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  <title>Quatre-Septembre</title>
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  <title>Ingredienzen der Fête Nationale. IV Feuerwerk und Glimmern am Eiffelturm und das ferne Paris</title>
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  <dc:description>&lt;p&gt;&lt;a id=&quot;res_595&quot; href=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20171.jpg&quot; type=&quot;image/jpeg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20171.jpg&amp;amp;mode=preview&quot; border=&quot;0&quot; /&gt;&lt;/a&gt;Natürlich kann man jetzt zum Marsfeld gehen. Aber nach all der Nähe scheint es nun angeraten, sich den Fortgang der Dinge aus der Ferne anzuschauen. Hoch nach Belleville, wo man oberhalb des Parc de Belleville einen wunderbaren und weithin unbekannten Blick über die Stadt hat! In einem nur drei Schritte breiten Haus bietet eine kleine charmante algerische Bäckerei gekühlte Getränke an. Ein paar Familien aus dem 20. Arrondissement sind gekommen, sie picknicken hier oben, näher heran müssen sie nicht.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Da unten liegt Paris. Gedehnt und still sieht es von hier aus, harmonisch im Abendlicht, man vergisst das Echo der Panzerketten vom Morgen, die inszenierte Harmonie mit der befreiten Geisel im Garten des Élysée, vergisst, dass Paris selbst eine Inszenierung ist, eine Stadt, die es an ihrem großen Tag auf die Spitze treiben muss. Jetzt scheint alles, ganz im Gegenteil, als habe es sich von selbst so gefügt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Langsam geht die Sonne unter, die Wärme des Tages bleibt. Jetzt müsste es doch langsam losgehen. Ach, da ist der Eiffelturm. Man muss sich ein wenig recken, weil sonst eine der breiten Säulen das Panorama verdeckt, die einen merkwürdigen Baldachin schmückt, den irgendwelche Stadtentwickler hier in den achtziger Jahren überflüssigerweise hingestellt haben müssen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wie klein er ist. Wie klein das Feuerwerk. Lautlos läuft es ab, erreicht kaum die Höhe des Eiffelturms. Aber selbst jene, die hinter den breiten Säulen stehen oder die zu klein sind, rufen Oooh! und Aaah! So funktioniert das, ein Feuerwerk ist Imagination. Alle paar Minuten lassen die Herren von Paris da unten den Eiffelturm ein wenig im Takt der Vorführung glimmern.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Irgendwann später an einer Bar des Boulevard de Belleville hat die Nacht noch Wein und noch Ideen übrig. Der 14. Juli ist jetzt eigentlich schon zu Ende. Morgen wird die Stadt wieder ganz die Alte sein.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;em&gt;Foto (zum Vergrößern bitte Anklicken): Am frühen Abend des 14. Juli am Rande der Champs Élysées&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&lt;br/&gt;</dc:description>
    <dc:subject>Allgemein</dc:subject>
    <dc:date>2008-07-23T23:22:22Z</dc:date>
    <dc:creator>Meier</dc:creator>
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  <item rdf:about="http://www.ftd.de/blog/15_quatre-septembre/archive/1019_ingredienzen_der_fte_nationale_iii_garden_party_bei_carla_und_nicolas_sarkozy.html">
  <title>Ingredienzen der Fête Nationale. III Garden Party bei Carla und Nicolas Sarkozy</title>
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  <dc:description>&lt;p&gt;&lt;a id=&quot;res_592&quot; href=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20140.jpg&quot; type=&quot;image/jpeg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20140.jpg&amp;amp;mode=preview&quot; border=&quot;0&quot; /&gt;&lt;/a&gt;Die Garden Party des Präsidenten ist ein Mythos. Jeder sagt Garden Party in Frankreich, dabei steht auf der Einladung gar nicht Garden Party. &amp;quot;Der Präsident der Republik und Madame Carla Sarkozy bitten Monsieur XY ihnen die Ehre seiner Anwesenheit zu erweisen bei dem Empfang, den sie anlässlich des Nationalfeiertags im Élysée-Palast geben, am Montag 14. Juli um 12 Uhr&amp;quot;. Wer eine solche Karte hat und wer keine hat, fragt man besser nicht, wenn man eine hat. Wenn man keine hat, fragt man natürlich, sich, andere, oder eventuelle Freunde bei Hofe, die einem noch eine besorgen können.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Um kurz nach 13 Uhr kollabieren vor der Porte Marigny zum Garten des Élysée schon die ersten Gäste, noch bevor sie eingelassen werden. &amp;quot;Ein Stuhl, ein Stuhl,&amp;quot; ruft einer der Sicherheitsbeamten am Einlass. Einer von ihnen redet beruhigend auf den Pulk ein. Die Leute möchten sich doch bitte nicht noch mehr nach vorne drücken. Schon im Alltag ist Frankreich ein gutes Land, wenn man lernen will, wie man sich durch- und vordrängelt, -schlängelt, -trickst und dabei gleichzeitig würdig, unschuldig und bestimmt zugleich dreinblickt. Ein festes &amp;quot;Pardon, Pardon&amp;quot; auf den Lippen macht man seinen Weg. Der Élysée-Palast hat heute einige Meister der Kunst eingeladen und man muss zugeben, dass Journalisten unter den Besten sind. Als es nicht vorangeht, verweisen einige mit Nachdruck auf ihre Profession.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Eine Besucherin bricht in Tränen aus, weil der Wachmann es ihr nicht durchgehen lassen will, dass sie den Namen auf der Einladungskarte geändert hat. Ein soignierter kleiner Herr im grauen Einreiher sagt, dass seine Frau da hinten die Karte habe und versucht sich schon mal durchzudrücken, wird festgehalten. Da kommt Madame, und sie hat tatsächlich eine Karte, aber nur eine für sich allein. &amp;quot;Dann kann ich Sie leider nicht hereinlassen,&amp;quot; bedauert der Wachmann. &amp;quot;Marie-George!,&amp;quot; sagt Monsieur unendlich beleidigt zur Gattin. &amp;quot;Das war&#039;s.&amp;quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ist man dann erst im Garten des Élysée stellt man fest, dass es hier ist, wie mit allen exklusiven Veranstaltungen, die ihren Wert dadurch haben, dass welche draußen bleiben müssen, nicht durch das, was drinnen vor sich geht.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sicher, der Garten des Élysée hat eine gewisse Erhabenheit. Aber die lässt sich an einem frühen Frühlingstag im März, wenn man sich nach einer Veranstaltung nach draußen schleicht und den Vögeln lauscht und rätselt, wo Carla woll ihren Liegestuhl aufzubauen pflegt, an einem solchen Tag lässt sich die Erhabenheit des Parks besser genießen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das soll sich jetzt nicht wie eine Klage über die Garden Party anhören. An den Seiten sind Spezialitäten von allen Ufern des Mittelmeers aufgebaut und es dürfte definitiv die erste Veranstaltung im Élysée-Palast sein, auf der tunesischer, türkischer, kroatischer Wein ausgeschenkt wird und montenegrinischer Käse. Die meisten Gäste nehmen aber französischen Champagner.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Jetzt kommen Carla und Nicolas und Ingrid auf die Terasse, also Ingrid Bétancourt. Die Harmonie des Guten. Madame Bétancourt wird Ritterin der Ehrenlegion. Nicolas sagt, es gelte alle Leidenden und Gefesselten dieser Welt zu befreien. Ingrid blickt selig. Carla blickt mit Anmut nach oben. Die Sonne scheint. Der Gastgeber hat den Gästen des Festes einen historischen Moment serviert. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nun kommt er mit einem drängeligen Pulk von Kameras zu dem kleinen Pavillon, der von unten aus gesehen rechts der Terasse steht. Dort streichelt er behinderte Kinder und gebrechliche Kriegsveteranen, wechselt ein paar Worte mit ihren Betreuen. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wo ist eigentlich Carla? Bald nach der Ingrid-Erhöhung haben sich die Gastgeber in die Salons zurückgezogen oder in die kleine private Grünfläche, die nur von den Gemächern aus zugänglich ist. Man kann es ihnen nicht einmal verdenken, denn nicht einmal unter diesem exklusiven Publikum kann sich der Präsident frei bewegen. Der zusammendrängende Pulk um ihn herum gibt noch dem banalsten Schritt Sarkozys den Anblick des Unauthentischen, des Inszenierten. Nun gut, das hat er vorher gewusst, man muss ihn auch nicht bedauern, wie er da zu seinen Vertrauten hinter die Fenster des Salons flüchtet.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mit zunehmendem Fortgang der Dinge wird die Stimmung aufgeräumter. Im nassen Kunstrasen rund um den Springbrunnen am unteren Ende des Parks lümmeln sich Anzugmenschen und Damen in Sommerkleidern zwischen einem Grüppchen von drei Jung-Feuerwehrleuten, die, sie zu ehren, hier eingeladen worden sind. Vor dem Crêpe-Stand hat sich ein Bürgerpärchen ins Gras gelegt zum Knutschen. Die Kellner schenken den letzten Champagner aus.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a id=&quot;res_593&quot; href=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20145.jpg&quot; type=&quot;image/jpeg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20145.jpg&amp;amp;mode=preview&quot; border=&quot;0&quot; /&gt;&lt;/a&gt;Jetzt beginnt ein bemerkenswertes Schauspiel. Wer immer schon mal überlegt hat, wie er sein Gartenfest effektiv aber hinreichend dezent räumt, kann es sich beim französischen Präsidenten abgucken. Man braucht nichts als eine kleine Marschkette uniformierter Gardetruppen. Die stellen sich oben an der Terasse auf. Alle Minute machen sie einen Marschschritt nach vorn. Langsam werden die verbliebenen Gäste unten zusammengetrieben, den Ausgängen zu. