Es ist an der Zeit, ein paar Worte über Helmut zu verlieren. Helmut ist Lottas Freund. Er ist ein Plüschteddy von Sigikid, ist sehr weich, hat keinen eigenen Willen und damit wohl die besten Voraussetzungen, Freund meiner Tochter zu sein.

Wenn Lotta längere Zeit einfach so
alleine herumliegend verbringt, dann nur, weil sie mit Helmut
zusammen ist und ihm etwas vorlallt. Wenn Lotta friedlich einschläft,
dann nur, weil Helmut neben ihr liegt. Mit Helmut hat Lotta nie
Streit. Mit mir hatte Lotta schon öfters Streit. Helmut macht
nie etwas, was gegen Lottas Willen ist. Ich mache öfters etwas,
was meiner Tochter sehr unrecht ist. Helmut verlangt von ihr nie, zu einer
bestimmten Zeit die Äuglein zu schließen. Er will nie,
dass sie einen aufgequollenen Hirsebrei isst. Er muss sie morgens
nicht anziehen. Helmut hat es leicht.
Ich habe es nicht so leicht. Aber ich
glaube nicht, dass das mein Baby interessiert. Wenn ich Lotta abends
endlich gebettet habe, nimmt sie Helmut in den Arm und brabbelt ihm
etwas ins Ohr und krault sein Fell. Keine Ahnung, was sie ihm sagt –
vielleicht beschwert sie sich über die archaischen
Nachtruhevorstellungen ihres Vaters.
Wer ist dieser Helmut überhaupt? Ich kenne ihn kaum. Der Patenonkel meiner Freundin hat ihn geschickt (den kenne ich auch kaum). Ich weiß nicht, was ihn heraushebt zwischen all den Greiflingen, Beißlingen und Rasselringen, die um die Aufmerksamkeit meiner Tochter buhlen. Im aktuellen Bären-Sortiment von Sigikid ist er nicht einmal mehr vertreten – ein Nobody-Teddy.
Sicher ist nur, dass Helmut in Lottas Leben von nun an sehr wichtig sein wird, egal ob ich Helmut für einen guten Umgang halte oder nicht. Helmut wird überall dabei sein. Helmut wird zerzaust und zerkaut sein, ein Auge verlieren und Lotta wird ihn dennoch lieben. Eines fernen Tages aber wird Helmut das Schicksal ereilen, das allen Lieblingsstofftieren bestimmt ist. Er wird auf irgendeinem Rücksitz, einem Flugzeugsitzplatz oder unter einem Restaurant-Stuhl vergessen werden, nicht mehr auffindbar sein, verloren für immer. Es werden Sturzbäche von Tränen fließen.
Und wahrscheinlich wird man Papa dafür die Schuld geben.




