Am Samstag waren wir bei Auto Teile Unger. Der altersschwache Golf meiner Freundin musste zur Inspektion. Absichtlich haben wir um VW einen großen Bogen gemacht. Man weiß ja nie, wie viel Prozent einer VW-Rechnung letzten Endes bei brasilianischen Freudenmädchen landen oder auf irgend welchen Sausen versoffen und verhurt werden. Daher also diesmal ATU.
Der Wagen, ein Golf IV, hat noch keine 200.000 Kilometer runter, pfeift aber schon aus dem letzten Loch. Es kam also ein bisschen was zusammen. Doch die freundliche ATU-Beraterin wusste Rat: „Haben Sie schon eine ATU-Karte?“ fragte Sie mich. Natürlich nicht. „Ja, wenn Sie jetzt gleich eine beantragen, dann erlassen wir Ihnen 15,00 € von der Rechnung. Natürlich ist die ATU-Karte für Sie absolut kostenlos.“
Fein. Damit man in den erlauchten Kreis der ATU-Karteninhaber (Mein Haus – mein Boot – meine ATU-Card!) aufgenommen wird, muss man ein paar seiner persönlichen Daten preisgeben. Familienstand, verfügbares monatliches Nettoeinkommen, Kontoverbindung, ob man ein Auto hat, wenn ja welches, wo man arbeitet und seit wann und in welcher Funktion. Das war’s auch schon. Finito. Ende der Selbstentblößung. Dafür gibt es 15,00 €. Schneller und schmerzloser als Blutspenden.
Das finde ich ausgesprochen interessant. Ich habe nämlich überhaupt keine Probleme damit, seriösen Unternehmen die oben genannten Daten für 15,00 € zu verkaufen. Brutto für netto. Weitere Daten gerne auf Nachfrage und extra Zahlung. Endlich weiß ich jetzt Dank ATU genau, wie viel diese banalen und ohnehin kurzlebigen Daten schon einem Low-Budget-Autoschrauber wert sind. Wer in Zukunft diese Informationen von mir haben will, muss also mindestens den ATU-Tarif blechen.
Nur bei ganz besonders ausgesuchten Unternehmen wäre ich vielleicht bereit, darüber nachzudenken, ganz ohne Gegenleistung gläserner Kunde zu sein. Manchmal will ich ja sogar, dass die Unternehmen, wissen, was ich will. Sonst stellen sie womöglich noch eine meiner Lieblingsproduktlinien ein, weil sie nicht genug über mich bescheid wissen. Vielleicht könnte es „Dolomiti“, das rot-grün-weiß gefärbte Eis am Stil oder das IKEA Metallregal „Peter“ noch geben, wenn es damals schon die Langnese-Card gegeben oder ich in den frühen 90ern nicht einen großen Bogen um die IKEA-Kundenkarte gemacht hätte. Aber das sind absolute Einzelfälle.
ATU & Co. müssen natürlich zahlen für meine Daten. Fassöl und Bremsklötze kann ich notfalls auch woanders kaufen. Also, liebe Jungs von VW: wenn ihr mich als Kunden wieder haben wollt, bietet mir die VW-Kundenkarte an – die Daten gibt’s für Euch allerdings erst ab 30,00 €. Bei zwielichtigen Firmen mit einer ungesunden Nähe zum Rotlichtmilieu muss der Aufschlag leider sein.