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a id=&quot;res_594&quot; href=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20159.jpg&quot; type=&quot;image/jpeg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20159.jpg&amp;amp;mode=preview&quot; border=&quot;0&quot; /&gt;&lt;/a&gt;Nur der Eismann hat nicht verstanden, was die Stunde geschlagen hat, Waffel für Waffel gibt er unten noch aus, allerdings hat er nur noch Karamel und Schokolade.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es ist 17 Uhr 30, für den Abend hat der Präsident auf das Marsfeld zu Konzert und Feuerwerk geladen, aber da darf jeder kommen (und Sarkozy wird sich, anders als vergangenes Jahr, nicht blicken lassen). Aber halt. Selbst bei dieser Veranstaltung gibt es offenbar exklusivere Gäste - in den Handtaschen der eleganten Damen kann man einen Blick auf die Karten erhaschen, die vielleicht zu einer Sonderzone oder VIP-Loge führen. So beginnt nach der Garden Party das Spiel um die Exklusivität von Neuem.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es lebe die Republik!&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a id=&quot;res_596&quot; href=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20163.jpg&quot; type=&quot;image/jpeg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20163.jpg&amp;amp;mode=preview&quot; border=&quot;0&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;em&gt;Fotos zum Vergrößern bitte anklicken!&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;em&gt;Foto 1: Am Nachmittag bei der Garden Party&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;em&gt;Foto 2: Der Präsident lässt räumen&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;em&gt;Foto 3: Eis bis zuletzt&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;em&gt;Foto 4: Abschiedsbild mit Fremdenlegionären&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&lt;br/&gt;</dc:description>
    <dc:subject>Allgemein</dc:subject>
    <dc:date>2008-07-23T22:33:36Z</dc:date>
    <dc:creator>Meier</dc:creator>
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  <item rdf:about="http://www.ftd.de/blog/15_quatre-septembre/archive/1016_ingredienzen_der_fte_nationale_ii_die_parade.html">
  <title>Ingredienzen der Fête Nationale. II Die Parade</title>
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  <dc:description>&lt;p&gt;Bis acht Uhr muss man seinen Platz auf der Tribüne einnehmen. Doch auf die Ränge auf dem Place de la Condorde scheint bereits die Sonne. Und diese Stunde erlaubt einen ausgedehnten Blick auf die leergeräumte stille Stadt unter einem hellblauen, unschuldigen Himmel. Wie majestätisch Paris ohne Autos aussieht!&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wie frisch der Morgen riecht, wenn keine Vespas über den Platz jagen, keine Peugeot-Roller sich über die verstopfte Brücke Richtung Nationalversammlung schlängeln! Schon seit gestern hat die Polizei die gesamte westliche Innenstadt auf dem westlichen Seine-Ufer abgeriegelt, weil Präsident Nicolas Sarkozy im Grand Palais den &lt;a href=&quot;http://www.ftd.de/politik/international/:Mittelmeer%20Gipfel%20Der%20Tag%20Ruhms/385009.html&quot;&gt;pompösen Gipfel&lt;/a&gt; zur Gründung der &lt;a href=&quot;http://www.ftd.de/politik/europa/:Union%20Mittelmeeranrainer%20Europa%20Club%20Med/385292.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Mittelmeer-Union&lt;/a&gt; zelebriert hat.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a id=&quot;res_582&quot; href=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20059.jpg&quot; type=&quot;image/jpeg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20059.jpg&amp;amp;mode=preview&quot; border=&quot;0&quot; /&gt;&lt;/a&gt;Zum großen Tag der französischen Nation hat Sarkozy seine Staatsgäste einfach dabehalten, auch sie müssen früh ihre Plätze einnehmen. Nach und nach kommen die Limousinen mit den Standarten an und verkürzen die Wartezeit: Wie sah noch gleich die montenegrinische Flagge aus? Für welches Land stehen zwei aufgeregt flatternde Dreiecke, die nur ein Fünftel so viel Platz einnehmen, wie eine normale Fahne?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Auf samtgepolsterten Stühlen nehmen drei Dutzend Regierungschefs Platz, um sich anzugucken, wie man eine richtige Militärparade begeht, ein Ritual, dass außer in Frankreich nur noch in den unangenehmeren der hier vertretenen Länder begangen wird. Von hier aus gesehen links von den Regierungschefs nehmen auf weißen Kunststoffstühlen die Gattinen fest. Da ist sie, Carla. Ein violettes Kleid hat ja oft eine etwas altjüngferliche, asexuelle Ausstrahlung und die Gattin des Präsidenten bemüht sich auch nach Kräften um marienhafte Anmut im Blick, aber in diesem Fall verfehlt das schlank geschnittene Kleid seine Wirkung nicht. Die Fotografen auf unserer Tribüne bringen sich auf Betriebstemperatur.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a id=&quot;res_586&quot; href=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20094.jpg&quot; type=&quot;image/jpeg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20094.jpg&amp;amp;mode=preview&quot; border=&quot;0&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;a id=&quot;res_587&quot; href=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20097.jpg&quot; type=&quot;image/jpeg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20097.jpg&amp;amp;mode=preview&quot; border=&quot;0&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;a id=&quot;res_588&quot; href=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20098.jpg&quot; type=&quot;image/jpeg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20098.jpg&amp;amp;mode=preview&quot; border=&quot;0&quot; /&gt;&lt;/a&gt;Das Eintreffen des Präsidenten ist schon Teil des Défilés, begleitet von berittenen Garden. Es wirkt so harmlos, wenn an einem schönen Sommertag dann zuerst Truppenteile in jahrhundertealten Uniformen vorbeimarschieren, die mal folkloristisch, mal operettenhaft, mal ehrwürdig scheinen. Die Militärhochschulen, die republikanische Garde. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a id=&quot;res_583&quot; href=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20075.jpg&quot; type=&quot;image/jpeg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20075.jpg&amp;amp;mode=preview&quot; border=&quot;0&quot; /&gt;&lt;/a&gt;Die berühmten Flugzeuge, die man ihren blauweißroten Abgasausstoß schon seit dem Frühjahr über den Hügeln des südlichen Rhônetals hat üben sehen können. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a id=&quot;res_584&quot; href=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20076.jpg&quot; type=&quot;image/jpeg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20076.jpg&amp;amp;mode=preview&quot; border=&quot;0&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;a id=&quot;res_585&quot; href=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20079.jpg&quot; type=&quot;image/jpeg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20079.jpg&amp;amp;mode=preview&quot; border=&quot;0&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;p /&gt;&lt;p&gt;Wenn man vom Place d&#039;Étoile die Panzer heranrollen hört, stellt man sich bereits vor, wie das Pflaster auf den Champs Élysées bald noch tiefer zerfurcht ist. Noch mehr Fallen für schmale Fahrradreifen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Unwillkürlich muss man an Angela Merkel denken, die unbewegt gegenüber auf der Tribüne sitzt. Denkt sie jetzt daran, dass sie ihrer letzte Militärparade wahrscheinlich vor 19 Jahren Unter den Linden in Berlin nahe gekommen ist? Nein, kein Vergleich, hier ist es natürlich bunter. Sogar die Rettungswagen der Pariser Feuerwehr dürfen noch paradieren.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a id=&quot;res_589&quot; href=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20114.jpg&quot; type=&quot;image/jpeg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20114.jpg&amp;amp;mode=preview&quot; border=&quot;0&quot; /&gt;&lt;/a&gt;Am Ende kommen wie Engel drei Fallschirmspringer unter blauweißrotem Tuch angesegelt. Sie postieren sich, zeigen die Flaggen Frankreichs, Europas, der Vereinten Nationen (Generalsekretär Ban Ki-Moon ist da und Sarkozy hat ihm in seiner Parade auch eine anständige Menge Blauhelme vorgeführt).&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a id=&quot;res_590&quot; href=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20117.jpg&quot; type=&quot;image/jpeg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20117.jpg&amp;amp;mode=preview&quot; border=&quot;0&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;p /&gt;&lt;p&gt;&lt;a id=&quot;res_591&quot; href=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20136.jpg&quot; type=&quot;image/jpeg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.ftd.de/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=14.Juli2008%20136.jpg&amp;amp;mode=preview&quot; border=&quot;0&quot; /&gt;&lt;/a&gt;Als Sarkozy abgeholt werden soll, bricht er aus dem Protokoll aus. Er geht zurück zur Tribüne, greift sich Angela Merkel mit links, von rechts kommt Carla dazu. &lt;a href=&quot;http://www.ftd.de/politik/europa/:Nicolas%20Sarkozy%20Der%20Umarmungsdiplomat/385813.