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FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND
15. März 2010 01:21 Uhr

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Atomkraft - ja bitte!

Schimpf | 27. Oktober 2006 16:34 Uhr

Natürlich wäre es schön, wenn man den ganzen Strom, den Deutschland braucht, mit erneuerbaren Energiequellen erzeugen könnte. Irgendwann wird das wahrscheinlich sogar gehen. Aktuell aber beträgt der Anteil von Windkraft & Co. schlappe 10 % an der gesamten deutschen Stromproduktion. Selbst die kühnsten Ökooptimisten werden kaum ernsthaft behaupten wollen, dass sich dieser Anteil mit vernünftigem Aufwand in den nächsten 30 Jahren verlässlich auf 90 % steigern ließe.

Wir brauchen also, zumindest für einen gewissen Zeitraum, eine andere Lösung. Für die heimische Steinkohle spricht nichts. Der Abbau ist absurd teuer. Aber überhaupt ist jede Art von Kohle unverantwortlich. Deren Verfeuerung ist, glaubt man dem beinahe-US-Präses Al Gore, ökologischer Wahnsinn. Aktuell aber tragen Braun- und Steinkohlekraftwerke die Hauptlast der heimischen Stromproduktion.

Ich hätte ja nie gedacht, dass ich einmal die populistischen Das-Ende-ist-nah-Prophezeiungen der globalen Erderwärmungshysteriker für mich instrumentalisieren könnte, aber manchmal kommt Hilfe eben von unerwarteter Seite. Wenn wir also in unseren Kraftwerken weiterhin Kohle verbrennen, entsteht ganz dolle viel böses CO2, davon schmelzen die Pole, davon geht die Erde unter und wir müssen alle sterben. Das wollen wir ja nicht, oder?

Sich bei der Stromerzeugung statt dessen in die Abhängigkeit von Öl oder Gas zu begeben, würde die CO2-Bilanz nicht verbessern und wäre zudem russisches Roulette - bei Gas sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Blöderweise müssen diese beiden fossilen Energieträger größtenteils in Regionen aus der Erde gebuddelt werden, wo auch in den nächsten Jahrzehnten keine stabilen politischen Verhältnisse herrschen dürften. Die Mitgliedsliste der OPEC-Staaten liest sich wie eine kollektive Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Und dass die "lupenreinen Demokraten" im Kreml mit der Nonchalance sizilianischer Schutzgelderpresser den Gashahn zudrehen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, konnte man im letzten Winter live miterleben.

Es wäre daher mehr als sinnvoll, auch beim Heizen nicht auf Gas, Öl oder Kohle zu setzen. Sondern auf sauberen Strom. Auf Atomstrom. Die Nutzung der Kernkraft ist ökologischer als das Verbrennen von Gas, Öl oder Kohle. Sagen wettergegerbte Greenpeaceaktivisten der ersten Stunde. Und wer könnte in ökologischen Fragen glaubwürdiger sein?

Für neue deutsche Kernkraftwerke sprechen aber nicht nur Umweltargumente, sondern auch ökonomische Gründe. Zunächst einmal wäre da ein funktionierender Weltmarkt für den benötigten Rohstoff Uran. Abbaubares Uran findet sich in Kanada, USA, Australien, Frankreich oder Schweden, also Länder, in denen revolutionäre Umstürze auch in den nächsten Dekaden eher unwahrscheinlich sind. (Na gut, bei den Franzosen weiß man nie so genau und auch die gottesfürchtigen Amis sind einem skeptischen Mitteleuropäer ja nicht so recht geheuer, aber können Sie sich einen blutdürstenden islamistischen Terrorstaat in Schweden, Kanada oder Australien vorstellen?) Die Preisentwicklung beim Uran ist nicht so volatil wie beim Öl, ein Kartell in Form einer Organisation uranexportierender Länder ist mir unbekannt. Natürlich sind auch die Uranvorkommen endlich. Aber wie gesagt: es geht nicht um die nächsten 300 Jahre, sondern um die nächsten 30.

