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FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND
09. Februar 2010 17:11 Uhr

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China erschüttert

Hart | 12. Mai 2008 09:25 Uhr

UPDATE 19.Mai: das ist zur Ergänzung vielleicht noch sinnvoll - auf den Seiten von CNReviews gibt es eine sehr ausführliche Übersicht über Spendenmöglichkeiten verschiedener Organisationen. Ob die Sammeldose in den Büros oder das Spendenkonto bei der Bank: die Hilfe ist nötig, mittlerweile kristallisiert sich heraus, dass Millionen ihre Familien, Häuser, Heimatdörfer verloren haben und ohne jegliche Mittel sind, um Lebensmittel oder Medikamente zu kaufen.

UPDATE 15:00: Sonderseite der Xinhua-Nachrichtenagentur, mit relativ regelmäßigen Updates. Allerdings mehr eine Art Death Toll Counter, wenig Analyse oder praktische Hinweise für die Betroffenen oder Helfer.

UPDATE 14:30: die ersten Hilfsorganisationen haben Möglichkeiten zur Spendenannahme eingerichtet. Eine Übersicht dazu für Möglichkeiten innerhalb Chinas gibt es hier. Die üblichen internationalen Organisationen (Rotes Kreuz usw.) sind natürlich auch bereits verfügbar. Eine Übersicht für Leser aus Deutschland habe ich noch nicht gesehen, aber ich nehme an, dass es hier beim ZDF bald einen entsprechenden Eintrag geben wird.

Um den Faden der Informationsgesellschaft einmal wieder aufzunehmen: Interessante Betrachtungen eines Twitter-Users gibt es hier bei Kaiser Kuo, er stellt sich die Frage, ob durch die neue Unmittelbarkeit der Informationsverbreitung der Grad der Informiertheit tatsächlich zugenommen hat. Ich darf für mich sagen: nein, die akkuratesten Meldungen kamen durchweg von renommierten Medien oder Agenturen. Das Rauschen subjektiver Impressionen wird natürlich durch QQ, MSN, Twitter und Verwandte deutlich verstärkt, und diese subjektive Authentizität ist sicher eine neue Dimension des Bildes, das man sich von einer Katastrophenregion machen kann. Allerdings sind diese ungefilterten Eindrücke schwieriger zu verarbeiten - sich auf dieser Grundlage ein Bild zur Lage zu formen, oder gar Hilfe zu organisieren, dürfte zu kompliziert sein.

UPDATE Dienstag, 10:00: Nachdem es in Beijing keine Nachbeben, aber Nachfragen gab, sind ein paar interessante Hintergrundberichte zur Erdbebensicherheit erschienen. Unter anderem schreibt Times of India über ein Interview mit dem leitenden Ingenieur der olympischen Wettkampfstätten, und dieser betont, dass alle Bauten für ein Erdbeben Stärke 8 ausgerichtet seien. Das heißt, wären sie in Sichuans Epizentrum gestanden, dann wären sie mit recht hoher Wahrscheinlichkeit eingestürzt? Beunruhigend. Das Beben in Beijing wurde mit maximal 3,9 gemessen.

UPDATE 21:25: Seit etwa einer Stunde ist der DSL-Anschluss tot. Telefon geht, aber ich könnte mir vorstellen, dass all die nationale und internationale Aufmerksamkeit die Leitungen überfordert. Also wer weiß, wann diese Aktualisierungen online gehen können. Ah jetzt: 22:20

UPDATE 20:30:Die Warnung vor einem abendlichen Nachbeben (oder einem separaten Nordchina-Beben, vermutlich waren es unterschiedliche Zentren) scheint relativiert zu werden. Offenbar ein Missverständnis unter den Behörden.

Nachtrag 20:15: Meinen ersten Eintrag von heute nachmittag, entstanden in der Vermutung, das Beben sei nicht viel mehr als eine kleine Erschütterung und hätte vor allem die Nerven übernervöser Medienberichterstatter belastet, würde ich jetzt nicht mehr schreiben. Eine Fehleinschätzung der Ernsthaftigkeit des Bebens hat mich unangemessen flapsig sein lassen. Ich hoffe, niemand fühlte sich dadurch verletzt. Falls doch: das war daneben, entschuldigung!