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Das ganze Wochenende hat sich der französische Präsident um die deutsche Kanzlerin bemüht&lt;/a&gt;, die seinen Mittelmeerpläne zu Beginn einen schroffen Schuss vor den Bug gegeben hat. Das hier ist wieder so eine Geste des Spielers Sarkozy, der in Bildern denkt. Zwischen Angela und Carla eilt er zur Tribüne unterhalb der Fotografen. Freiheit. Gleichheit. Brüderlichkeit. In der Luft verwehen die letzten Reste der blauweißroten Kerosin-Abgase. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;em&gt;Fotos zum Vergrößern bitte anklicken!&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;em&gt;Foto 1: Ankunft der Kanzlerin&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;em&gt;Foto 2/3/4: Militärhochschulen und Feuerwehrmänner&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;em&gt;Foto 5: Lange geübt für die perfekte Trikolore...&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;em&gt;Foto 6/7:  ... die sich langsam verzieht&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;em&gt;Foto 8: Engel in Blauweißrot&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;em&gt;Foto 9: ... und eine Geste für die Gäste&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;em&gt;Foto 10: Der Präsident zwischen seinen an diesem Wochenende liebsten Frauen: Carla Sarkozy, Nicolas Sarkozy, Angela Merkel&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&lt;p /&gt;&lt;br/&gt;</dc:description>
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    <dc:creator>Meier</dc:creator>
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  <title>Ingredienzien der Fête nationale. I Der Feuerwehrball</title>
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  <dc:description>&lt;p&gt;Die Schlange die Rue Rivoli stadteinwärts ist vielleicht fünfhundert Meter lang. Sie blockiert die ganze Busspur und wenn man sich nachts um helf elf hinten anstellt, bleibt man nicht lange der Letzte. Bald sind es hinter uns auch noch über hundert Meter. Vor uns sind V. und E., Kosmetikerinnen aus Paris. &amp;quot;Letztes Jahr war die Schlange nur halb so lang,&amp;quot; erzählt V. Aber nun hätten wohl immer mehr Leute gemerkt, dass der Feuerwehrball im vierten Arrondissement etwas besonderes ist.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Jedes Arrondissement hat seinen traditionellen Feuerwehrball am Vorabend des Feiertags der Republik. Manche feiern gleich am nächsten Tag weiter. Hier im Vierten herrscht schon in der Schlange aufgeräumte Stimmung. Man holt Dosenbier aus den benachbarten Läden, rückt alle zehn Minuten mit der Schlange ein paar Meter nach vorn und macht sich über jene lustig, die sich nach Pariser Sitte mit etwas zu auffälliger Unauffälligkeit in die Schlange tricksen, anstatt sich hinten anzustellen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Normalerweise dominieren die Touristen das Viertel St. Paul zwischen Rathaus und Bastille. In der Schlange zum Bal des Pompiers stehen keine Touristen. Das ist ein Vergnügen für die Pariser. Zum Feuerwehrball kommen die Menschen, die man eher nicht in den Bars im Marais trifft, die sich vielleicht auch die Clubs im elften nicht so oft leisten mögen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es gibt diese Feuerwehrmythen in manchen Ländern und Städten. Die New Yorker Feuerwehrmänner hatten schon vor dem 11. September 2001 eine besondere Bedeutung, seitdem haben sie noch mehr, unter anderem ein Denkmal. Morgen werden die Pariser Feuerwehrleute ihre Bedeutung für die Verteidigung der Republik demonstrieren dürfen, indem sie mit den Generalständen beim Défilé am Präsidenten vorbeimarschieren.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Heute feiern sie. Vielmehr, sie lassen feiern. Denn auch, wenn die Pompiers beim Feuerwehrball zahlreich präsent sind, sie dürfen hier keinen Alkohol trinken - sie sind dafür zuständig palettenweise Bierdosen, kistenweise Champagnerflaschen heranzuschaffen und für kleines Geld einzuschenken.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Aber so weit sind wir noch nicht, die Schlange rückt nur zehnmeterweise voran. Was den Mythos der Pariser Feuerwehr genau ausmacht, müssen wir hier erst noch erkunden. Aber ein moderner Mythos der Pariser Feuerwehrmänner steht fest, er besteht darin, dass sich in den blauen Uniformen die bestgebauten Männer der Stadt verbergen. Verbergen ist eigentlich das falsche Wort, denn die sehr schlankgeschnittenen Uniformhosen in Verbindung mit den luftigen Hemden mit aufgebauschten Schultern wecken bei den Pariserinnen Sehnsüchte. V. zum Beispiel lockt einen jungen Feuerwehrmann heran, der einen Blumenkranz umgelegt hat, wenigstens für ein gemeinsames Foto heran. Als ob derlei ständig geschehe, absolviert er das Ritual.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Angekommen in der Rue Sévigné vor der Feuerwehrkaserne des Arrondissements nimmt dann doch die Drängelei zu. Dabei kann man sich über das Schlangestehen eigentlich nicht beklagen, zum Feiertag geht es in der Schlange sehr ausgelassen zu. Dann sechs Euro Eintritt zahlen. Ein Getränk ist inklusive.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Auf dem Feuerwehrgelände ist es eng und laut und heiß. Das erste, was zu sehen ist, sind neue Schlangen, vor den Toiletten. In einem Gebäude, das man auf dem Weg zum zweiten Innenhof durchqueren muss, geht es so gedrängt zu, dass man nicht mehr selbst bestimmen kann, wohin man geht, man wird getragen. Es fehlt nicht viel und man kann sich Situationen ausmalen, in denen Panik ausbricht. Im Alltag ist vermutlich auch in Paris die Feuerwehr dazu da, solche Situationen zu vermeiden, entsprechende Vorschriften umzusetzen. Doch heute sind solche Dinge egal, die Pompiers am Eingang werden heute Nacht die ganze Schlange, die sich die Busspur der Rue Rivoli entlangschlängelt, noch hereinlassen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Veranstaltung heißt Ball, es gibt einen Wegweiser zum &amp;quot;Orchester&amp;quot; und es finden sich auch einzelne gutgekleidete Mittsechziger zwischen den Pulks von jungen Menschen mit Bierdosen. Doch irgendwann im Laufe der Jahrzehnte muss der Feuerwehrball von einer züchtig geregelten Tanzveranstaltung zu einer feuchten Massenparty geworden sein, die bei allem republikanischem Geist eher an robuste Scheunenfeten in der niedersächsichen Provinz erinnert, als dass hier urbane Eleganz oder revolutionäre Avantgarde zu finden wären. Aber es geht ja bei diesem 14. Juli auch darum, eine Revolution zu feiern, die ein Produkt der rohen Kraft von unten war. Es geht nicht um bürgerliche Distinktion.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Im zweiten Hof spielt die Partyband von U2 bis Jean-Jacques Goldmann alle Pop-Gassenhauer durch, das ist das Orchester. Tanzen auf dem Asphalt, wo sonst die Feuerwehrautos parken, die jetzt wahrscheinlich schon irgendwo glanzgeputzt auf ihren Einsatz bei der morgigen Parade warten. In das Fensterkreuz hat sich ein Pärchen gestellt, er zieht lasziv das T-Shirt bis zur Brust hoch, sie wirft gewagt ihre Beine uns zu. &amp;quot;Je marche seul&amp;quot; singt aus voller Kehle ein Partybesucher, der in einem Bogen den Platz quert, eine halbausgetrunkene Champagnerflasche in der Hand. &amp;quot;Ich gehe allein, durch die Straßen, die sich ergeben und die Nacht vergibt mir&amp;quot;. Draußen fährt jetzt schon die Müllabfuhr ihren ersten Einsatz, in der Rue Sévigné steht noch immer eine kleine Schlange. Der 14. Juli hat begonnen und das Volk feiert. &lt;/p&gt;&lt;br/&gt;</dc:description>
    <dc:subject>Allgemein</dc:subject>
    <dc:date>2008-07-16T00:12:47Z</dc:date>
    <dc:creator>Meier</dc:creator>
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  <title>In eigener Sache: Jetzt gehts mal wieder weiter</title>
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  <dc:description>&lt;p&gt;Wie ein &lt;a href=&quot;http://www.iaas.uni-bremen.de/sprachblog/2008/05/07/eine-aktion-zum-canceln/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Bloggerkollege&lt;/a&gt; neulich schrieb, verhält es sich mit dem Bloggen so wie mit dem Joggen. Entweder man macht es täglich. Oder gar nicht. Je länger man die guten Vorsätze vernachlässigt, desto schwerer ist es, wieder anzufangen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;So schwer ist es auch wieder nicht. Nach einer kleinen Pause, die ich zu entschuldigen bitte, verspreche ich ab sofort wieder regelmäßige Berichte aus dem Nachbarland. Der 14. Juli, der wichtigste Tag in Frankreich, bietet einen schönen Anlass dazu. Es soll nicht wieder vorkommen.&lt;/p&gt;&lt;br/&gt;</dc:description>
    <dc:subject>Allgemein</dc:subject>
    <dc:date>2008-07-16T00:05:23Z</dc:date>
    <dc:creator>Meier</dc:creator>
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  <title>Charles de Gaulle, Nicolas Sarkozy. Wie man ein Held wird</title>
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  <dc:description>&lt;p&gt;Sie haben silberne Helme mit goldenem Schmuck. Ihre Uniform ist
gestärkt, ihr Blick unbeeindruckt und wenn sie gleich ihre Schwerter
präsentieren, zu Ehren des Präsidenten, dann müssen sie aufpassen, dass die Spitzen nicht an die Decke stoßen.