In Deutschland gibt es weiterhin ein immenses technologisches Knowhow. Exportfähiges Knowhow. Es wäre absurd, dieses Wissen und Können sowie unseren technologischen Vorsprung aufzugeben. Ausbauen und ausführen sollten wir ihn stattdessen. Andere Länder werden auf die Atomkraft nämlich nicht verzichten, weltweit sind mehr als 130 neue AKW bereits geplant oder im Bau. In China zum Beispiel. Und mir wäre es ehrlich gesagt lieber, wenn in China deutsche Atomkraftwerke mit deutschen Sicherheitsstandards gebaut würden als russische oder chinesische.

Kurzum: Zeit zum Umdenken. Ökologisch und ökonomisch ist Atomstrom die Energie der nächsten Jahrzehnte. Raus aus der Kohle - rein ins Atom. Jedenfalls so lange, bis die erneuerbaren Energien so weit sind, den Löwenanteil der Stromproduktion zu bestreiten.


Kommentare

Atom, bitte endlich mal ehrlich rechnen

wann hören wir endlich auf, den atomstrom
günstig zu rechnen?
- hohe wirtschaftliche Förderung in der
Bauphase
- unendlich hohe Sicherheitskosten
- nicht zu kalkulierendes Risiko
- und nicht zuletzt den Müll noch 5.000
Jahre lagern, oder sind es 50.000 Jahre?

Das muß doch in die Bilanz hinein.

heinz | 28. Oktober 2006 22:21 Uhr


Bilanzen?

In die Bilanzen kann man schreiben was immer man will, sie sind mehr oder weniger reale Beschreibungen der wirtschaftlichen Vergangenheit. Und die Kohlebilanzen sind wenig erquicklich: weltweite Erwärmung, Ozon, Arbeitslose …

Wolf | 29. Oktober 2006 11:20 Uhr


Warum keine Kohle?

Also, ich finde Kohle sexy. Noch haben wir die Nase vorn in der Kraftwerkstechnik. Und wenn Eon ernst macht, haben wir demnächst auch eines der saubersten Kraftwerke dazu. DAs CO2, was dann noch rauskommt, pumpen wir dann in Erdspeicher oder nutzen es mit Sonnenenergie und Algen zur Energieproduktion.

Und das Argument mit den irrwitzigen Kosten der heimischen Kohle zieht auch nicht. Erstens können wir weiterhin Kohle auf dem Weltmarkt kaufen, wo wir natürlich in Konkurrenz zu den großen Verbrauchern treten, die mal eben ein wenig flüssiger sind als wir. Zweitens ist Preis relativ. Ich denke, alle können sich an die schönen Geschichten erinnern über den kompletten Abbau einer Kokerei in Dortmund und dem verbringen nach China. Heute hätte man sie gerne wieder. Auch die Kanadier hatten zunächst nicht daran gedacht, die Ölsande zu nutzen, da damals zu teuer. Nun boomt es dort.

Kohle scheint mir vom Aspekt der Sicherheit besser beherrschbar als Atomkraft. Ich fühle mich schlicht unwohl, wenn mir jemand damit droht, so ein Ding in meiner Nähe in die Luft zu jagen. Das kann er natürlich auch in Frankreich, was auch unappetitliche Folgen für uns hat.

Gerade deshalb müssten wir eigentlich mit dem besseren Mix vorantraben ohne die Kompetenz in Sachen Atom zu verlieren. Wenn das schon keiner mehr studiert, weil er hier keinen Job findet, dann können wir uns tatsächlich nicht mit erhobenen Zeigefinger hinstellen. Deswegen: Innovation in Warp-Geschwindigkeit und bessere alternativen anbieten.

MirkoHörmann | 02. November 2006 16:28 Uhr


zu Atom, bitte endlich mal ehrlich rechnen

Ein weiterer entscheidener Fehler der immer wieder gemacht wird: Atomkraft ist eine fossile Energiequelle!!! und der Uran-Preis wird steigen nicht sinken! Prognosen sagen, dass bereits in 50 Jahren der Uran-Vorrat aufgebraucht sein wird!

