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FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND
14. März 2010 19:02 Uhr

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Jetzt wird erzogen!

Prüfer | 16. August 2006 19:37 Uhr
Nun ist Lotta 14 Monate alt und nun ist es Zeit für die Erziehung. Das ist etwas was ich mir ganzganz fest vorgenommen habe: Das Kind erziehen.

Leider habe ich das Gefühl, dass es sich mit der Erziehung in etwaso verhält, wie mit meiner Steuererklärung: Ich schiebe es ständig vor mir her, nehme mir fest vor, nächstes Wochenende ganz bestimmt damit anzufangen. Und ehe ich mich versehe, ist es zu spät. Ist das Kind schon verzogen.

Lotta ist jetzt 14 Monate alt und es ist offenbar zu spät. Irgendwo muss da ein Zeitfenster gewesen sein, wo man den Kind, ein freundliches "Nein" sagen kann. Wo es anschließend fragend schaut, den ruhigen aber ernsten Blick des Vaters registriert. Und etwas unterlässt, was es unterlassen soll. Zum Beispiel den Wurf eines Stückchens Banane auf den gewiss nicht ganz pflegeleichten, weil schonend geölten Holzfussboden.

Stattdessen verhält es sich so. Lotta hört das "Nein", registriert den ruhigen aber ernsten Blick des Vaters. Und lässt ihn Zeuge werden, wie ein matschiges Bananenstück sich den G-Kräften hingibt und auf den gewiss nicht ganz pflegeleichten, weil schonend geölten Holzfussboden platscht. Dann lächelt Lotta. Und was macht der Vater? Er lächelt auch. Weil ich ja froh bin, wenn das Kind sich freut.

Es gibt nämlich auch die Tage, wo Lotta nicht lächelt. Beziehungweise die Nächte. Bezieungsweise das, was ich als Nächte bezeichne: Lotta hingegen findet, dass die Uhrzeit 4:30 durchaus schon von Morgenfrische beseelt ist - und die Tatsache, dass ihr Vater das nicht so sieht, und sie zum weiter schlafen bewegen will, macht sie wütend. Sehr wütend. Zwei Stunden lang sehr wütend.

Und was macht der Vater? Redet schlaftrunken auf das Kind ein, summt, singt, bis das Kind wieder schläft. Oder wenigstens lächelt. Und mir offenbar meine allzu bürgerliche Auslegung des Begriffs "Nachtruhe" verziehen hat.

Natürlich könnte ich auch ganz anders sein. Ich könnte mahnen und drohen und schimpfen. Aber das würde Lotta nur noch wütender machen.

Ich wünschte, ich könnte Lotta sagen: "Wenn Du nicht gleich brav bist, gibt es drei Tage kein Fernsehen!". Leider sieht Lotta nicht fern.

Gleich morgen fangen wir damit an.

Kommentare

Erziehung etc.

Hallo Herr Prüfer!

Sie tun mir unheimlich leid muss ich sagen, ich meine damit u. a. die tatsache, dass sie nachts so schlecht schlafen können, obwohl ihre kleine ja schon nicht mehr wirklich ein baby ist. ich kann mir gut vorstellen, dass sie das schon oft gehört haben, aber haben sie schon mal daran gedacht, dass ihre kleine tochter sich das angewöhnt hat sie nachts wachzuhalten, weil sie das nicht nur immer mitmachen, sondern sie auch noch bereit sind mitten in der nacht zu unterhalten - da ist es doch kein wunder, dass ihr kind sich das nicht nehmen lassen möchte, oder? ich spreche aus erfahrung, meine tochter schrie fast ununterbrochen bis zum 5. lebensmonat. mir ist natürlich klar, dass kinder individuell und unterschiedlich sind, aber ich bin der meinung, dass auch bei ihnen feste rituale helfen können. sie möchten ganz gewiss, ein lieber und geliebter papa sein, aber sie tun sich selbst und vor allem auch ihrem kind keinen gefallen, wenn sie sich auf der nase tanzen lassen. wenn sie sich selbst so gering schätzen, warum sollte ihr kind das? versuchen sie durchzuhalten und sie werden sehen, wie sich ihr leben - und ihr kind - allmählich zu einem entspannteren wandelt.

feste regeln aufzustellen (prinzip: spielen zu spielzeiten, ruhe zu ruhezeiten) und sich konsequent an sie zu halten, macht sie nicht zu einem gemeinen vater. aber es macht natürlich anfangs etwas arbeit und erfordert starke nerven - da müssen sie durch, aber der erfolg wird es ihnen danken - und das lächeln ihrer zufriedenen tochter - ja, ja, sie wird sie auch dann noch ganz oft anstrahlen und auch umarmen, wenn sie nicht mehr alles durchgehen lassen. ich drücke ihnen die daumen!

Marina | 17. August 2006 15:04 Uhr




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