So eng ist es unten im Keller des Hôtel des Invalides, auf dessen
Gelände heute die ehrwürdige republikanische Garde eingeritten ist, um Charles de Gaulle zu feiern.
Beziehungsweise um Nicolas Sarkozy zu feiern, der Charles de Gaulle
feiert.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Staatspräsident
Nicolas Sarkozy probiert seit Wochen philosophische, spirituelle,
religiöse und
historische Begründungen seiner Politik durch. Er spricht über die
Bedeutung Gottes und der Metaphysik, ruft mit großem Pathos Edgar
Morins &amp;quot;Politik der Zivilisation&amp;quot; zum Programm aus, sucht Anschluss bei
revolutionären Helden und Résistance-Kämpfern und verordnet dem Land
eine neue Form des kollektiven Holocaust-Gedenkens. Es sieht so aus,
als ob er versucht, einer Politik, die an ihrer
eigenen Orientierungslosigkeit verzweifelt, ein Fundament zu geben.
Oder
mehrere. Da passt es gut, dass heute dass &amp;quot;Historial Charles de Gaulle&amp;quot;
eingeweiht wird eine multimediale Würdigung des Staatsgründers der Fünften
Republik in einem Museum im Keller ihres nationalen Militärmuseums des
Hôtel des Invalides. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Und
da kommt er auch schon, ihr neuester Präsident.
Die Paradesoldaten präsentieren ihre silbernen Schwerter und, tatsächlich, alle
Spitzen kommen ein paar Millimeter vor der Kellerdecke zur Ruhe. Nicolas
Sarkozy federt heran wie immer. Aber, was ist das? Da ist ja breit
grinsend Jacques Chirac, der sich hinter ihm voranschiebt! &amp;quot;Que fait
Chichi?&amp;quot; wundern sich Mitglieder des Pressekorps. &amp;quot;C&#039;était prevu?&amp;quot;. So
schnell kann nicht vergessen sein, dass Chirac alles tat, um Sarkozy
als Präsident zu verhindern. Dass Sarkozy seine ganze
Präsidentschaft auf dem Bruch mit all dem aufbaute, wofür Chirac steht.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Jetzt stehen sie ganz einträchtig zusammen, ganz vorn im
de-Gaulle-Verehrungs-Multimediakino. Naja, sie kommen aus einer
gemeinsamen &amp;quot;politischen Familie&amp;quot; wie man
hier sagt. Deren Urvater ist General de Gaulle. So ist es nur
konsequent, dass die beiden hier wieder zusammenfinden. Dazu kommt,
dass das de-Gaulle-Museum auf die Initiative des Ex-Präsidenten
zurückgeht&lt;br /&gt;
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Allerdings, mit Sarkozy und dem Gaullismus ist es nicht ganz
einfach. Er ist der erste Präsident der französischen Rechten, der an
die Spitze des Staates gelangte, ohne dass noch eine ausdrückliche
politische Vertretung des politischen Gaullismus dabei eine Rolle
gespielt hätte. Denn eine spezifisch gaullistische Partei gibt es in
Frankreich
nicht mehr, seit vor fünf Jahren die französische Rechte eine neue
Partei gründete. Diese Partei, die UMP, beruft sich in der Präambel
ihrer Charta auf
den Gaullismus nur noch als eine unter mehreren politischen Strömungen,
die sie
geformt haben. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Was überhaupt Gaullismus ist, ist für Deutsche immer ein
bisschen schwer zu verstehen, umso mehr wenn man eine Zeitlang durch die
de-Gaulle-Ausstellung spaziert ist. Das liegt auch daran, dass die
Gaullisten der Vergangenheit nach deutschem Verständnis eine Mischung
unterschiedlichster politischer Richtungen anstellten. Am einfachsten
lässt sich der Gaullismus vielleicht fassen, wenn man sagt, dass
er all das fortschreiben will, was de Gaulle vertreten hat. Selbst wenn das auf den ersten Blick nicht so recht zusammenzupassen
scheint: Konservative Werte, traditionelle Eliten und
Prinzipienfestigkeit; Staatliche Industrien, Interventionismus,
Sozialpartnerschaft und ein großzügiges Sozialsystem; Militärische
Stärke, Nation und außenpolitische Autonomie, Distanz zur
angelsächsischen Welt, Nähe zur arabischen Welt, Umarmung Deutschlands
und außenpolitische Funktionalisierung der (halb)staatlichen Industrien zur Anbindung der ehemaligen Kolonien;
Technologiegläubigkeit; eigenmächtige Herrschaft, die mehr auf Autorität vertraut als auf den Diskurs. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das ist eine ganze Menge, da
kann man sich gut bedienen. Das hat dazu
geführt dass in Frankreich in den vergangenen Jahren in gewisser
Hinsicht fast jeder führende Politiker ein Gaullist war, selbst der
linke Präsident François Mitterand. Aber Sarkozy? Der Amerikafreund;
der Mann, der in Tony Blair einen der liebsten Verbündeten fand und der gleichzeitig die
deutsch-französische Freundschaft relativiert hat; der zu den
arabischen Staaten stärker auf Distanz gegangen ist und mehr Verständnis für die
israelische Politik fand, als es in Frankreich Tradition ist? Der Mann, der mit
dem Korporatismus aufräumen wollte, die traditionellen Elitegrenzen
durchlässiger machen und dem schon das Wort konservativ ein Graus ist? Von de
Gaulles sozialkatholischer Prinzipienfestigkeit ist Sarkozy in den
Augen vieler seiner Wähler ohnehin weit entfernt, seit er mit der
Scheidung von Cécilia und der Eroberung von Carla dauerpräsent war.
Auch die Jetset-Urlaube mit geborgten Jachten und Privatfliegern sind
bei der traditionellen gaullistischen Basis nicht so gut angekommen.
Besonders in den älteren konservativen Milieus in der Provinz ist
Sarkozy besonders stark abgestürzt. Das sind jene, die de Gaulle noch
erlebt haben, die ihm zujubelten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Jetzt
sucht Sarkozy wieder Anschluss an die Basis und das dürfte ein Grund
dafür sein, dass er heute hier ist. Das Licht geht aus, der Film fängt
an. De Gaulles Leben und Wirken im Schnelldurchgang. Vor der Besatzung
Frankreichs durch die Nazi-Wehrmacht im zweiten Weltkrieg, auf
französischer Seite ein Abriss um den Streit um de Gaulles Ideen für
eine Militärreform. &amp;quot;Es war zu spät,&amp;quot; sagt die Kommentatorenstimme betrübt,
während der Film die deutschen Panzer beim Überfall auf Frankreich zeigt.