Edroeh | 09. November 2006 17:58 Uhr


Atomkraft - nein danke!

"Selbst die kühnsten Ökooptimisten werden kaum ernsthaft behaupten wollen, dass sich dieser Anteil mit vernünftigem Aufwand in den nächsten 30 Jahren verlässlich auf 90 % steigern ließe."

Man koennte den Aufwand sehr viel schneller bewaeltigen wenn man anstelle das Steuergeld in Castortransporte zu stecken, zur Foerderung von regenerativen Energie stecken.

Und eine Frage an Schimpf, wenn wir nicht wollen dass irgendwer Atombomben in die Haende bekommt, warum legen wir diesen Leuten dann AKW's vor die Fuesse? Und man braucht kein Flugzeug um aus einem AKW eine Atombombe zu machen.

Edroeh | 09. November 2006 17:59 Uhr


Atomstrom nein

Alles was hier gegen Atomstrom geschrieben wurde ist richtig.Wir alle müssen aber noch mehr sparen und dieses können wir nur über unseren Geldbeutel lehrnen.Wenn wir alle weniger verbrauchen klappt es auch mit den Alternativ erzeugten Strom.

Friedrich Wilhelm | 04. Februar 2007 20:08 Uhr


zu: Atomkraft- ja bitte

Ich kann den Ausführungen des Autors prinzipiell nur zustimmen. Jahrelang hat die rot- grüne Regierung gepredigt, dass die Kernenergie zu unsicher sei, und man deshalb auf erneuerbare Energien zur Stromerzeugung setzen soll. Dagegen ist generell ja auch nichts einzuwenden. Jedoch sollte berücksichtigt werden, dass der derzeitige Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung nicht einmal annährend ausreicht, um den Bedarf zu decken. Ich rede hier nicht von Verschwendung, sondern von BEDARF. Wo soll also der Strom herkommen??? Aus Kohlekraftwerken? Gerade nach der CO2- Debatte sollten solcherlei Ideen gleich ad acta gelegt werden. Die Autoindustrie ist wochenlang an den Pranger gestellt worden, weil sie angeblich nicht in der Lage oder Willens sei, Autos mit geringem Verbrauch und somit geringem CO2- Ausstoß auf den Markt zu bringen. Gemessen an diesen doch recht wirren Aussagen mutet es doch befremdlich an, dass deutsche Autos sich weltweit allergrößter Beliebtheit erfreuen und zu einem erheblichen Teil zur Wirstchaftskraft des Landes beitragen.

Kohlekraftwerke hingegen, die in einem viel höheren Ausmaß zum CO2- Ausstoß beitragen, sollen auf einmal der Heilsbringer der Energiegewinnung sein bis erneuerbare Energien die Stromversorgung dauerhaft gewährleisten können? So etwas zu behaupten, grenzt schon an Heuchelei. Zum einen schreien alle, dass die Umwelt geschützt werden müsse (und dies zu Recht). Andererseits werden die Steinkohlesubventionen noch bis weit in die nächste Dekade hinein verlängert. Mit anderen Worten: Es werden Steuergelder in einen Wirtschaftszweig gesteckt, der offensichtlich nicht zukunftsträchtig ist (ansonsten wäre die Kohleindustrie ja in der Lage, rentabel zu arbeiten) und gleichzeitig auch die Umwelt in hohem Maße verschmutzt. Wo ist da bitte der Sinn? Die Atomenergie, die zum einen für die Energiegewinnung noch unerlässlich und zum anderen auch wirtschaftlich sehr lukrativ für die Bundesrepublik ist, wird wie ein Stiefkind behandelt. Der technologische Vorsprung, der auf diesem Gebiet über Jahrzehnte erarbeitet wurde, wird leichtfertig verschenkt, um unrentable Kohlekraftwerke betreiben zu können.

