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FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND
18. März 2010 21:33 Uhr

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Aussätzige Väter

Prüfer | 23. März 2006 13:15 Uhr
Wir werden uns jetzt öfter sehen, hat mir der Kinderarzt bedeutungsschwer gesagt. Wenn ein Kind in die Kita komme, dann werde es nämlich ständig krank. So, so sagte ich. Lotta, muss ich sagen, ist gesund. Der einzige, der ständig krankt, bin ich.

Eine Gastroenteritis wirft mich um und kaum stehe ich wieder auf, legt sich mir ein Husten um den Hals. Und Lotta? lacht. Natürlich bin ich dankbar für jedes Bakterium, das nicht meine Tochter befällt, sondern sich lieber am Erzeuger abarbeitet.

Wahrscheinlich sitzen die kleinen Erreger auf der Nasenspitze von Lotta und entschließen sich einfach, mich anzufallen anstatt des Kindes. Wohl weil ein alterndes Vatertier für so eine Bakterien-Bande einfacher niederzuringen ist als ein energisches Krabbelkind (genau, Lotta krabbelt nämlich jetzt, wenn auch erst rückwärts).

Man muss nur wissen: Es gibt einen essentiellen Unterschied zwischen kranken Kindern und kranken Vätern. Kranke Kinder bekommen warmen Tee und Zwieback und dürfen Fernsehen gucken, soviel sie wollen. Kranke Väter sind Aussätzige. Schon eine einfache Erkältung genügt, damit Kollegen sich Tücher vor den Mund legen und schreien: „Bleib fort“ oder „Avete Satanas!“. Als kranker Vater darf man sich in ein Loch verkriechen und erst wieder herauskommen, wenn man keine Infektionsrisiko mehr darstellt. Ich bin gespannt, wie meine Kollegen reagieren, wenn Lotta Röteln und Mumps mitbringt. Die hatte ich nämlich noch nicht.

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