Will sagen: Hätte de Gaulle sich in den Dreißigerjahren durchgesetzt,
wäre der Nation die Besetzung erspart geblieben. Später das Kriegsende. &amp;quot;Frankreich ist am Tisch der Sieger,&amp;quot; sagt der Kommentar. Aber was ist das? Plötzlich bricht der Film ab. Ein Moment der Stille. Fragend blickt Sarkozy Chirac an.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es wird nicht ganz klar, ob diese Verkürzung sein sollte oder eine Panne ist. Schade ist es allemal, so verpasst Sarkozy all die schönen Bilder der Nachkriegszeit, de Gaulles pathetische, langsam vorgetragene Reden, das zukunftszugewandte Frankreich, avantgardistische Citroën DS, spitze Concorde-Flugzeuge, glänzende Atomkraftwerke, pfeilschnelle Atom-U-Boote. Er verpasst das bittere Ende von de Gaulles Präsidentschaft, als dieser nach all seiner Popularität ein Referendum verliert und abtritt. Er verpasst, wie der Film die, nun, problematischen Epochen in dessen Regierung bemäntelt, die Kolonialkriege ausspart, oder den Mai 1968 nur streift und die überstürzte Flucht des Präsidenten über die deutsche Grenze ganz unter den Tisch fallen lässt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es gibt aber auch noch ein kleines rotgestrichenes Zimmer zu 1968 in der Ausstellung. Missmutig marschiert Nicolas Sarkozy durch. Der Ausstellungsführer, der ihm das Museum im Schnelldurchgang nahebringen will, kommt kaum hinterher. Vor seiner Wahl hatte der Präsident versprochen, er wolle aufräumen mit dem Geist von 1968. Daniel Cohn-Bendit, vor vierzig Jahren Studentenführer, heute französischer EU-Abgeordneter hatte entgegnet, Nicolas Sarkozy sei selbst ein Kind der Bewegung, zweimal geschieden und dennoch Präsident, das habe er dem Erbe von 1968 zu verdanken.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Auf dem Ehrenhof des Hôtel des Invalides haben sich die restlichen republikanischen Garden  auf ihren  Pferden postiert. Hunderte Teenies hat man zu der Veranstaltung herangekarrt, vielleicht um für die Kameras zu dokumentieren, dass es bei dem de-Gaulle-Gedenken nicht nur um die Vergangenheit sondern um die Zukunft geht. Wie bei einem Popkonzert drängeln sich die Teenies an den Absperrungen, um ein Handyfoto mit sich und Jacques Chirac zu schießen oder ein Autogramm von Nicolas Sarkozy zu erhalten. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nicht nur Sarkozy muss der Jubel irritieren, der unter den Schülergruppen ausbricht, als Jacques Chirac die Bühne die Treppe hoch kommt. Denn das Kreischen für Sarkozy fällt hörbar zurückhaltender aus als das für Chirac. Weil der Ex-Präsident so ein fröhlicher Opa ist? Weil dessen Zeit vorbei ist? Oder weil Sarkozy gerade nicht so wohlgelitten ist bei den Franzosen?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Auf der Bühne höhere militärische Ränge und viele ältere Herrschaften, die teilweise blauweißrote Konkarde tragen: Zeitzeugen und Teilnehmer des Befreiungskampfs. &amp;quot;Wir sind hier zusammengekommen, um die Einweihung des Historials Charles de Gaulles zu feiern,&amp;quot; beginnt Sarkozy seine Rede. &amp;quot;Das wurde Zeit,&amp;quot; fährt er fort. &amp;quot;Denn der Tag rückt näher, an dem der letzte Zeitzeuge der Befreiung stirbt.&amp;quot; Während man beginnt zu überlegem, wie sich bei einer solchen Bemerkung ein anwesender Zeitzeuge fühlen mag, redet der Präsident weiter. &amp;quot;Ein leerer Sarg wartet auf ihn in der Krypta des Mont Valérien.&amp;quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Aber wie gesagt, es geht ja dem Präsidenten nicht um die Alten, sondern um die Jungen. Also nimmt er eine Neuinterpretation de Gaulles vor, um seine Politik in die Reihe mit dem Helden Frankreichs zu stellen. &amp;quot;General de Gaulle ist kein Konservativer,&amp;quot; ruft er dem Publikum zu, ja sogar &amp;quot;die Zurückweisung des Konservativen&amp;quot; habe ihn getrieben. Dann geht es bald irgendwie darum, dass de Gaulle all das erledigt hat, was heute Sarkozy erledigen muss. Zum Beispiel: &amp;quot;Er fand den Staat am Rande der Pleite. Er hat die Wirtschaft und die Finanzen wieder in Ordnung gebracht.&amp;quot; So will es doch auch Präsident Sarkozy machen. Die Leute um de Gaulle, sagt Sarkozy, haben sich nie um ihre Legende gekümmert, sondern immer darum, eine bessere Welt zu schaffen. &amp;quot;Und das habe ich immer bewundert.&amp;quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Und dann wird es interessant, weil sich Sarkozy mit de Gaulle selbst zur Ordnung zu rufen scheint. Er zitiert den Staatsgründer: &amp;quot;Wenn ich sage, dass ich über meinen Weg frei entscheide, so heißt das nicht, dass ich dem Zufall folge&amp;quot;. Der Präsident blickt von seinem Manuskript auf und an sich herunter. Dann sagt er etwas, dass nicht im Redetext steht: &amp;quot;Dieser Satz könnte jeden von uns inspirieren.&amp;quot; Sein Gesichtsausdruck lässt keinen Zweifel daran, dass Sarkozy hauptsächlich sich selbst meint.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Später geht es wieder um die Zukunft und die Jugend. Das Problem mit der Jugend ist aber, dass sie sich gar nicht dafür interessiert. Anstatt brav Andacht zu üben, krakeelen die geladenen Schülergruppen im Hintergund herum, der Präsident reagiert ein bisschen irritiert.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Er bringt aber seine Rede zu Ende. &amp;quot;Voilá le gaullisme,&amp;quot; sagt er. Als er vom Rednerpult abtritt, zuckt er kurz mit den Schultern, setzt sich neben Jacques Chirac, grinst für einen Moment und blickt dann starr nach vorne. Da ist er an der Fassade des Hôtel des Invalides in drei überlebensgroßen Portraits zu sehen, der große Charles de Gaulle. Als erster-Weltkriegs-Offizier, als Befreungskämpfer aus dem Exil während der deutschen Besatzung und als ernst blickender Präsident der Fünften Republik. Das ist das Gute an de Gaulle, man kann sich immer heraussuchen, was man gerade braucht.&lt;/p&gt;&lt;p /&gt;&lt;br/&gt;</dc:description>
    <dc:subject>Allgemein</dc:subject>
    <dc:date>2008-02-22T20:05:43Z</dc:date>
    <dc:creator>Meier</dc:creator>
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  <item rdf:about="http://www.ftd.de/blog/15_quatre-septembre/archive/841_die_wuensche_des_praesidenten.html">
  <title>Die Wünsche des Präsidenten</title>
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  <dc:description>&lt;p&gt;&lt;a type=&quot;image/jpeg&quot; href=&quot;/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=martinon.JPG&quot; id=&quot;res_310&quot;&gt;&lt;img border=&quot;0&quot; src=&quot;/blog/resserver.php?blogId=15&amp;amp;resource=martinon.JPG&amp;amp;mode=preview&quot; /&gt;&lt;/a&gt;David Martinon sitzt abseits an der linken Seite ganz vorn, reckt seinen Hals und lässt seinen Blick nicht vom Chef. Keinen Millimeter rückt er, keinen Moment zuckt er, nicht mal am Anfang, als Nicolas Sarkozy noch ein bisschen fahrig und wuschig über das lange Manuskript hinwegliest. Es dauert über eine Stunde, bis David Martinon eine geringe Regung zeigt, als er leicht die Mundwinkel hebt. Da hat Sarkozy mal kurz Laurent Joffrin rhetorisch zusammengefaltet, den Chefredakteur der linken &amp;quot;Libération&amp;quot;. Der hatte es nämlich gewagt, den Staatschef zu fragen, ob sein barockes Regiment nicht langsam zur &amp;quot;Wahlmonarchie&amp;quot; ausarte, so wie er mal hier und da rum- und reinregiere. &amp;quot;Die Frage zeigt Laurent Joffrin von &#039;Libération&#039; in Hochform&amp;quot; höhnt der Präsident und erklärt die Monarchie-Idee natürlich für Quatsch. &amp;quot;Es gibt eine Verfassung, Monsieur Joffrin!&amp;quot; Er, Sarkozy, nehme die Niederlagen wie die Erfolge auf seine Kappe, seine Minister dürften sagen, was sie wollen und: &amp;quot;Wenn es Fehler gibt, dann zahle ich. Und ich zahle in Cash.&amp;quot;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;David Martinon ist wohl kaum der einzige Autor des Drehbuchs für diesen Vormittag. Für solche Aufgaben hat Sarkozy gewichtigere Gurus, etwa seinen Berater Henri Guaino, der immer die kommunitaristischen Philosophen herauskramt, die der Präsident anschließend zitiert. Martinon ist kein Guru. Er ist einer aus der jungen Garde des Präsidenten, den dieser zu seinem Sprecher gemacht hat. Und noch mehr: Er hat Martinon auf den Kandidatenposten für die Bürgermeisterwahl im Nobelvorort Neuilly-sur-Seine gesetzt. Das ist ein besonderer Posten, den ab 1983 für fast 20 Jahre Sarkozy selbst innehatte. Martinon muss also zwei politische Spiele gewinnen, das hier heute Morgen und das im März in Neuilly, wo seit ewigen Zeiten die Rechte regiert. Und nur bei dem Spiel hier heute morgen geht es um Stillhalten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sarkozys &lt;a href=&quot;http://www.ftd.de/politik/europa/:Politik%20Spontanit%E4t/301074.