Spannend ist auch die Frage nach den Kosten. Jeder hätte gerne sicheren und sauberen Strom zu einem möglichst geringen Preis. Wie das alles gleichzeitig erreicht werden soll, erzählt einem komischerweise niemand. Die Entwicklung erneuerbarer Energiequellen ist mit immensen Kosten verbunden. Diese Kosten werden über höhere Endverbraucherpreise an den Kunden weitergegeben. Das Geschrei ist groß, weil ja niemand viel Geld für seinen Strom ausgeben will. Strom der aus Kohlekraftwerken generiert wird, ist zu einem großen Teil subventioniert. Der Kunde bezahlt also auch hier indirekt mehr für seinen Strom (durch seine Steuergelder) als er unbedingt müsste. Außerdem sind Kohlekraftwerke wie oben bereits erwähnt extrem umweltschädlich. Die einzige wirtschaftlich rentable und zugleich saubere Alternative ist zur Zeit der Atomstrom. (Die Kosten für die Castor- Transporte wären schon erheblich niedriger, wenn nicht jedesmal Tausende Polizisten notwendig wären, um eine unbelehrbare Schar von militanten Atomkraftgegnern daran zu hindern, eine Nuklearkatastrophe auszulösen)

Deutsche Atomkraftwerke gehören zu den sichersten der Welt. Warum sollte man also anständig das Szenario einer nuklearen Katastrophe vor Augen haben. In dieser Beziehung sollten wir uns eher um die AKWs unserer östlichen Nachbarn sorgen. Die Meiler in Tschechien und Polen entsprechen zumindest in keinster Weise den hiesigen Sicherheitsstandards. Und wenn es dort zum Super- Gau kommt, sieht es hier zu Lande auch nicht viel besser aus.
Paradoxerweise wird man jedoch spätestens dann auf jene tickenden Atombomben angewiesen sein, wenn unser letztes AKW vom Netz gegangen ist und wir teuren, unsicheren Atomstrom aus dem Ausland kaufen müssen, um unseren Energiebedarf zu decken. Erneuerbare Energien werden dazu bis dahin nämlich wahrscheinlich noch nicht in der Lage sein.

Christian | 15. Mai 2007 02:33 Uhr


Energiebilanz

Die Energiebilanz von Atomstrom ist keineswegs so neutral, wie das gerne schöngerechnet wird. Nicht einmal die CO2-Bilanz ist neutral, man müsste dabei auch Förderungs-, Transport-, Lagerbau- und Sicherheitsaspekte einbeziehen...

Dazu kommt, wie weiter oben schon bemerkt, Uran ist ein fossiler Brennstoff. Und das Wort Brennstoff deutet auch darauf hin, wie man daraus Strom erzeugt: In dem man Wasser kocht und den Dampf durch Turbinen schickt. Mit einem leider ziemlich miesen Wirkungsgrad. Das heißt, durch die Nutzung von Uran führen wir der Atmosphäre Wärme zu, die über das hinnaus geht, was uns die Sonne ohnehin an permanenter Strahlung schickt, Wärme, die in viel-tausendjährigen Prozessen gespeichert wurde, und die wir jetzt in ein paar Jahrhundertern wieder freisetzen. In dem Punkt nimmt sich Uran nicht viel mit Steinkohle...

Das einzige zukunftsgerechte energiepoitische Handeln wäre eine massive Förderung der Forschung an und Umsetzung von wirklich sauberen Stromerzeungungswegen.

Thomas | 18. Mai 2007 21:48 Uhr


Atomkraft ja und nach uns die Sinnflut?

wenn die blöden Störfälle in den todsicheren Kraftwerken nicht dazwischen gekommen wären hätte die PR-Kampagne für Kernkraft mit CO2 und Klimaargumentation vielleicht funktioniert.
Aber werden die tollen Plakate von der Kernkraft-PR und die bestellten Artikel zur Realsatire.
Dabei könnte man fast vergessen wie nachhaltig gefährlich diese Technologie für ganze Regionen ist.
Wir hinterlassen unseren Nachfahren über lange Zeit strahlende Ruinen, aber nach uns kann ja ruhig die Sinnflut kommen, oder?

Lapidar | 31. Juli 2007 11:47 Uhr




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