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FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND
28. November 2009 10:51 Uhr

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Schulpflicht ab 6 - Kindergartenpflicht ab 3!

Schimpf | 16. Januar 2006 17:49 Uhr

Es fehlt der Mut zum großen Wurf. Mal wieder nur klein-klein. Im wahrsten Sinne des Wortes, schließlich streitet die GroKo über die richtige steuerliche Förderung der Kinderbeutreuungskosten. Konkret geht es wohl darum, ob Ausgaben erst ab 1.000 Euro oder schon ab dem ersten Cent abgesetzt werden können. „Alle zurück auf die Plätze!“ möchte man da schreien.

Sich um steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten zu streiten, geht am Thema vorbei. Setzen, sechs!

Der einzige nennenswerte Reichtum, den Deutschland hat, sind die gut ausgebildeten Arbeitskräfte. Von deren Ideen und Einfällen lebt unsere exportweltmeisternde Wirtschaft. Wir alle also, jeder einzelne. An sich müssten alle Parteien egal welcher Couleur sich in einer Frage einig sein: wir müssen uns darauf konzentrieren, unsere jungen Menschen so gut wie möglich auszubilden.

Bis aber der Nachwuchs sechs Jahre alt ist, wird so getan, als gehe es nur die Eltern an, wie sie ihr Kind fördern und bilden und ob und wie viel Geld sie dafür ausgeben wollen.

Was für eine unglaubliche Verschwendung.

Wenn ein Kind erst einmal 6 Jahre alt ist, sind die Weichen schon oft gestellt. Platt gesagt: wenn die Kleine zwischen Entbindung und erster Klasse weitgehend vor dem Fernseher geparkt wurde, wird es das Kind schwer haben, mit denen mitzuhalten, die bereits seit drei Jahren in einem Kindergarten gefördert und gefordert wurden. Von Kindern, die in Parallelgesellschaften aufwachsen, ganz zu schweigen. Was in den ersten sechs Jahren versäumt wird, kann meist nicht wieder aufgeholt werden – die Lernfenster haben sich bereits wieder geschlossen. Wer bis sechs nicht deutsch kann, weil zu Hause nur arabisch gesprochen wird, lernt es kaum noch perfekt. Der Volksmund wusste das schon immer: was Hänschen nicht lernt...

Die beste Investition in die Zukunft unseres Landes wäre es, eine Kindergartenpflicht ab 3 Jahren einzuführen. Für alle, die hier leben. Für Deutsche, Ausländer, Arme, Reiche, Dicke, Dünne. Der Aufschrei wäre natürlich gewaltig. Die Konservativen würden fürchten, dass die Kinder von kommunistischen Erziehern indoktriniert werden. Die Liberalen würden sagen, dass die Eltern doch die Freiheit haben müssten, über die Ausbildung ihres Kindes in den ersten sechs Jahren selbst zu entscheiden. Die Gutmenschen werden argwöhnen, dass schon Kleinkinder unter Leistungsdruck gesetzt werden sollen und keine Zeit mehr zum Spielen hätten. Und so weiter.

Die Gegner der Kindergartenpflicht ab 3 Jahren werden listig vorschlagen, dass es doch reiche, wenn die Eltern das Angebot hätten, die Kinder ab diesem Alter in den Kindergarten zu schicken. Keiner wolle doch Zustände wie in der DDR, oder?

Mumpitz. Wir brauchen eine Kindergartenpflicht. P-F-L-I-C-H-T. Unsere Gesellschaft hat ein überragendes Interesse daran, dass die wenigen Kinder, die bei uns noch geboren werden, bestmöglich ausgebildet werden. Egal, welchen Pass sie haben. Egal, welcher ethnischer Herkunft sie sind. Egal, aus welcher Schicht sie kommen. Bildung und Lernen beginnt nicht erst mit 6 Jahren. Beides beginnt mit der Geburt. Die beste Investition in unser Land ist es, so früh wie möglich damit zu beginnen, den Lern- und Forschungsdrang der Kinder zu lenken, zu fördern und herauszufordern. Da darf keiner zu Hause allein vor RTL2 zurückgelassen werden.

