Heute also Lottas erster Tag in der Kita. Nur eine Stunde täglich zunächst zur Eingewöhnung. Allerdings frage ich mich, wer hier eingewöhnt werden muss: Mein Kind oder ich.
Lotta machte es sich sofort auf dem Schoß von Karola bequem. Karola ist die Kindergärtnerin und soll in wenigen Wochen Lotta darüber hinwegtrösten, dass der Vater wieder in das deutsche Erwerbsleben eingetaucht. Meine Tochter schien mit dem Tausch zufrieden: Karola lächelte Lotta an, Lotta lächelte Karola an. Ich lächelte auch, aber eher ins Leere, denn so richtig beachtet hat mich ja niemand.
Dazu kommt: Wer mit seinem Kind eine Kita betritt, muss seine Elternschaftsgrundsätze an der Fußmatte abstreifen. Lotta hat fast nur Spielzeug aus Holz. Für die Kita-Einrichtung hingegen musste, soweit ich gesehen habe, kein Baum sterben. Lotta verunsicherte das nicht im Ansatz. Sie stopfte sich eine knallgelbe Plasitk-Rassel und einen alarmroten Marienkäfer gleichzeitig in den Mund. Und noch einiges anderes wird sie sich künftig dort in dem Mund stopfen: Hipp-Gläschen.
Nun habe ich als nach Perfektion strebender Elternteil stets vermieden, einem Hipp-Gläschen in meinem Hauhalt Obdach zu gewähren und auf Produkte von Demeter zurückgegriffen. Schließlich enthält manches Hipp-Menü Salz. Sollte ich opponieren? Das Wort erheben, rufen: MEINER Tochter soll NICHT dieses Pökelfleisch verabreicht werden? Natürlich nicht – ich will auch nicht den Eindruck geben, dass Lotta ein Spössling versnobter Eltern sei. Und Hipp-Nahrung ist ja auch nicht schlecht, hört man immer wieder.
Klar, dass in der Kita auch andere Essenzeiten gelten, als ich sie Zuhause pflege. Und trotzdem ich gerade erst gegen meine Freundin durchgesetzt habe, dass meine Tochter immer hübsch mollig gekleidet ist, meinte Karola: „Ist das nicht etwas warm, wie Lotta angezogen ist?“ Wahrscheinlich hat sie Recht.
Als ich nach einer Stunde mit meiner Tochter die Kita verließ, überlegte ich, wie es wohl sein würde, ein in Stumpfhosen tobendes, Hipp-Menüs verzehrendes, Kunststoff bespielendes Kind zu haben, das sich um das zarte Wertegerüst seines Vaters überhaupt nicht schert. Ich hörte von Ferne, wie Karola eine CD einlegte mit einem singenden Kinderchor. Es dudelte: „Old McDonald hat ne farm...“.
Daran werden ich mich auch gewöhnen, habe ja noch vier Wochen Zeit.
Ee i ee i o!