UPDATE 16:46: Es scheint, als würde man in Beijing großen Respekt vor weiteren Beben haben. Es gab offenbar Evakuierungen großer Geschäftsgebäude an der ChangAn Jie. Meine Kollegen erzählen, für heute Nacht seien weitere Beben gemeldet worden. Hier Bilder von den ratlos erregten Menschenmassen. Telefonieren nach Sichuan? Keine Chance . . . Regelmäßige Updates scheint The Beijinger zu bringen.

Dort steht zu lesen: Gerüchteweise Nachbeben bis zu Richter-Skala 6 um 5 Uhr (jetzt), und dann heute nacht zwischen 22 und 24 Uhr.

Ergänzung 17:07: Es ist nicht überraschend, dass die Behörden und auch die Bevölkerung in Beijing stärker reagieren als man das in Deutschland erwarten würde. Deutschland kennt keine starken Beben - aber wer (wie mein Kollege F. hier im Büro) damals mitten drin war, als das TangShan-Beben die Welt aufriss und mindestens 250 000 Menschen tötete, der hat andere Impulse, wenn es "ein bisschen wackelt". Fragen Sie die Kriegszeugen, die sich tage- und wochenlang vor dem Bombenhagel in den Bunkern verkrochen, weshalb sie noch heute zucken, wenn Feuerwerk gezündet wird oder ein Motarrad eine Fehlzündung hat. Die Vorzeichen von etwas Bösem, sagt Kollege F., muss man nur einmal kennen lernen, und die Erinnerung wird bleiben.

UPDATE 15:00: gar nicht wahr mit dem Einstürzen natürlich, aber "raus, raus" scheint man gerufen zu haben. Das ist doch schon was. In unserem Büro ist es so laut und vibriert ständig von den 18 angrenzenden Straßen, dass wir natürlich nichts mitbekommen haben.

Ursprünglicher Eintrag Montag 15:25 Ortszeit

"Als das Lamm das sechste Siegel öffnete, gab es ein gewaltiges Erdbeben. Die Sonne wurde schwarz und finster und der Mond grau wie Smog. Die Hochäuser im Central Business District wankten und stürzten in sich zusammen, und die neue kapitalistische Mittelschicht versank samt ihren Audi-Limousinen in dem Höllenschlund, aus dem sie gekommen war."

Ich will ja nicht unken, aber das Erdbeben, das sich gerade von Sichuan aus über halb China hinweg erstreckt und für intensive Online-Recherche meiner Kollegen sorgt, ist sicherlich so etwas wie eine Bestrafung für CNN wegen derer unfairen Berichterstattung. Oder für Japan, wegen der unfairen Lebensmittelsicherheitsdebatten. Oder für meine Frau, weil sie da gerade unterwegs ist, mitten drin im Epizentrum. Repent! Repent! Oh widersaget den olympischen und separatistischen Verlockungen, denn das Ende ist nah!

Jetzt wurde uns das politische Erdbeben zwar vorenthalten, das echte kann man dafür als quasi metaphorisches nehmen und seine Interpretationen darüber hinweg spinnen.

"Angst und Schrecken ergriff die Mächtigen und Herrscher der Erde, die Heerführer, die Reichen und die Starken, die Herren ebenso wie ihre Untergebenen."


Kommentare

die Deutschen

Ist doch klar, die Deutschen haben beim Sound Check zur Deutschland Promenade mal wieder zu stark am Regler gedreht - das hat alles ausgelöst.

Grüsse aus Chongqing
(hier geht auch kein Telefon mehr, aber Internet)
Michael
going2china.blogspot.com

Michael | 12. Mai 2008 11:52 Uhr


Chongqing ahoi!

Ja, genau auf der Promenade treibt sich meine Frau auch rum, und hat immerhin schon wieder SMS schreiben können. Möge die Bausubstanz halten!

Thomas | 12. Mai 2008 13:41 Uhr




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