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;erste große Pressekonferenz&lt;/a&gt; soll ein Signal der Öffnung sein. Frühere Präsidenten haben an dieser Stelle einen feierlichen Neujahrsempfang für die Presse abgehalten. Der Präsident hat den Vertretern der Medien seine besten Wünsche übermittelt. Ein Vertreter der Élysée-Presse hat dem Präsidenten seine besten Wünsche übermittelt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Öffnung hin oder her, natürlich ist die Sache eine Inszenierung. Das kann man schön daran sehen, wie gleich als zweite Fragerin eine Journalistin des im vergangenen Jahr vom Staat gegründeten Senders France 24 aufsteht und Sarkozy fragt, wie es denn nun mit seiner Hochzeit stehe. &amp;quot;Nun,&amp;quot; sagt Sarkozy. Er wundere sich, dass die Frage nach seinem Privatleben erst als zweite komme. &amp;quot;Écoutez,&amp;quot; (hören Sie), sagt er. Er rollt theatralisch die Augen. &amp;quot;Wie soll ich es Ihnen am besten sagen...&amp;quot; Dann folgt die Antwort, die kurz darauf über die Nachrichtenagenturen der Welt läuft. Am Ende eines längeren Diskurses über das Interesse der Medien an seinem Privatleben und darüber, dass man nie gewagt hätte, seinen Amtsvorgängern solche Fragen zu stellen, sagt Sarkozy, dass er natürlich mit dieser Frage gerechnet habe. Man kann sich gut vorstellen, wie der Präsident seine Antwort mit seinen Vertrauten geübt hat. Vielleicht auch mit David Martinon, der am Donnerstag immer eine Pressekonferenz gibt und stets sagt: &amp;quot;Dazu habe ich überhaupt keinen Kommentar abzugeben,&amp;quot; wenn es um die Frauen des Präsidenten geht.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Präsident ist dann schnell weg, merkwürdigerweise auch der steife Diener in Galauniform, der die ganze Zeit mit einem Silbertablett rechts unterhalb des Präsidentenpodiums stand. Auf dem Silbertablett stand ein Glas Wasser. Die Journalisten, die jetzt nicht ihre Texte absetzen müssen, delektieren sich an Champagner, Schaumsüppchen mit Trüffeln oder anderen präsidialen Köstlichkeiten. In einer Wahlmonarchie würde es nicht viel anders hergehen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Foto (zum Vergrößern anklicken): David Martinon lauscht seinem Chef&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;br/&gt;</dc:description>
    <dc:subject>Allgemein</dc:subject>
    <dc:date>2008-01-08T20:29:52Z</dc:date>
    <dc:creator>Meier</dc:creator>
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  <item rdf:about="http://www.ftd.de/blog/15_quatre-septembre/archive/832_momente_in_paris.html">
  <title>Momente in Paris</title>
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  <dc:description>&lt;p&gt;Am ersten Tag des großen Streiks liegt noch warmer Herbstduft in der
Luft. Die Straßen der Stadt sind gepackt voll. Über dem Arc de Triomphe
steht in der Dämmerung schon der Mond. Plötzlich schwillt das
Hupkonzert an. In Minutenfrist riegelt die Polizei hinter dem Place de
la Concorde die Champs Élysées ab. Auch von der anderen Seite versiegt
der Strom der Autos. Während der blaue Himmel ein blauschwarzer Himmel
wird, kann man die Gunst der Stunde nutzen und Herr der Prachtstraße
werden: Allein mit dem Fahrrad auf der Mitte des einsamen Boulevards;
lauschen, wie die Stille der Stadt aus ihren Verstecken kriecht.
Dahinten, am Triumpfbogen drängen sich die Rücklichter in einer
Parallelwelt. Es dauert nicht lang und die Polizei gibt die Straße
wieder frei. Wie schnell der Zauber vorbei ist! Hinten, im
Neubauquartier La Défense leuchtet jetzt hell der Mond und sieht ganz
unbeeindruckt dabei aus.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Am Abend vor dem entscheidenden Wahlgang
ist die Weinbar Le Baron Rouge gedrängt voll. Die Mädchen hinter dem
Tresen tragen alle ihre Ségolène-T-Shirts, sie machen die Gläser heute
ein bisschen voller als sonst. &amp;quot;Die letzte Runde bitte,&amp;quot; rufen Sie und
&amp;quot;morgen beginnt die Zukunft - sorgt dafür.&amp;quot; Vor der Bar wollen sich die
Grüppchen noch nicht zerstreuen. Wie herzlich Menschen sein können, so
lange ihnen alles möglich scheint! Es wird keine zwanzig Stunden mehr
so sein.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das Gedränge am Place de la Concorde. So viele blaue
Fahnen, aber so wenig ausgelassen scheint der Jubel. &amp;quot;Ni-Co-Las&amp;quot;, rufen
sie, &amp;quot;Ni-Co-Las&amp;quot;. Mädchen in Sommerkleidern Männer in den Dreißigern,
die ihre Motorroller im Blick behalten, ein paar Ehepaare, die üblichen
Schaulustigen. So lange dauert es, bis der Sieger des Abends kommt und
dann kommt er ganz unscheinbar hochgeklettert, umringt von Freunden
oder Unterstützern. &amp;quot;Da ist Cécilia&amp;quot; rufen plötzlich einige in der
Menge, ein bisschen merkwürdig, dass die lange vermisste nun plötzlich
da ist. Dann geht Nicolas Sarkozy nach vorne, schneidet eine Grimasse
und sagt &amp;quot;Meine lieben Freunde!&amp;quot; Jubel. Der neu gewählte Präsident muss
an sich halten. &amp;quot;Dieser Sieg bedeutet die Öffnung!&amp;quot;. Später am Place de
la République, wo sich die Gegner versammelt haben, die enttäuscht
aussehen, müde, deren bunte Kleider herunterhängen. Die Polizeisperre
will ein Ehepaar nicht durchlassen, das auf dem Heimweg ist, andere
springen ihm bei, es wird hitzig, die Polizisten holen ihre
Gummiknüppel heraus. Das Land wird sich schnell an Nicolas Sarkozy
gewöhnt haben, obwohl er doch so vieles anders macht, als das Land
gewöhnt ist.&lt;br /&gt; &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Für die acht Euro, welche die Fahrt mit dem
Riesenrad vor den Tuileries kostet, wird man zum Beherrscher der Stadt.
Manchen wird schlecht, wenn die Gondel sich über die Dachfirste erhebt.
Da steigt Montmartre auf, hier unten liegt Montparnasse! Als die Gondel
ganz oben im blauen Himmel hängt, hält das Rad an. Es schaukelt ein
bisschen. So kann es bleiben.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Seit Jahren war es nicht so kalt in
Paris im Dezember. Was für eine Kraft an einem solchen Tag die Sonne
hat, und welche Macht das Himmelblau, rein visuell betrachtet! Ein
breiter Sonnenstreifen trennt das nördliche Drittel der Tuileries ab,
fast alle Sonntagsspaziergänger spazieren auf dieser Seite. Ein Weg,
eine Treppe, ein Durchgang führen hinunter zur Seine. Dort steht am
Anfang eines Fußgängertunnels ein Trompeter. Er hat noch die Sonne auf
sich, aber der Tunnel, in dem er steht, verhindert, dass seine Töne
ganz verwehen. &amp;quot;Der übt hier nur,&amp;quot; sagt B. Stimmt, er will gar kein
Geld, nur seine Klänge für sich behalten will er.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Im Café de la
Paix wartet man nicht lange auf seinen Kaffee an diesem Morgen. Auf der
Straße vor der Oper ein Pfeifen. Es sind Polizisten, die die Strecke
absperren. Da kommt der Konvoi. Mercedesse, Geländewagen, dann die
große, weiße Stretch-Limousine. Wären nicht die grünen Standarten, man
fragte sich, welchem Popstar eine solche Sonderbehandlung zukommt. Das
Auto direkt hinter der Operettenlimousine des libyschen
Revolutionsführers hat etwas auf dem Dach, das wie ein Raketenwerfer
aussieht. Schon ist die Kolonne vorbeigerast. Jetzt wird auch der
Kaffee serviert&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Wärme ist seit Wochen in der Stadt, als das
Halbfinale der Rugby-WM ausgetragen wird, doch heute hat sie etwas
drückendes bekommen. England führt, doch Frankreich gibt die Hoffnung
nicht auf. Die Menge vor der Bar an der Straßenecke stimmt die
Marseillaise an. Da öffnet sich gegenüber im zweiten Stock ein Fenster.
Die Dame, die die Spitzengardine beiseite schiebt, ist bestimmt über
80. Sie gehört also nicht zu der Generation, der es nichts ausmacht,
den Menschen von der Straße ein Blick auf ihr Nachtkleid zu erlauben.