Wer soll das bezahlen, werden die Gegner scheinheilig fragen. Kein Problem: schafft Studiengebühren überall ein und erhöht sie dort, wo es sie schon gibt. Überlebenswichtig für unsere Gesellschaft ist, dass alle Kinder eine faire Chance bekommen, das Abitur zu machen und damit überhaupt die Möglichkeit haben, zu studieren. Heute haben sie diese Chance nicht. Wer als Kind „sozial und finanziell benachteiligter“ Eltern geboren wird, hatte in Deutschland noch nie so schlechte Chancen, ein Studium anzufangen. Nicht etwa wegen der Studiengebühren. Sondern weil in der frühkindlichen Ausbildung und Förderung viel zu viel versäumt wurde.

Jedes Kind ab 6 Jahren hat heute ein Recht auf kostenlosen Schulbesuch. Jedes Kind ab diesem Alter hat auch die Pflicht, die Schule zu besuchen. Das ist Konsens. Niemand zweifelt ernsthaft daran, dass dies richtig ist. Wir müssen über hundert Jahre nach Einführung der Schulpflicht jetzt den nächsten Schritt machen: Jedes Kind ab 3 sollte ein Recht auf kostenlosen Kindergartenbesuch haben. Und die Pflicht, einen solchen zu besuchen. Das wäre das beste Investitionsprogramm in unsere Zukunft seit der Gründung der Bundesrepublik.

Für 25 Milliarden €, die der Bund als Konjunkturprogramm auflegen will, ließen sich schon eine Menge Kindergärtner einstellen und Kindergärtenräume anmieten. Das wäre eine Investition, die sich langfristig tausende von Malen mehr lohnen würde als irgendeine neue Autobahn in irgendeine strukturschwache Region zu klotzen.


Kommentare

Zustimmung auf ganzer Ebene!

Die vorstehenden Argumente finden ganz und gar meine Zustimmung. Vor allem was den Aspekt der Zukunft anbelangt, denn Bildung war bisher das einzige was uns den Wohlstand gebracht hat und in Zukunft werden wir unseren Wohlstand nur noch auf eine breite MAsse stützen können, wenn möcglichst viele Bürger über eine umfangreiche Bildung verfügen. Alles anderen dürfen vielleicht noch als Tellerwäscher oder Tütenpacker im Supermarkt arbeiten.
Es gibt noch weitere Aspekte für eine umfangreichere Kinderbetreuung. Es ist für viele extrem schwierig die Betreuung der Kinder zu finanzieren um zur Arbeit gehen zu können. Der Vorstoß von Frau von der Leyen geht da in die richtige Richtung. Wenn wir nur die Betreuung von Kindern über steuerliche Subventionen unterstützen helfen wir nur denen die einen hohen Steuersatz haben. Die, die wirklich finanzieller Unterstützung bedürfen zahlen keine oder fast keine Steuern.
Der Staat, der ja für das wohl der Bürger eintreten sollte!!!, hat in den letzten Jahren zwar über die Bildungsmisere gejammert, aber wirklich etwas getan hat niemand.
Es steckt wie immer alles in diesem Kleinstaatendschungel unseres föderalistischen Systems.
Die Anregung einer Kindergartenpflicht ab 3
kann nur über Steuern finanziert werden.
Dieses sollte berücksichtigt werden.
Denn, es ist doch auch selbstverständlich, daß unsere Kinder kostenfrei in die Schule gehen können!!

MatthiasUpmann | 17. Januar 2006 09:16 Uhr


Kleinstaatendschungel

Ich stimme Ihnen zu: der Kleinstaatendschungel des deutschen Förderalismus bedarf auch dringend eines großen Wurfes! Vor allem muss der Bundestag umfassend bei der Bundesgesetzgebung das letzte Wort haben, damit die Verantwortlichkeiten wieder klar werden und der Bundesrat nicht länger als Blockadeinstrument genutzt werden kann.

AdrianSchimpf | 17. Januar 2006 09:42 Uhr


"Unsere Gesellschaft hat ein überragendes Interesse daran, dass die wenigen Kinder, die bei uns noch geboren werden, bestmöglich ausgebildet werden."

Na das ist doch mal eine praktische Idee: Den Eltern, die noch Kinder in die Welt setzen, in die Erziehung reinreden.

Studiengebühren für Kindergartenplätze - was kommt als nächstes - Abiturgebühren zur Finanzierung von Krippenplätzen?

Antonia Witte | 01. August 2006 10:45 Uhr


Noch schlimmer

Ich bin auch dieser Meinung. Umso schlimmer, dass nun offensichtlich in der unmittelbaren Umgebung des Gesetzgebers die Abschaffung der Schulpflicht offen diskutiert wird!

Siehe
http://potsdamprotokoll.blogspot.com/

Rothemund | 05. April 2007 23:18 Uhr




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