März in Neuilly, wo seit ewigen Zeiten die Rechte regiert. Und nur bei dem Spiel hier heute morgen geht es um Stillhalten.

Sarkozys erste große Pressekonferenz soll ein Signal der Öffnung sein. Frühere Präsidenten haben an dieser Stelle einen feierlichen Neujahrsempfang für die Presse abgehalten. Der Präsident hat den Vertretern der Medien seine besten Wünsche übermittelt. Ein Vertreter der Élysée-Presse hat dem Präsidenten seine besten Wünsche übermittelt.

Öffnung hin oder her, natürlich ist die Sache eine Inszenierung. Das kann man schön daran sehen, wie gleich als zweite Fragerin eine Journalistin des im vergangenen Jahr vom Staat gegründeten Senders France 24 aufsteht und Sarkozy fragt, wie es denn nun mit seiner Hochzeit stehe. "Nun," sagt Sarkozy. Er wundere sich, dass die Frage nach seinem Privatleben erst als zweite komme. "Écoutez," (hören Sie), sagt er. Er rollt theatralisch die Augen. "Wie soll ich es Ihnen am besten sagen..." Dann folgt die Antwort, die kurz darauf über die Nachrichtenagenturen der Welt läuft. Am Ende eines längeren Diskurses über das Interesse der Medien an seinem Privatleben und darüber, dass man nie gewagt hätte, seinen Amtsvorgängern solche Fragen zu stellen, sagt Sarkozy, dass er natürlich mit dieser Frage gerechnet habe. Man kann sich gut vorstellen, wie der Präsident seine Antwort mit seinen Vertrauten geübt hat. Vielleicht auch mit David Martinon, der am Donnerstag immer eine Pressekonferenz gibt und stets sagt: "Dazu habe ich überhaupt keinen Kommentar abzugeben," wenn es um die Frauen des Präsidenten geht.

Der Präsident ist dann schnell weg, merkwürdigerweise auch der steife Diener in Galauniform, der die ganze Zeit mit einem Silbertablett rechts unterhalb des Präsidentenpodiums stand. Auf dem Silbertablett stand ein Glas Wasser. Die Journalisten, die jetzt nicht ihre Texte absetzen müssen, delektieren sich an Champagner, Schaumsüppchen mit Trüffeln oder anderen präsidialen Köstlichkeiten. In einer Wahlmonarchie würde es nicht viel anders hergehen.

Foto (zum Vergrößern anklicken): David Martinon lauscht seinem Chef


Kommentare

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hat mir den Tag verschönt. Ich habe laut gelacht. Ihre Beschreibung zeigt, dass Sie Deutscher sind, und in vielen Dingen haben Sie ja auch Recht. Frankreich hat nun mal eine andere Kultur; dafür wird es aber auch im Urlaub geliebt. Muss sich die frz. Kultur der deutschen anpassen? Schaumsüppchen in Paris oder Berlin hin oder her:
Eine wichtigere Frage wäre wohl in der Financial Times: welche Folgen wird die Regierungszeit unter Nicolas Sarkozy auf die Wirtschaft haben? In Frankreich, Deutschland, Europa. Übrigens: David Martinon wurde gerade mundtot gemacht.

Karin Kremendahl | 21. Februar 2008 11:45 Uhr




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