Die Rugby-Fans drehen sich um. &amp;quot;Kommen Sie runter Madame,&amp;quot; rufen Sie
&amp;quot;unterstützen Sie die Blauen.&amp;quot; Der Ruf wird zum Chor. Die alte Dame im
Nachthemd schließt verschrocken das Fenster. Frankreich hat das
Halbfinale verloren.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Auf dem Weg nach St. Germain auf der anderen
Seite der Seine wehen Klänge durch den Sommer, die man seit 20 Jahren
vergessen glaubte. &amp;quot;Quand tu souris et quand tu ris Je ris aussi, tu
aimes tellement la vie&amp;quot;. Tatsächlich, das ist &amp;quot;Marcia Baila&amp;quot;, der große
Hit der Rita Mitsouko von damals. Jetzt hat Paris Plages zu einem
Open-Air-Konzert am Seine-Ufer die Gruppe eingeladen, die
eben ein großes Comeback erlebt. Doch es ist keine Zeit zu bleiben, die
Verabredung in St. Germain wartet. Macht nichts, es wird noch mehr
Rita-Mitsouko-Konzerte geben. Das war ein Irrtum: Anfang Dezember
melden die Nachrichtenagenturen, dass Fred Chichin, die eine Hälfte des
Duos, an Krebs gestorben ist.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Schiffe auf dem Wasser im
Jardin du Luxembourg fahren wohin sie wollen. Noch einmal verlängert
der Vater des Jungen am Stand an der Seite die Miete für das kleine
rote Segelboot. Es segelt heute hart am Wind, der Wind bläst die Hälfte
des Decks unter Wasser. Da kommt es zum Rand und der Junge stößt es mit
seiner Stange ab. Die große Fahrt könnte lange weitergehen,
weitergehen, ohne dass es ein Ufer gibt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es brennt in
Villiers-le-Bel. Erst von der Autobahn aus sieht man, wie flach die
Gegend ist. Und dann die klare Sicht in dieser Novembernacht, in der
der Nebel erst langsam aufzusteigen beginnt: Am Horizont der fast
dreißig Kilometer entfernte Eiffelturm. Der Weg aus dem Pariser Vorort
hinaus war ein Slalom um Barrikaden und brennende Autos. Jetzt sieht
man die schwarze Rauchwolke, die noch lange nach oben steigt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Natürlich
gibt es Champagner, auch auf diesem Fest, zu dem die deutsche Botschaft
geladen hat. Routiniert schenkt der Kellner ein ums andere Glas aus der
Flasche, die zwischendurch in einem silbernen Weinkühler steht. Doch zu
vorgerückter Stunde ist die Champagnerflasche nicht mehr allein im
Silbertopf. Daneben steht eine Halbliterdose Bier aus Bayern.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Herbst.
Wenn es am Sonntag auf dem Markt am Place d&#039;Aligre auf Mittag zugeht
ist Eile geboten. Wer dann eine Handvoll Feigen will, hat unversehens
eine ganze Kiste auf dem Arm. &amp;quot;Nimm sie mit! Für drei Euro&amp;quot; Wer kann da
widerstehen? Um halb zwei dürfen die Händler nichts mehr verkaufen, die
Polizeistreife achtet streng darauf. Die Feigenmarmelade wird wohl bis
zum Frühling reichen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ein Sommermittag auf dem Place de Vosges; &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sonnenuntergänge am Fuß der Ile St. Louis;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Basketballspieler im Jardin du Luxembourg;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sommerkino im Parc de la Villette;&lt;/p&gt;&lt;p&gt; oder &amp;quot;Moulin Rouge&amp;quot; auf der Leinwand vor St. Eustache;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;der
Sonnenschein am Morgen bei einer Landung in Roissy aus Berlin kommend
im tiefen November, der in Paris dieses Jahr nicht grau ist;&lt;/p&gt;&lt;p&gt; das
Theater oben jenseits des Gare du Nord, das so viel Platz zu habenn
scheint, weil der Putz von den Wänden blättert und weil die alten Möbel
fehlen;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Vor Sonnenaufgang im &amp;quot;La Perle&amp;quot;;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sonntagnachmittage am Canal St. Martin.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;(wird fortgesetzt)&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;b&gt;Joyeux Noël et Bonnes Fêtes à toutes et à tous!&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;br/&gt;</dc:description>
    <dc:subject>Allgemein</dc:subject>
    <dc:date>2007-12-21T21:04:33Z</dc:date>
    <dc:creator>Meier</dc:creator>
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  <title>37, quai d&#039;Orsay. Glanz und Elend bei Bernard Kouchner</title>
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  <dc:description>&lt;p&gt;Die Tür zum Büro von Bernard Kouchner ist vielleicht vier oder fünf Meter hoch. Wenn man lange genug durch die hohen Säle des Außenministeriums spaziert ist, erscheint einem die riesige Tür zum Ministerbüro ebenso normal, wie die in Frack gekleideten Saaldiener mit ihren Silberketten, wie die barocken Wulste, die sich von den Decken wölben, wie das zarte Glöckchen, das im Salon de l&#039;Horloge die vollen und halben Stunden angibt. Der Salon de l&#039;Horloge ist der Festsaal in diesem Haus, von dem aus seit 151 Jahren die Diplomatie der französischen Republik verwaltet wird - die Kriege, das Weltreich, die Rückzüge, die neu formulierten Ansprüche.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;An diesem Abend steht in diesem Salon ein riesiger Weihnachtsbaum und es wird Champagner ausgeschenkt. Die Mitarbeiter des Hauses begegnen einander mit Vorsicht und Ehrfurcht, ebenso halten es heute die Gäste. Wie sollte man sich anders verhalten, in einem solch respektgebietenden Gebäude? Höchstens kann man zum Kaminsims gehen, auf dem eine große Freiheitsgöttin steht, die deutlich frivoler daherkommt, als ihre strenge Schwester auf Liberty Island vor New York oder deren Vorbild, das heute im Musée des Arts et Métiers hier in Paris steht. Die Freiheitsgöttin vom Quai d&#039;Orsay hat die Arme weiter geöffnet, ihr Gewand, weich schwingend hier, nicht mit harten Falten wie dort, ist ihr schon von der schönen Brust gerutscht. Viel scheint nicht zu fehlen, dass die Freiheit ganz ohne dasteht.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Im Vorzimmer steht ein großer Globus, der nur von Ferne aussieht, als sei er antik. Wenn man näher herantritt, sieht man, dass die Welt aus bedrucktem Papier auf die große Kugel geklebt ist, dass die Länder die Namen und Formen von vor zwanzig Jahren haben. Später dann muss ein Mitarbeiter einen Aufkleber mit den Buchstaben &amp;quot;EX&amp;quot; vor den riesigen Schriftzug &amp;quot;Union des républiques socialistes soviétiques&amp;quot; geklebt haben. Er muss versucht haben, neue Grenzen einzuzeichnen, genau die Umrisse etwa des kleinen Sloweniens einzumalen. Bei der innerdeutschen Grenze scheint ein Radiergummi sehr brauchbar gewesen zu sein, nur dass jetzt das ganze Land den Namen &amp;quot;République démocratique allemande&amp;quot; trägt, das gegenüberliegende &amp;quot;R.F.A.&amp;quot; ist verschwunden. Unten auf dem Globus, irgendwo im Atlantik, ist ein großer barocker Fantasiewappenkranz, in dessen Mitte ein Farbbild mit François Mitterrand, als sei der der Beherrscher dieser Welt. &amp;quot;Ein Geschenk aus den Achtziger Jahren von irgendeinem afrikanischen Herrscher,&amp;quot; erzählt der Sprecher des Außernministeriums.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der &amp;quot;Quai d&#039;Orsay&amp;quot; oder auch nur der &amp;quot;Quai&amp;quot;, wie das Außenministerium in Frankreich seiner Adresse nach nur genannt wird, ist das einzige Ministerium in Paris, das in einem Gebäude residiert, das extra dafür gebaut wurde. Die diplomatische Karriere des Salle de l&#039;Horloge fing an mit der Konferenz die dem blutigen Krimkrieg (1853-56) folgte, später fand in den großen Hallen etwa die Friedenskonferenz von 1919 statt, der Auftakt zum Versailler Vertrag.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wie groß der Schritt ins friedliche Europa demgegenüber ist, konnte sehen, wer am Mittwoch früh zum Quai d&#039;Orsay kam. In aller Frühe saß hier im Grande Salle à Manger - dem nicht minder glanzvollen Nachbarsaal des Salon d&#039;Horloge - jene illustre Runde zusammen, die Minister Kouchner einberufen hat, damit sie ihm oder den Franzosen oder uns allen &amp;quot;Orientierung für Europa&amp;quot; gibt. Ein paar Ex-Minister, ein hochmögender Fernsehjournalist, der Schriftsteller Erik Orsenna aber auch ein kleiner Mann mit Bart, Pullover und Lederjacke, der ziemlich fehl am Platze guckt. Das ist der Designer Philippe Starck, der ja schon mit der Zitronenpresse, die wie ein Ufo aussieht, einer Menge Leuten Orientierung gegeben hat.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Man kann lange in den großen Hallen umherlaufen, hier zur Seine herausblicken, dort zum riesigen Garten, kann sich überlegen, ob man mal an der riesigen Tür klopft, immerhin ist das Ministerbüro der einzige Zugang zur großen Gartenterasse (aber der Minister weilt gerade in Indien).