Leider habe ich das Gefühl, dass es sich mit der Erziehung in etwaso verhält, wie mit meiner Steuererklärung: Ich schiebe es ständig vor mir her, nehme mir fest vor, nächstes Wochenende ganz bestimmt damit anzufangen. Und ehe ich mich versehe, ist es zu spät. Ist das Kind schon verzogen.
Lotta ist jetzt 14 Monate alt und es ist offenbar zu spät. Irgendwo muss da ein Zeitfenster gewesen sein, wo man den Kind, ein freundliches "Nein" sagen kann. Wo es anschließend fragend schaut, den ruhigen aber ernsten Blick des Vaters registriert. Und etwas unterlässt, was es unterlassen soll. Zum Beispiel den Wurf eines Stückchens Banane auf den gewiss nicht ganz pflegeleichten, weil schonend geölten Holzfussboden.
Stattdessen verhält es sich so. Lotta hört das "Nein", registriert den ruhigen aber ernsten Blick des Vaters. Und lässt ihn Zeuge werden, wie ein matschiges Bananenstück sich den G-Kräften hingibt und auf den gewiss nicht ganz pflegeleichten, weil schonend geölten Holzfussboden platscht. Dann lächelt Lotta. Und was macht der Vater? Er lächelt auch. Weil ich ja froh bin, wenn das Kind sich freut.
Es gibt nämlich auch die Tage, wo Lotta nicht lächelt. Beziehungweise die Nächte. Bezieungsweise das, was ich als Nächte bezeichne: Lotta hingegen findet, dass die Uhrzeit 4:30 durchaus schon von Morgenfrische beseelt ist - und die Tatsache, dass ihr Vater das nicht so sieht, und sie zum weiter schlafen bewegen will, macht sie wütend. Sehr wütend. Zwei Stunden lang sehr wütend.
Und was macht der Vater? Redet schlaftrunken auf das Kind ein, summt, singt, bis das Kind wieder schläft. Oder wenigstens lächelt. Und mir offenbar meine allzu bürgerliche Auslegung des Begriffs "Nachtruhe" verziehen hat.
Natürlich könnte ich auch ganz anders sein. Ich könnte mahnen und drohen und schimpfen. Aber das würde Lotta nur noch wütender machen.
Ich wünschte, ich könnte Lotta sagen: "Wenn Du nicht gleich brav bist, gibt es drei Tage kein Fernsehen!". Leider sieht Lotta nicht fern.
Gleich morgen fangen wir damit an.