&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Und doch wird man dem Wesen des Quai d&#039;Orsay nicht näher kommen, wenn man sich nicht zufällig verläuft. Dann führt der Weg in lange dunkle Flure mit knarzendem Holzbelag, deren Charakter kafkaesker wird, je länger man sie durchschreitet. Graue Männer sitzen an den Tischen, unwillkürlich fragt man sich, ob hier noch der Kolonialbesitz verwaltet wird, weil jemand vergessen hat, ihnen Bescheid zu sagen. Oben am Ende des Gangs fordert ein schmaler junger farbloser Mann, Jacke und Tasche in einen einfachen Verschlag zu stellen, er schließt ab, dann nimmt er den Schlüssel an sich. Hier oben ist es eng, es riecht nach Reinigungsmitteln, es ist das Archiv des Quai d&#039;Orsay. Wenn man sagt, dass man sich verlaufen hat, erhält man seine Sachen zurück und kann seine Erkundung durch die dunklen Ecken des Gebäudes fortsetzen.&lt;/p&gt;Am Tag nach dem Empfang im Salle de l&#039;Horloge, schon wieder ein Termin im Quai d&#039;Orsay. In der schäbigen Pförtnerloge wird ein Kasten Taittinger-Champagner nach dem nächsten angeliefert, eine ganze Sackkarre braucht der Bote, um die Pakete weiterzuverteilen, die an Mitarbeiter des Ministeriums adressiert sind. &amp;quot;Das ist für die Europaabteilung,&amp;quot; flüstert einer. Vielleicht ist das Leben hinter den Türen in den dunklen Fluren doch nicht so freudlos, jedenfalls kurz vor Weihnachten.&lt;br/&gt;</dc:description>
    <dc:subject>Allgemein</dc:subject>
    <dc:date>2007-12-21T18:13:06Z</dc:date>
    <dc:creator>Meier</dc:creator>
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  <title>Nachtrag zu DHL. Welche Logistiker ihre Arbeit tun und welche nicht</title>
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  <dc:description>&lt;p&gt;Selten hat ein Beitrag auf diesen Seiten so viele Reaktionen, Nachfragen, so viel Anteilnahme per Mail ausgelöst, wie &lt;a href=&quot;http://www.ftd.de/blog/15_quatre-septembre/archive/788_warnung_vor_dhl.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;die kleine Episode mit DHL&lt;/a&gt; &lt;i&gt;(nur wenige der Reaktionen sind leider in den Kommentaren nachzulesen, warum das so ist, steht dort)&lt;/i&gt;. Zur Erinnerung, DHL, das ist jene Tochter der Deutschen Post, die laut dieser &amp;quot;weltweit als Synonym für Zuverlässigkeit, Schnelligkeit und globalen Service steht&amp;quot;, aber dabei manchmal Augen, Ohren und Filialen zuschließt. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es gibt zwei Gründe, noch einmal auf die Sache zurückzukommen. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der erste ist ein Brief von DHL. &amp;quot;Für die Ihnen entstandenen Unannehmlichkeiten bitten wir im Namen der Geschäftsleitung in aller Form um Entschuldigung,&amp;quot; schreiben dort Frau Z. und die nette Frau F. vom DHL-Kundenservice, mit der ich mehrfach telefoniert habe. Desweiteren kündigen die Damen an, das Geld, das DHL für ein Leistungsversprechen kassiert hat, das die Firma nicht halten konnte, zurückzuüberweisen. Das mag manchem selbstverständlich scheinen, DHL scheint es &amp;quot;kulant.&amp;quot; Schließlich will die Firma noch eine Flasche Wein schicken. Mal sehen, was das für ein Wundertropfen ist, den sich die Logistiker ín den Keller legen, damit deren Genuss die Kunden das Ausmaß ihres Versagens vergessen lässt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Für die durch die Fehlleistung der Firma entstandenen Kosten haften möchte DHL nicht - auch wenn Frau F. sich nach eigenen Angaben zwischenzeitlich dafür verwendet hat. Vielleicht darf man nicht zu viel erwarten von einem Unternehmen, dessen Hotline-Mitarbeiter von vornherein ungefragt darauf hinweisen, dass man mit Schadenersatzansprüchen gar nicht erst zu kommen brauche - und zwar zu einem Zeitpunkt, zu dem die Mitarbeiter den Schaden noch abwenden könnten, wenn sie ihre Mühe darauf verwenden würden anstatt darauf, ihre Kunden davor zu warnen, Forderungen zu stellen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es ist Weihnachten, wir alle sollen Milde walten lassen, und die großherzige Entschuldigung folglich annehmen. Fehler kommen vor, Fehler einzugestehen muss man lernen, da darf man die Hoffnung nicht aufgeben. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das gilt auch für die fromme Hoffnung, dass derlei Fehlereingeständnisse auch solche Kunden erhalten, die nicht als Journalisten arbeiten. Um das Bild zu vervollständigen, muss nämlich noch erwähnt werden, dass der freundlichen Aktivität von Frau F. ein Beschwerdeanruf bei der DHL-Pressestelle vorausging. Mit einem privaten Anliegen den Pressesprecher anrufen, das ist eigentlich so ziemlich das Letzte, was ein anständiger Journalist tun sollte. Denn es gibt keinen vernünftigen Grund, eine privilegierte Behandlung zu beanspruchen, nur weil man diesen Beruf hat. Einerseits. Was soll man, andererseits, aber tun, wenn man verzweifelt feststellt, dass sich keiner derjenigen um die Sache kümmert, die auf normalem Wege erreichbar sind? In diesem Fall würde ich auch dem normalen Kunden raten, sein Glück über die Pressestelle zu versuchen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es gibt einen zweiten Anlass, noch einmal auf DHL zurückzukommen. Der Zufall hat mich dieser Tage zu einem Kunden der Konkurrenz gemacht. Was tut so ein gebranntes Kind, wenn es eine eilige Sendung von Paris nach Berlin schicken muss? Es betritt voller Glauben an das Gute im Menschen eine Filiale von La Poste in Paris und wird zum Kunden von deren Tochter Chronopost. Und siehe da: Sie wollen rund 5 Euro weniger als DHL und versprechen mehr, nämlich die Lieferung bis zum nächsten Tag. Und zwar versprechen im Sinne von versprechen. Nicht im Sinne von &amp;quot;das mag ihnen die Mitarbeiterin beim Verkauf so gesagt haben, dass wir binnen 48 Stunden zustellen, aber mehr als eine unverbindliche Regellaufzeit können wir für 42,20 Euro niemals zusagen, das wissen die Schalterfrauen oft nicht&amp;quot;, wie bei der Konkurrenz.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Gut, versprochen wird viel. Bei Chronopost aber und deren deutschen Partner TNT bekommt man auf Wunsch eine Mail oder eine SMS immer dann, wenn die Sendung einen neuen Ort erreicht hat. Es lässt sich ein fester Liefertermin vereinbaren. Und die Dame an der TNT-Hotline versichert: &amp;quot;Sollte die Zustellung nicht möglich sein, muss sich der Fahrer bei uns melden. Wir rufen dann in jedem Fall die angegebene Nummer an&amp;quot;. Anders also als bei DHL in Paris, wo ja die Fahrer nach Angaben der Hotlinemitarbeiter nicht einmal ein Telefon haben. 24 Stunden und zehn Minuten nach der Einlieferung bei der Pariser Postfiliale ist die Sendung in Berlin bei der Empfängerin (und das bei verschärften Bedingungen: Gegensprechanlage kapputt, Tür zu und die Adresse im Hinterhof muss man auch erst einmal finden).&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Auch DHL aber möchte mir jetzt &amp;quot;beweisen, dass es auch besser geht&amp;quot;, wie die Kundenbetreuerinnen schreiben. Es wird der Tag kommen, das auszuprobieren.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wenn solche Erlebnisse zu irgendetwas gut sind, dann um mehr darüber zu lernen, wie man den modernen Dienstleistungsirrsinn als Kunde am besten besteht. Ich habe Frau F. also eine Mail geschrieben, mit der folgenden Frage:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;&lt;font size=&quot;2&quot;&gt;Da Sie mit derlei ständig zu tun haben, wollte ich Sie rein interessenhalber noch fragen, welche Sorte unzufriedene Kunden am meisten Aussicht auf Verständnis und Zuwendung haben:&lt;/font&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;i&gt;&lt;font size=&quot;2&quot;&gt;&lt;/font&gt;&lt;/i&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;&lt;font size=&quot;2&quot;&gt;a. jene die rumschreien und Sie haltlos beschimpfen?&lt;/font&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;&lt;font size=&quot;2&quot;&gt;b. die, die anfangen, zu heulen und vor Fassungslosigkeit keinen rechten Satz sagen können?&lt;/font&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;&lt;font size=&quot;2&quot;&gt;c. solche, die sich schon wieder abgeregt haben und versuchen, das ganze Versagen mit Humor zu nehmen, damit sie nicht verzweifeln müssen (also solche wie ich)?&lt;/font&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mit der Antwort müssen wir uns noch etwas gedulden. Es könnte sein, das viel zu tun ist in der Beschwerdeabteilung in diesen Tagen. &lt;/p&gt;&lt;br/&gt;</dc:description>
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